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dolce vita
9.08.2012
Kiloschwer, sortenreich und vielseitig verwendbar
Der Kürbis gehört zu den grössten Früchten und steht lange vor Halloween in voller Blüte: Die Saison geht jetzt los, wie ein Besuch beim «Kürbis-Buur» Weyeneth zeigt.
Franziska Egli

Noch sind Sommerferien, und viele Sonnenblumen stecken noch keck ihre Köpfe in die Höh', da gedeiht unter viel Grün etwas, das man gemeinhin erst im Herbst vermutet: der Kürbis. Auf dem Feld der Familie Weyeneth im solothurnischen Lüterkofen wachsen auf einem Hektar an die 90 verschiedenen Sorten dieser Ware, die ursprünglich aus Amerika stammt, heute aber weltweit kultiviert wird. Und jetzt, gen Spätsommer, sind bereits die ersten Früchte reif. «Am 15. August geht’s bei uns los», sagt Rosmarie Weyeneth und meint damit auch das Kürbis-Labyrinth, in dem nochmals rund 50 verschiedene Sorten kultiviert sind. Hier, in dieser Art Erlebnispark, empfangen Weyeneths jährlich bis zu 3000 Gäste und bringen ihnen auf spielerische Art die unzähligen Sorten dieser Frucht näher.

Richtig: Frucht. Der Kürbis - notabene die grösste Frucht im Pflanzenreich - gehört zur Familie Cucurbitaceae, ist wie die Melone oder die Gurke ein Kürbisgewächs und zählt botanisch zu den Beerenfrüchten wie auch die Tomate oder die Banane.

In der Schweiz entwickelte sich der Kürbis zum Selbstläufer

«In der Schweiz war der Kürbis lange verpönt»: Bio-Bauer Urs Weyeneth vermutet, dass die hierzulande am häufigsten angepflanzte, aber nicht unbedingt sehr schmackhafte Sorte «Gelber Zentner» mitunter ein Grund dafür ist. Zudem brachte man Kürbisse bislang vor allem mit dem US-amerikanischen Volksbrauch des Halloween in Verbindung.

Erst Anfang 1990er-Jahre hielt der Kürbisanbau hierzulande Einzug, beobachtete Markus Rediger, Geschäftsführer beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst in Bern. «Die Bauern begannen ihn anzubauen und selbst zu vermarkten, und so entwickelte er sich zum Selbstläufer.» Wie bei Weyeneths: Rosmarie Weyeneth pflanzte vor 20 Jahren auf einem Blumenbeet einfach mal auf gut Glück drei Kürbisstauden an. Die Früchte legte sie alsdann beim Hof zum Verkauf auf, und sie erinnert sich, wie sie erstaunt zur Kenntnis nahm, dass bereits am nächsten Tag alle weg waren. «Das wäre was zum Weiterverfolgen», dachte sie, und nach einem Besuch an einem «Kürbistag» liess auch ihren Mann diese Frucht nicht mehr los.

Manche Sorten sind nach 80 Tagen reif, andere brauchen 140 Tage

Seither säen sie jeweils am 1. Mai rund 150 Sorten: solche aus Italien, Japan, den USA. Zier- wie essbare Kürbisse. Rare Sorten, typische Halloween-Früchte sowie die beim Grossverteiler beliebte französische «Muscat de Provence». Jährlich bringt das einen Ertrag von 20 Tonnen. Die Früchte bieten sie nach wie vor auf dem Hof feil, beliefern aber auch die Landi, das Restaurant Attisholz in Riedholz (siehe Interview) oder das «Salzhaus» in Solothurn.

Bis Ende Oktober, also bis Halloween, dauert die Ernte. «Manche Sorten sind bereits nach 80 Tagen reif, andere wie der ‹Muscat de Provence› brauchen 140 Tage», erklärt Urs Weyeneth. Ob er alle seine Sorten kennt? «Fast», lacht er. Vom Flaschenkürbis, der zu den ältesten Kulturpflanzen gehört, gibt es heute derart viele Züchtungen, «die vermag auch ich nicht mehr unterscheiden».

  
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