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umfrage
14.07.2017
Was europäische Gäste in den 4- und 5-Sterne-Hotels am liebsten klauen
Das Mitnehmen von Seifen oder Stiften gilt bei vielen Hotelgästen als Kavaliersdelikt. Doch es gibt auch Besucher, die Fernseher, Klaviere oder gar ausgestopfte Tiere mitlaufen lassen. Pikant ist der Unterschied des «Diebesguts» zwischen 4- und 5-Sterne-Gästen.

Die Online-Plattform Wellness Heaven hat bei 1'026 Hotels in Europa, mit Schwerpunkten auf Deutschland, Österreich und Italien nachgefragt, welche Gegenstände am häufigsten entwendet werden. Teilgenommen haben Gastgeber in 4-Sterne-Häusern und von 5-Sterne-Betrieben. Die Auswertungen zeigen, dass die erdrückende Mehrheit der Gäste klaut Handtücher und Bademäntel. Dicht gefolgt werden diese beiden Spitzenreiter von Kleiderbügeln, Stiften und Besteck. Neben diesen «gewöhnlichen» Gegenständen gibt es hingegen eine Reihe von spektakulären Ausreissern, die auf eine rege Diebstahlfantasie der Delinquenten schliessen lässt:

In hohem Masse handwerkliche Fähigkeiten mussten jene Gäste aufbringen, die sämtliche Badarmaturen entwendet haben, den Kopf einer Regendusche, eine Hydromassage-Dusche, einen Toilettensitz, ein Abflussrohr oder gleich ein ganzes Waschbecken, wie von einem Berliner Hotel berichtet wird. Ein italienischer Hotelier vermisste gar sein Piano: «Als ich einmal durch die Lobby lief, fiel mir auf, dass irgendetwas fehlte. Kurz darauf erfuhr ich, dass drei unbekannte Männer in Overalls das grosse Piano abtransportiert hatten. Es tauchte natürlich nie wieder auf». Im deutschen Sauerland bemerkte ein Hotelbesitzer, dass die gesamte Stereoanlage des Wellness-Bereichs verschwunden war. Auch von verschwundenen Zimmernummern oder einem ausgestopften Wildschweinkopf berichteten die Gastgeber.

Diebische Vorlieben nach Nationalität
Die Umfrage zeigt auch ein differenziertes Bild bei der Gliederung der «Delinquenten» nach Nationalität. So stellt sich heraus, dass bei Schweizern das Entwenden des Haarföhns sehr beliebt ist. Der deutsche Hotelgast dagegen folgt einem eher langweiligen Diebstahlverhalten: Neben Handtüchern und Bademänteln lässt er in erster Linie Kosmetik mitgehen.

Wesentlich genussorientierter geht es da bei den Österreichern zu: Geschirr und Kaffeemaschinen tauchen weit oben in der Diebstahlskala auf. Italiener bevorzugen Weingläser als Hotel-Souvenir, und der Franzose klaut etwas spektakulärer: Er vertritt die Nation, die mit Abstand am häufigsten Fernsehgeräte und Fernbedienungen mitgehen lässt. Holländische Hotelgäste sehen in ihren «Mitbringseln» vor allem den praktischen Nutzen: Zu ihren Favoriten zählen Glühbirnen und Toilettenpapier.

Gäste von 5-Sterne-Hotels bevorzugen teures Diebesgut
Die insgesamt 569 Hoteliers von 4-Sterne-Häusern und 457 von 5-Sterne-Hotels wurden auch nach dem Diebestahlverhalten aufgrund des Wohlstandes vom Gäste befragt.

Die Antworten ergaben, dass bei Gästen im 5-Sterne-Segment die Wahrscheinlichkeit 10,4-fach höher ist als bei Reisenden in 4-Sterne-Hotels, dass hochwertige TV-Geräte aus dem Zimmer geklaut werden. Ebenso sind Kunstwerke in Luxushotels ein begehrtes Objekt der Begierde (4,5-mal höhere Diebstahl-Wahrscheinlichkeit). Auch Tablet PCs und Matratzen werden in 5-Sterne-Häusern häufiger entwendet (siehe Abbildung hier).

4-Sterne-Gäste begnügen sich hingegen mit weniger spektakulären Geschenken: Handtücher und Kleiderbügel sind bei ihnen tendenziell beliebter als bei 5-Sterne-Gästen, praktische Utensilien wie Batterien und Fernbedienungen stiehlt der 4-Sterne Hotelgast mit besonderer Wonne (2,7-mal bzw. 4,0-mal häufiger als der 5-Sterne Reisende).

Die sonst bei österreichischen Gästen so beliebte Kaffeemaschine ist auch bei genussorientierten 5-Sterne-Luxusgästen ein begehrtes Objekt und tritt in der Diebstahlstatistik 4,8-fach erhöht auf. Die Berichte vereinzelter Hoteliers über den – grundsätzlich bei Holländern so beliebten – Klau von Klopapierrollen ist vorwiegend im 4-Sterne-Segment zu beobachten. In Luxushäusern scheint es in diesem Bereich keinen zusätzlichen Hygienebedarf zu geben.

Tablet PCs, die oftmals als «Suite-Pad» in den hochpreisigen Zimmerkategorien anzutreffen sind, um beispielsweise Spa-Treatments vom Zimmer aus zu buchen, werden in 5-Sterne-Hotels 5,4-mal häufiger gestohlen. Diese Geräte haben meist einen Gegenwert von rund 400 Euro und sind daher unter den Luxus-Travellern ein beliebtes Mitbringsel.

Die Auswertungen ergeben auch, dass teuere Luxus-Matratzen (häufig Tempur-Varianten mit einem Gegenwert von mehreren Tausend Euro) nicht vor dem Verschwinden gefeit sind. Das Risiko für den Matratzenklau ist im 5-Sterne-Hotel 6,7-fach erhöht. Wie die sperrige Ware jedoch unbemerkt aus dem Hotel transportiert wird, bleibt ein Rätsel. Auf Nachfrage antworteten manche Hoteliers, dass dies ausschliesslich mitten in der Nacht über Aufzüge geschehe, die direkt in die Tiefgarage führen. 

Passend zum Matratzenklau besorgen sich manche luxusaffine Hotelgäste gerne auch gleich die Bettdecke, um das Schlaferlebnis mit Hotel-Reminiszenz in den eigenen vier Wänden zu komplettieren: Der Deckenklau ist in 5-Sterne-Hotels 4,1-mal wahrscheinlicher als im niedrigeren Segment. (htr/npa)

Zur Methodik der Umfrage
Die Umfrage des Online-Wellness-Guides erfolgte über Multiple-Choice Antworten, die randomisiert dargestellt wurden und eine Mehrfachnennung ermöglichte.

Das 2006 vom Quantenphysiker und Hoteltester Tassilo Keilmann gegründete und nach nach eigenen Aussagen führende europäische Wellness-Bewertungsportal bietet seinen Nutzern redaktionelle Testberichte auf der Basis persönlicher Testbesuche in Wellnesshotels in Europa und Asien. Die Bewertungen erfolgen nach über 500 Kriterien in den Kategorien Wellness & Spa; Kulinarik & Gourmet; Zimmer & Suiten; Lage & Umgebung; Service & Extras. Für die Diebstahl-Umfrage bei den rund 1'000 Hoteliers erfolgte im Mai und Juni 2017.
  
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