«Wir hoffen, dass dank den im August bei schönem Wetter gemachten Aufnahmen mehr Leute in die abgelegene Lauteraarhütte wandern», sagte SAC-Marketingleiter Pit Meyer vor den Medien in Bern. Weitere Wanderungen zu andern Hütten sollen bald folgen.

Der US-Internetriese will mit dem Dienst, der bereits am Himalaya eingesetzt wird, seine Karten vervollständigen. «Die Bilder ergänzen Google-Maps», sagte Samuel Leiser von Google Schweiz.

Den 19 Kilogramm schweren Rucksack sollen aber nicht in erster Linie Google-Mitarbeiter, sondern Vertreter von Organisationen wie dem SAC tragen. Die interessierten Verbände können den sogenannten «Trekker»-Rucksack bei Google ausleihen und damit ihr Gebiet für Google Street View mit den 360-Grad-Kameras fotografieren. Die Gesichter von Personen werden im Nachhinein von Google unkenntlich gemacht. Die Bildrechte werden an Google abgetreten.

Rhätische Bahn lockt Touristen mit Webauftritt
Bei der Rhätischen Bahn (RhB) ist Google Street View bereits ein wichtiges Werbeinstrument. Die Bündner Bahn hat seit 2011 Panoramabilder der Albula-Bernina-Strecke auf der Webseite aufgeschaltet. Im Frühling wurde nun das gesamte — 384 Kilometer umfassende — Streckennetz mit einer Google-Kamera abgefahren.

Von Januar bis Ende Juli haben laut RhB-Angaben rund 15'000 Besucher die mit den Panorama-Bildern bestückte Internetseite angeklickt. Dabei stammte die Hälfte aus dem Ausland, sagte RhB-Sprecher Reto Schmid am Rande der Medienkonferenz. «Auf der Google-Maps-Seite sind es vermutlich Tausende mehr, die die RhB-Bilder anschauen.» Darüber verfüge man aber keine Angaben.

Bei Zermatt-Tourismus, wo seit drei Jahren Skipisten mit Google-Street-View abgefahren werden können, setzt man ebenfalls auf die Zusammenarbeit mit dem US-Konzern. «Bei Google gehören wir zu den weltweiten Hotspots», sagte Zermatt-Tourismus-Sprecherin Edith Zweifel zur Nachrichtenagentur sda.

Seit dieser Woche lichte man nun mit dem Google-Rucksack Wanderwege rund um Zermatt ab, sagte Zweifel. «Google Street View ist ein ergänzendes Element zu Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter.»

Swisstopo sieht keine Gefahr für Landkarten
Auch der Verband Schweizer Wanderwege lobt den Google-Dienst. «Wir begrüssen es, wenn mehr Leute die attraktiven Wanderwege sehen können», sagt Geschäftsführer Christian Hadorn auf Anfrage. Die Bilder böten eine Möglichkeit zur Vorbereitung einer Wanderung, könnten das Kartenstudium aber nicht ersetzen.

Das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) wiederum sieht im Google-Dienst keine Konkurrenz zu ihren Landeskarten. Google verfüge zwar in den Städten über gute Karten mit einem hohen Informationsgehalt, sagte Sprecher Ruedi Bösch auf Anfrage. «In den Bergen sind die swisstopo-Karten aber überlegen». Hier könne der US-Riese, der Kunde bei swisstopo ist, nicht mit den lückenlosen Landeskarten mithalten.

Keine Freude am Vordringen von Google in die Schweizer Bergwelt hat Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. «Gerade bei Jugendlichen führt die Bilderflut im Internet zu einer Reizüberflutung», sagte Rodewald auf Anfrage. Eine virtuelle Wanderung könne niemals das Naturerlebnis ersetzen. (sda/npa)