Die Ankündigung des Museums hat bereits weit über die Grenzen hinaus ein Echo ausgelöst. Journalisten aus Brasilien, Italien und Deutschland haben ihren Besuch angekündigt, sagte Direktor Yann Klauser am Dienstag an einer Pressekonferenz.

Ironie der Geschichte: Das Museum befindet sich ausgerechnet im Gebäude des ehemaligen Bezirksgerichts, dort wo Polizei und Richter die Schwarzbrenner von Absinth seinerzeit zur Rechenschaft gezogen haben.

Absinth, die hochprozentige Spirituose mit Anis-Geschmack, ist im Kanton Neuenburg seit dem 18. Jahrhundert produziert worden. Im Jahr 1910 wurde die «Fée verte» in der Schweiz allerdings aus Rücksicht auf die Volksgesundheit verboten. Das Absinth-Verbot wurde 1999 erst aus der neuen Bundesverfassung entfernt und 2005 schliesslich auch auf Gesetzesstufe aufgehoben.

Heute werden im Val-de-Travers wieder über 120'000 Liter Absinth pro Jahr produziert. Ein Wirtschaftszweig, der einen Umsatz von zehn Millionen Franken und Mehrwertsteuereinnahmen von 2,8 Millionen Franken generiert.

Die Bemühungen der lokalen Produzenten, dass Absinth eine geschützte Bezeichnung wird, sind derzeit noch nicht vom Erfolg gekrönt. Aufgrund verschiedener Rekurse gegen den Schutzantrag warten die Produzenten derzeit auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts.

Einblick in bewegte Geschichte
Die Besucherinnen und Besucher können sich auf drei Stockwerken ein vielseitiges Bild über die «Grüne Fee» verschaffen, sei es mit antiken Gegenständen aus der Belle Époque, Poesie, Informationen zum Verbot oder über die Bedeutung des Absinths für die lokale Wirtschaft und rund um die Erde.

Eine Begegnung mit der Geschichte, aber auch mit Geschichten: Wahrheit, Halbwahrheiten und Geschichten, die schlicht erfunden wurden: «Aber es ist auch gut, wenn der Besucher Zweifel hegt, denn die Gewissheit zerstört die Phantasie», sagte Pierre-André Delachaux vom Regionalmuseum des Val-de-Travers, das einen Teil der ausgestellten Objekte beigesteuert hat.

Aber im Museum gibt es auch etwas zum Anfassen und für die Geruchssinne zuentdecken: Über 1200 Pflanzen mit den wichtigsten Kräutern, die als Zutaten für die hochprozentige Spirituose verwendet werden. Und an einer Bar können 15 Produkte aus der Region degustiert werden.

Dem Haus des Absinth kommt nach den Worten von Pierre-Olivier Chave, Präsident des Stiftungsrats, eine dreifache Rolle zu: Neben der Erhaltung des lokalen Kulturgutes habe das Haus auch eine touristische Bedeutung für die ganze Region sowie für die wirtschaftliche Entwicklung.

Gebäude aus dem Jahr 1750
Das Gebäude des Absinth-Museums stammt aus dem Jahr 1750 und ist für zwei Millionen Franken renoviert worden. Eine Million Franken davon sind ein Darlehen des Bundes im Rahmen der neuen Regionalpolitik. Das Haus wird den Initianten des Hauses des Absinths während einer Periode von 20 Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt.

Der Finanzrahmen der Stiftung beläuft sich auf 2,1 Millionen Franken. Dazu haben neben Eigenkapital und Subventionen auch die Loterie Romande mit 800'000 Franken sowie Partner und Sponsoren wie die Schweizer Berghilfe mit 350'000 Franken beigesteuert. (sda/ad)