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todesfall
20.01.2018
«Jahrhundertkoch» Paul Bocuse gestorben
Der legendäre französische Spitzenkoch und Vater der «Nouvelle Cuisine» Paul Bocuse ist im Alter von 91 Jahren gestorben. «Der Papst der Gastronomen hat uns verlassen», schrieb Frankreichs Innenminister Gérard Collomb am Samstag auf Twitter.

Nach Angaben eines der Familie nahestehenden Kochs starb der «Jahrhundertkoch» in seinem Geburtsort Collonges-au-Mont d'Or nahe Lyon, wo er bis zuletzt lebte. Die Familie erklärte, Bocuse sei am Samstagvormittag gegen 10.00 Uhr verstorben.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron würdigte Bocuse, der seit Jahren unter Parkinson gelitten hatte, als «Verkörperung der französischen Küche» und «mythische» Persönlichkeit. «Sein Name bringt die französische Gastronomie in ihrer Grosszügigkeit, ihrem Respekt vor Traditionen, aber auch ihrem Erfindungsreichtum auf den Punkt.»

«Monsieur Paul war Frankreich», schrieb Innenminister Collomb, der jahrelang Bürgermeister von Lyon war, auf Twitter. «Schlichtheit und Grosszügigkeit. Erstklassigkeit und Lebensart.»

Der Chef des Gastronomieführers Gault & Millau, Côme de Chérisey, würdigte Bocuse als «grossen Mann». Als Mitbegründer der «Nouvelle Cuisine» habe er an dem «Big Bang in der französischen und weltweiten Gastronomie» mitgewirkt.

Seit 53 Jahren drei Sterne
Bocuse wurde am 11. Februar 1926 in Collonges-au-Mont d'Or in eine Gastronomenfamilie geboren. Er lernte sein Fach unter anderem bei der berühmten Drei-Sterne-Köchin Eugénie Brazier in Lyon, bevor er das Restaurant der Eltern übernahm - und im Laufe der Jahre zum weltberühmten Gourmettempel machte.

1958 verlieh ihm der Gastronomieführer Guide Michelin seinen ersten Stern. Der zweite folgte zwei Jahre später, der dritte 1965. Das Restaurant «Paul Bocuse» in Collonges-au-Mont d'Or hat die drei Michelin-Sterne nunmehr seit 53 Jahren - ein Rekord.

Berühmt wurde Bocuse unter anderem als Mitbegründer der «Nouvelle Cuisine», die auf den Eigengeschmack frischer und hochwertiger Waren setzt. Klassiker seiner Küche sind die Trüffelsuppe «VGE», die der Starkoch 1975 für den damaligen Staatschef Valéry Giscard d'Estaing entwarf und nach seinen Initialen benannte, und Bressehuhn mit Morchelsosse.

Geschäftstüchtig und polygam
Der geschäftstüchtige Koch eröffnete nicht nur in Frankreich eine Reihe von Restaurants, sondern auch im Ausland, und schaffte damit ein wahres Küchenimperium. Er gründete auch eine Gastronomieschule und rief den internationalen Kochwettbewerb «Bocuse d'Or» ins Leben. Sowohl der Gault & Millau als auch das Culinary Institute of America kürten Bocuse zum «Jahrhundertkoch».

Bocuse liebte nicht nur das gute Essen, sondern auch die Frauen: Der Spitzenkoch lebte polygam. Er war seit 1946 mit seiner Ehefrau Raymonde verheiratet, lebte aber auch offen mit anderen Frauen zusammen. «Ich liebe Frauen», sagte Bocuse einmal. «Heutzutage leben wir zu lange, um ein ganzes Leben mit einer Einzigen zu verbringen.» Bocuse hinterlässt einen Sohn und eine Tochter. (sda/npa)

  
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