Über 50 verschiedene Festwagen, Gruppen und Guggenmusiken zogen am Sonntag bei strahlend sonnigem Wetter durch die historische Altstadt von Bellinzona. Dabei wurden in den Szenen auf den Umzugswagen wie immer Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Sport aufs Korn genommen. Dieses Jahr waren Themen etwa die Missstände am Tessiner Sozialdepartment, der selbstverschuldete Niedergang eines grossen Tessiner Gemüsebauern oder Spannungen zwischen den beiden Eishockeyclubs HC Ambri Piotta und Lugano.

Tessiner machen Lärm
Der närrische Umzug zum 155. Jubiläum der «Rabadan» genannten Fasnacht war einer der Höhepunkte im Tessin. Es ist die grösste Fasnachtsveranstaltung im Südkanton. Jedes Jahr ziehen zahlreiche Attraktionen bis zu 150'000 Besucherinnen und Besucher an. Neben vielen Gästen aus der Deutschschweiz nahmen auch Guggenmusiken aus anderen Kantonen teil.

Offiziell beginnt das närrische Treiben am Donnerstagabend, wenn der Stadtpräsident die Schlüssel der Stadt an Seine Majestät König Rabadan übergibt. Das Wort «Rabadan» stammt aus dem lombardischen Dialekt und bedeutet so viel wie Krach, Lärm oder Durcheinander.

Strohmänner im Wallis unterwegs
In der Fasnachts-Hochburg Luzern kam es am Sonntag zu einem närrischen Intermezzo in der Kirche. Bei der Guuggermesse in der Hofkirche spielten neben der Hoforgel die Guuggenmusik Chottlebotzer Luzern. Zudem standen in mehreren Landgemeinden Umzüge auf dem Programm. Am rüüdigen Samstag hatte das Grand Casino zur Seniorenfasnacht geladen.

Im Walliser Dorf Evolène trieben die gestopften «Empaillés» ihr Unwesen. Die maskierten Strohmänner, deren Ursprung in heidnischen Riten liegt, durchstreifen die Dörfer der Region, um die bösen Geister des Winters zu vertreiben. Das Kostüm wird dazu in mühsamer Arbeit gestopft und wiegt rund 25 Kilogramm.

Nicht jede Fasnacht verlief friedlich
Bereits am Samstagnachmittag fand der Fasnachtsumzug in Chur statt.Rund 19'000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das Spektakel.Entlang der Umzugsroute erfreuten sich viele Fasnachtsbegeisterte am närrischen Treiben der 45 Formationen. Das Monsterkonzert auf dem Kornplatz stellte zum Schluss einen weiteren Höhepunkt der Churer Fasnacht dar. Für die Stadtpolizei ist der Umzug jeweils einer der grössten jährlich wiederkehrenden Anlässe. Es gab dieses Jahr keine Zwischenfälle.

Weniger friedlich verliefen die Feierlichkeiten andernorts. In Appenzell prügelten sich in der Nacht auf Sonntag zwei Männer im Alter von 22 und 24 Jahren. Einer der beiden musste ins Spital gebracht werden. Die Hintergründe sind unbekannt. Zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam es in der gleichen Nacht auch nach der Fasnacht im aargauischen Rheinfelden. Ein 56-jähriger Mann musste zur Kontrolle ins Spital, nachdem er sich bei einem Sturz in einen Bach Verletzungen am Kopf und im Gesicht zugezogen hat. Auf dem Heimweg war es zu einer Auseinandersetzung mit drei weiteren Personen gekommen. Die Polizei sucht Zeugen. (sda/og)