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parahotellerie
24.04.2018
BnB Switzerland: Weniger Betriebe, höhere Auslastung
Die Anzahl Mitglieder von Bed and Breakfast Switzerland ist zwischen 2016 und 2017 zurückgegangen. Dem damit verbundenen Logiernächteeinbruch steht eine erhöhte Auslastung gegenüber. Die Konkurrenz der Low-Budget-Hotels und Wohnraum-Sharing-Economy werde weiter wachsen, glaubt die Organisation.

Das Portfolio der BnB-Betriebe ist im letzten Jahr von 912 auf 843 um 69 Betriebe geschrumpft, was Dorette Provoost, Geschäftsführerin der Organisation Bed an Breakfast Switzerland, sehr bedauert: «Es betrifft vor allem Gasthäuser von etablierten Anbietern, die über Jahre und Jahrzehnte hinweg mit Herzblut dabei waren, teilweise aus Altersgründen nun jedoch aufgehört haben.»

Nicht ganz unschuldig am Aderlass sei auch eine spürbar veränderte Erwartungshaltung von bestimmten Gästesegmenten. «Es haben sich teils neue Gästegruppen etabliert, die ein BnB weniger wegen der warmherzigen Gastfreundschaft durch ihre Eigentümer, sondern vor allem aus Kostengründen buchen.» Dies habe auch mit der gestiegenen Konkurrenzsituation durch die Low-Budget-Hotellerie und andere Anbieter von günstigem Wohnraum zu tun.

Von Wehklagen will BnB Switzerland gleichwohl nichts wissen. Wenn man nämlich die Logiernächtestatistik von 2017 angebotsbereinigt betrachtet, habe ein Wachstum stattgefunden. Den 2017 registrierten 162'465 Gästeankünften und 372'204 Logiernächten stehen 171'854 Ankünfte und 396'017 Übernachtungen im Jahr 2016 gegenüber. Dass der Rückgang der verbuchten Logiernächte (6 Prozent) geringer ausfiel als die Schrumpfung des verfügbaren Bettenangebots (7,1 Prozent), habe nicht zuletzt mit einer wachsenden Beliebtheit der BnB in verschiedenen noch kleinen Gästemärkten zu tun, ist man bei der Organisation überzeugt. So sind etwa aus Ländern wie Polen, Belgien, Ungarn, Russland, Südkorea oder Israel im letzten Jahr auch in absoluten Zahlen teils deutlich mehr Gäste in einem BnB abgestiegen als noch 2016.

Euro-Erholung positiv für deutsche Ankünfte
Der Mammutteil des Gästeschwunds um rund 24'000 Logiernächte geht indes auf die Schweizer Gäste zurück (-17'600), was sich auch zulasten ihres totalen Gästeanteils von 53 auf 51,7 Prozent auswirkte. Ihre prozentuale Bedeutung für BnB Switzerland von 15,7 auf 16,1 Prozent des gesamten Gästekuchens konnten hingegen die deutschen Gäste steigern. Dies trotz eines absoluten Rückgangs um rund 2300 Übernachtungen.

Für Dorette Provoost geht der unterproportionale Rückgang (3,7 Prozent) bei den sehr preissensitiven deutschen Gästen einher mit der zuletzt beobachteten Erholung des Eurokurses gegenüber dem Schweizer Franken. «Die Erholung bei den Wechselkursen hilft uns sicher.»

Die gleiche Aussage lässt sich auch für die italienischen (-1,4 Prozent) oder niederländischen Gäste (-3,8 Prozent) treffen, nicht allerdings für die Franzosen (-9,4 Prozent), die den BnB im letzten Jahr ziemlich stark den Rücken zukehrt hätten. Auch dafür gebe es indes eine plausible Erklärung: Mehr als die Hälfte (214) des zwischen 2016 und 2017 registrierten Marktverlusts von 411 BnB-Betten betreffe die Westschweiz (Bern, Genferseegebiet, Regionen Jura und Freiburg). «Diese Regionen sind bei unseren französischen Gästen naturgemäss am beliebtesten», sagt Dorette Provoost.

Bern und der neue Wachstumsmotor Luzern / Zentralschweiz liegen vorne
Trotz eines empfindlichen Rückgangs um 14 Betriebe und mehr als 100 Betten bleibt die Region Bern in der regionalen BnB-Statistik auch 2017 an der Spitze. Die Berner BnB haben im letzten Jahr 54'553 Logiernächte verzeichnet. Dahinter folgt neu an zweiter Stelle mit 49'074 Logiernächten die Region Luzern / Zentralschweiz. Entgegen dem nationalen Trend konnten die Innerschweizer BnB-Betriebe im letzten Jahr sogar um satte 3000 Logiernächte zulegen. Einen leichten Zuwachs um rund 1200 Logiernächte zeigt die Gästestatistik im letzten Jahr auch in der Region Zürich.

Die grössten Verlierer sind neben der Region Bern (-6424 Logiernächte) und dem Genferseegebiet / Waadt (-6535) auch die Bergkantone Graubünden (-8956) und Wallis (-2423), dazu die Ostschweiz (-1562) und die Region Basel (-1461).

Persönliche Betreuung wird nach wie vor geschätzt
Trotz der durchzogenen Jahresbilanz bleibt Dorette Provoost zuversichtlich für die Zukunft, auch was die grosse Konkurrenz von Online-Buchungsmaschinen betrifft. «Es gibt vor allem in den Städten eine neue Generation von Gastgebern, die sich von den grossen, anonymen Plattformen abwendet und die persönliche Betreuung bei Bed and Breakfast Switzerland schätzt.» Zudem zeigt das von den Gästen regelmässig erhaltene Feedback, dass sie sich bewusst für eine Unterkunft auf www.bnb.ch entschieden haben, weil die Gastgeber wirklich anwesend sind, sich persönlich um die Gäste kümmern und zum Angebot immer ein Frühstück gehört. (htr/pt)

  
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