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18.04.2018
Buchungsplattformen: Europäische Hotellerie immer stärker unter Druck
Eine von der Hotrec und der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO Valais-Wallis) durchgeführte Studie zum europäischen Hotelvertriebsmarkt zeigt, dass in Europa die Direktbuchungen bei Hotels abnehmen und stattdessen die Online-Plattformen ihre Dominanz weiter ausbauen.

Der europäische Dachverband von Hotels, Restaurants und Cafés, Hotrec, führt gemeinsam mit der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO Valais-Wallis) alle zwei Jahre die Studie zum europäischen Hotelvertriebsmarkt durch.

Erste Ergebnisse, die auf Beobachtungen von über 3400 Hotels in ganz Europa basieren, zeigen, dass die Abhängigkeit der Hotels von Online-Plattformen weiter zunimmt, während der Anteil der Direktbuchungen abnimmt. Der grösste Player im Online-Reisebüro-Markt (OTA) ist immer noch Booking.com, das seine Dominanz gegenüber 2015 weiter ausgebaut und einen Marktanteil von 66 Prozent erreicht hat.

Die drei OTAs Booking.com, Expedia und HRS kontrollieren 92 Prozent des Online-Intermediärmarktes in Europa (in einigen Ländern sogar mehr). Während die zwei grössten, nämlich Booking.com (66,4%) und Expedia (16,6%), mehr Marktanteil gewannen, verlor der drittgrösste Player HRS (9,0%) in den letzten zwei Jahren an Terrain.

Der Anteil des Direktvertriebs ging weiter zurück, macht aber noch immer die Hälfte aller gebuchten Übernachtungen aus. Gleichzeitig stieg der Anteil der Buchungen über OTAs von 23,1 auf 26,1 Prozent.

Hoteliers unter Druck
Die aktuelle Studie zeigt auf, dass die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Plattformen die Mehrheit der Hoteliers (50%) stark unter Druck setzen. So würden diese beispielsweise die OTA-Bedingungen bezüglich Stornierungsbedingungen und Sonderrabatte nicht freiwillig anbieten. Kleine und unabhängige Hotels fühlen sich stärker unter Druck gesetzt als grosse Hotels oder Hotelketten.

In Bezug auf Streitigkeiten mit OTAs, das sind immerhin sechs von zehn Hotels, sind 70 Prozent der Betriebe der Ansicht, dass es keine faire und effektive Lösung für die Meinungsverschiedenheiten gibt. Auch hier scheinen kleine und unabhängige Hotels noch mehr Probleme mit der Streitbeilegung zu haben als grössere Hotels oder Hotelketten.

«Die vorläufigen Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Online-Vermittler mehr und mehr die Kontrolle über den Hotelvertriebsmarkt erlangen. Die Abhängigkeit der Hotels von den OTAs erhöht sich, was ihren eigenen Handlungsspielraum verringert», sagt Markus Luthe, Vorsitzender der Hotrec-Taskforce Vertrieb.

Politik muss mithelfen
Luthe fordert, dass die Hotels in der Lage sein müssen, ihre eigenen Bedingungen für ihre Dienstleistungen frei festzulegen und über ihre Rechte an geistigem Eigentum, wie etwa der Markennamen, zu verfügen.

Für Christian de Barrin, CEO der Hotrec muss die Politik mithelfen. «Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen, dass politische Regulierungen erforderlich sind, um faire und transparente Marktbedingungen zu gewährleisten, insbesondere wenn es an Wettbewerb mangelt».

Schweizer Hoteliers mit leichter Zunahme bei den Direktbuchungen
In der Schweiz hat der Marktanteil der OTAs im Vergleich zu den Vorjahreswerten von 20,6 auf 27,3 Prozent weniger starkt zugelegt als in der Branche befürchtet.

Wie die htr hotel revue bereits im März mitteilte, dominieren die «grossen Drei» Booking, Expedia und HRS mit den Schweizer Vertriebsmarkt mit 95 Prozent. Stärker als je zuvor beherrscht Booking.com (mit 75,6%) den OTA-Markt.

Immerhin konnte der Anteil der Direktbuchungen in der Schweiz gegenüber vem Vorjahr 2016 leicht zulegen. Wie die nationale Studie der
HES-SO Valais-Wallis aufzeigt, fühlen sich auch die Schweizer Hoteliers starkt von den OTAs und deren Bedingungen unter Druck gesetzt. (htr/npa)

  
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