Unbeeindruckt vom kunterbunten Treiben blieben am ersten Fasnachtstag in Luzern wohl einzig die Wintergeister. Sie liessen die Schneeflocken tanzen. Mal mehr, mal weniger. Aber vertrieben liessen sie sich noch nicht. Dafür ist ja noch Zeit. Die «rüüdigen Fasnachtstage» enden erst in der Nacht auf Aschermittwoch. Bis dahin also herrscht in Luzern Ausnahmezustand. Die Nacht hatte sich noch gar nicht verabschiedet, als der Urknall die sehnlichst wartende Schar aus dem Winterschlaf erlöste. Der mit Fackeln beleuchtete Nauen brachte die fasnächtliche Symbolfigur Bruder Fritschi samt Familie und dem Fritschivater via Seeweg zum Schwanenplatz.

Bei Temperaturen von einem Grad zogen die Guggenmusigen im Sternmarsch durch die Altstadt – vorbei an tanzenden Frühaufstehern. Viele scheuten keinen Aufwand: hier ein extra angeschlepptes Spitalbett, dort ein Mann mit umgeschnalltem Rettungsboot. Gegen 15'000 Fasnächtler fanden den Weg an die Tagwache – im vergangenen Jahr waren es 16'000 gewesen. Der Auftakt blieb friedlich, wie ein Sprecher der Luzerner Polizei auf Anfrage sagte.Es gab vereinzelt Meldungen von Taschendiebstählen. Die Extrazüge an die Tagwache waren laut einem SBB-Sprecher gut bis sehr gut ausgelastet.

Frau von Fasnachtswagen angefahren
Nach dem Urknall in der Früh folgte am Nachmittag der Fritschi-Umzug, ein weitere Höhepunkt der Luzerner Fasnacht, dessen Tradition bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht. Die Luzerner Polizei schätzt die Besucherzahl auf 25'000 Personen. Im vergangenen Jahr waren es 36'000. Das war ein Zuschauerrekord.

Wie die Luzerner Polizei mitteilte, kam es gegen Ende des Umzugs im Bereich der Seebrücke zu einem Unfall. Eine Frau wurde aus noch ungeklärten Gründen von einem Fasnachtswagen angefahren und stürzte. Sie wurde verletzt und musste mit dem Rettungsdienst ins Spital gebracht werden. Zur Art der Verletzung konnte ein Polizeisprecher auf Anfrage noch keine Angaben machen. Der Umzug führte vom Luzernerhof über die Seebrücke in die Neustadt. Unterwegs umrundete der Fritschiwagen drei Mal den Fritschibrunnen, das sagenumwobene Grab von Bruder Fritschi auf dem Kapellplatz.

«Lozärn first»
«Die ganze Welt ist eine Muppet-Show.» Oder: «Wird die Welt von Affen regiert?» lauteten Mottos der Umzugsnummern. Die Fasnachtsmusig Noteheuer Lozärn verkündete: «Lozärn First». Man brauche keine Statue und Föhnfrisur zum Blagieren. Man habe den Leu und die Fasnacht zum Brillieren. Die Sujets waren politisch, vielfältig und kunterbunt, die Details faszinierend. Viele wilde Gruppierungen schmuggelten sich auch heuer wieder unter die offiziellen Nummern.

Angereist waren auch Trumps. Und Melanias. Und Cowboys, Prinzessinnen, Tiger, Hexen und Piraten. Gemeinsam feierten sie «grösstenteils sehr friedlich» und «ohne grösseren Probleme», wie die Polizei weiter mitteilte. Nach 16.30 Uhr löste sich der Umzug in der Neustadt auf. Nicht fertig aber war der Tag für zahlreiche Gäuggel und Gnomen. Ein Kafi-Schnaps. Oder zwei. Und schon wurde die einkehrende Nacht wieder zum Tag.

Weisse Nachthemden in Solothurn
Nicht nur in Luzern sind ab sofort die Narren los: In Solothurn haben in den frühen Morgenstunden mit der traditionellen Chesslete die närrischen Tage begonnen. Tausende in weisse Nachthemden gekleidete Narren mit weisser Zipfelmütze auf dem Kopf und rotem Halstuch rissen die Stadt mit viel Lärm aus dem Schlaf. Auf Kommando um fünf Uhr nahmen mehrere Tausend Fasnächtler ihre Glocken, Rätschen und Hörner in Betrieb und zogen lärmend durch die Solothurner Altstadt und Vorstadt.

Die Stadt Solothurn nennt sich während der fünften Jahreszeit kurzerhand Honolulu. Der seit dem Jahr 1888 bekannte Brauch der Chesslete soll den Winter vertreiben – und für viel gute Laune sorgen. Weiter wurde am Donnerstag auch in anderen Zentralschweizer Kantonen, im Aargau, in St. Gallen, Teilen des Tessins sowie im Wallis der Start in die fünfte Jahreszeit ausgiebig gefeiert. (sda/og)