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preismissbrauch
12.09.2017
Preisüberwacher leitet Verfahren gegen Booking.com ein
Der Preisüberwacher hat ein Verfahren gegen Booking.com eingeleitet. Bei einer Untersuchung fand er Hinweise auf einen Preismissbrauch bei den Kommissionen, welche die Online-Buchungsplattform in der Schweiz verlangt. Die Hotellerie begrüsst das Verfahren, die Beschuldigte verteidigt sich.

Die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung mit Booking.com sei gescheitert, schreibt Preisüberwacher Stefan Meierhans am Dienstag. Die Hotelbuchungsplattform habe sich nicht mit ihm an den Verhandlungstisch setzen wollen.

Stelle er einen Preismissbrauch fest, sei der Preisüberwacher von Gesetzes wegen verpflichtet, mit dem betroffenen Unternehmen ein Gespräch zu führen, mit dem Ziel, eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Da das Vorgehen in diesem Fall gescheitert sei, habe man am 8. September als logische Folge ein Verfahren (nach Preisüberwachungsgesetz (PüG) beziehungsweise Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVG)) eröffnet.

Sollte sich der Verdacht auf eine marktbeherrschenden Stellung sowie des Preismissbrauchs erhärten, endet das Verfahren mit einer Verfügung. Darin würde der Preisüberwacher dann die Schweizer Tarife für Booking.com festsetzen, wie Meierhans gegenüber der htr bestätigte. Wie hoch er die Tarife gegebenenfalls festsetzen würde, dazu wollte sich der Preisüberwacher hingegen nicht äussern.

Meierhans hält dem Onlinebuchungsportal jedoch die Verhandlungstür offen. Booking.com habe «bis zum letzten Tag des Verfahrens» die Möglichkeit, eine einvernehmliche Lösung mit ihm zu suchen.

Die Untersuchung gegen Booking.com hatte Preisüberwacher Stefan Meierhans im Februar bei der Präsentation seines Jahresberichts publik gemacht. Man überprüfe, ob es sich um ein «marktmächtiges» Unternehmen handle, wie viel ein Hotelier bezahle, damit er auf der Plattform aufgeschaltet sei, wo er aufgeführt werde und wie viel Kommission ihn das koste, hiess es damals.

Booking widerspricht
Das kritisierte Unternehmen widersprach am Dienstag der Darlegung des Preisüberwachers. Von Diskussionsverweigerung könne keine Rede sein: «Am 13. Juni haben sich Exponenten von Booking.com mit Vertretern des Preisüberwachers in Bern getroffen. Dem Preisüberwacher liegen seit langem alle nötigen Daten und Fakten vor», schreibt das Unternehmen. Im Treffen habe Booking.com aufgezeigt, dass die Höhe der Kommissionsraten angemessen sei im Vergleich zu den Kommissionsraten der Wettbewerber sowie verglichen mit den Kommissionraten in vergleichbaren Ländern.

Hotelbranche begrüsst Verfahren
Der Branchenverband hotelleriesuisse begrüsst hingegen das Verfahren des Preisüberwachers gegen Booking.com. Präsident Andreas Züllig sagte auf Anfrage: «Der Preisüberwacher in der Schweiz ist und war schon immer neutral und unabhängig. Und das ist gut so. Für mich ist eine solche Analyse von einer unabhängigen Stelle zu begrüssen. Diese Überprüfung bildet für uns die Grundlage um auf der politischen Ebene und der Öffentlichkeit mit Fakten zu argumentieren.»

Für hotelleriesuisse steht der wichtigste Entscheid hinsichtlich Onlinebuchungsplattformen indes erst noch bevor: Am 18. September wird der Nationalrat entscheiden, ob er dem Ständerat folgen und mit der Annahme der Motion Bischof Preisparitätsklauseln verbietet will.

Erfolgreich und umstritten
Online-Buchungsplattformen sind wegen ihrer einschränkenden Teilnahmebedingungen umstritten. Die Plattformen machen den Hotels unter anderem Preisvorschriften, die es ihnen untersagen, ihre Betten auf anderen Verkaufskanälen günstiger anzubieten. Die Hotels und ihr Verband sehen darin einen Eingriff in die Unternehmensfreiheit. hotelleriesuisse fordert den Nationalrat deshalb auf, «am 18. September mit der Motion Bischof die unternehmerische Freiheit der Hoteliers zu verbessern», so Christophe Hans, Leiter Wirtschaftspolitik.

Dennoch gewinnen die Plattformen bei Hotels immer stärker an Bedeutung: Laut Zahlen des Instituts für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz Wallis in Siders stieg ihr Anteil 2016 bei Buchungen in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent auf rund 27 Prozent.

Das Geschäft würden die drei Plattformen Booking, Expedia und HRS beherrschen, die zusammen 93 Prozent der Direktbuchungen generierten. Der Löwenanteil entfalle dabei auf Booking.com, das zur US-Gruppe Priceline gehört.

Die Fachhochschule schätzt den Gesamtumsatz von Booking, Expedia und HRS auf mehr als 1 Milliarde Franken. Die von den Hotels an die Plattformen bezahlten Kommissionen beliefen sich auf 150 Millionen Franken. (sda/htr/pt)

  
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