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dolce vita
17.12.2009
Kein Gegensatz: Jung, urban und auf Suche nach Brauchtum
Junge Zürcher spüren das kulinarische Brauchtum der Schweiz auf. Dabei stossen sie auf Skurriles, fernab von Fondue und Raclette. Und zeigen, dass sich Tradition und Moderne nicht ausschliessen müssen.
samira Zingaro

Ein Buch im Brockenhaus hat sie dazu inspiriert. Es stammte von einem Schweizer Volkskundler und war um die hundert Jahre alt. Darin stand ein Satz über Pizochels. Das hat Gina Lisa Bucher und Roland Früh, beide um die dreissig, beflügelt. Ihnen schwebte vor, «selber ein schönes Buch zu machen», wie Herausgeberin und Journalistin Bucher erzählt. Eines mit unbekannten Bräuchen. Bei ihren Recherchen entdeckten die zwei Zürcher, dass viele Bräuche eng mit Rezepten verknüpft sind. Die Idee der Heftreihe «Sonntagsfreuden» war geboren.

In jeder Ausgabe ein anderer Kanton und anderer Monat
Bislang sind neun Hefte erschienen. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem anderen Kanton und Monat. Dabei ist die Gestaltung durch junge Grafiker ebenso zentral wie der redaktionelle Teil. Inputs liefern oft einzelne Sätze, wie jener aus Solothurn, der besagt, wer beim Kegeln gewinnen wolle, müsse an einem bestimmten Tag eine Blindschleiche töten und sie mit Erbsen vergraben. Oder Absurdes wie aus Rapperswil, wo man einst Katzen von einem Turm schmiss. In jedem Heft finden sich mehrere Rezepte. Das aktuelle Heft behandelt den Kanton Zug und beschreibt das «Zunftmöhli». Der Brauch geht auf die Schneiderzunft kurz vor Napoleons Einmarsch zurück und wird heute noch im Oktober gefeiert. Als Rezepte werden der «Schneiderfladen», die «Rücktrittssuppe» und die «Herdöpfelchüechli» präsentiert. Die Hefte kann man über die Website oder in ausgewählten Geschäften erstehen, einzeln oder in einem Schuber: Die Kartonbox enthält sechs Exemplare der Heftreihe.

Prämiert als eines der schönsten Schweizer Bücher
«Wir haben keinen Museumsblick», sagt die Autorin Gina Bucher, angesprochen darauf, warum Städter alte Bräuche aufstöbern. Sie wehre sich dagegen, dass Brauchtum und Stadt stets als gegensätzlich dargestellt würden. Auch urbane Menschen würden Bräuche vollziehen. «Wir entstauben Tradition nicht, wir stellen sie höchstens in einen zeitgenössischen Rahmen», so Bucher. Das Konzept scheint aufzugehen: 2008 wurde die Reihe als eines der schönsten Schweizer Bücher prämiert. Zunftmöhli, Heft Nr. 9, 40 Seiten, drahtgeheftet, Fr. 12.–. Buchpräsentation: 20. Dezember bei Les Complices, Anwandstrasse 9, Zürich. www.sonntagsfreuden.ch

  
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