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gastro trend day
10.07.2017
Roboter: Ohne Emotionen keine Zukunft
Am erstmals durchgeführten «Gastro Trend Day» im Hotel Schweizerhof in Luzern erlebten die 250 Teilnehmenden humanoide Roboter im Einsatz sowie die Weltneuheit von beschrifteter Pasta aus dem 3D-Drucker.

Im besten Obwaldner Dialekt eröffnete am vergangenen Mittwoch der humanoide Roboter «Pepper» den 1. «Gastro Trend Days» der Hotel & Gastro Union. Zum Thema «Roboter – Fluch oder Segen im Gastgewerbe?» trafen führende Experten der Robotik mit Vertretern aus der Hotellerie und Gastronomie. Diskutiert wurde die Roboterisierung der Gastrowelt. Stephan Klapproth moderierte mit Witz, Charme und spitzer Zunge.

Roboter werden Jobs wegnehmen
Heute sind Roboter im Operationssaal nicht mehr wegzudenken, und es gibt auch schon erste Umsetzungen in der Gastronomie, wie etwa der 3D-Drucker. Laut Eugen Elmiger, CEO von Maxon Motor AG in Sachseln, werden Roboter bestimmt manche Jobs wegnehmen. Anderseits werden neue Jobs geschaffen. Zudem bieten Roboter auch Lebensqualität, wie es das Beispiel mit den Gehhilfen für Querschnittgelähmte zeigt. Allerdings relativiert Elmiger den Einsatz von Robotern in der Gastronomie: «Man sieht Robotern keine Leidenschaft an. Es dauert noch Jahrzehnte, bis intelligente Maschinen dem Hotelpersonal die Jobs ernsthaft streitig machen können».

Als einer der ersten Hoteliers hat Roger Langhout ist General Manager bei Marriott im belgischen Gent den humanoiden Roboter Mario angestellt. Die gesamte Marriott-Kette blickt mit grossem Interesse nach Gent. Gibt es «Mario» demnächst in allen Marriott-Hotels? Langhout: «Ich frage mich immer wieder, wie ich das Gästeerlebnis in meinem Betrieb verbessern und den Vorsprung gegenüber meinen Mitbewerbern halten kann. Die Einführung von ‹Mario› war eine sehr erfolgreiche Massnahme dafür. Die Gäste lieben ‹Mario›». Er sei zur Unterhaltung der Gäste da. «‹Mario› wird aber nie Arbeitsplätze ersetzen können». Immerhin unterhielt er die 250 Tagungsteilnehmenden mit Tanzeinlagen.

Weltneuheit: Feine Pasta aus dem 3D-Drucker
Melanie Senger, Mitbegründerin der Print2Taste GmbH, präsentierte ihren 3D-Food-Drucker. Er produziert Schriften, Objekte und selbst Selfies mit Schokolade oder anderen fliessbaren Nahrungsmitteln. Als Weltneuheit wurde der Druck von Pasta mit individueller Beschriftung präsentiert.

Zum Start vom «Reality Check» erzählte Thomas Niederberger von der Mexan AG über seine Erfahrungen im Henn-na-Hotel in Japan, das er als Tourist letzten Dezember besucht hat. In diesem Roboter-Hotel wird alles von sprechenden und fahrenden Robotern erledigt. Ein Concierge auf Rollen erfüllt die Wünsche der Gäste und begleitet sie samt Gepäck aufs Zimmer. Im Zimmer beantwortet ein Roboter Fragen. Niederberger: «Das war spannend, aber zugleich unbehaglich. Mir fehlten die Emotionen, die Menschen».

Roland Siegwart, Robotik-Experte und Professor an der ETH Zürich stuft Roboter heute noch als statisch ein. Sie müssen verstehen und lernen können. Wenn das passiere, könnte der Roboter eine Gefahr für die Mitarbeiter des Gastgewerbes werden. «Derzeit sind Roboter noch nicht effizienzsteigernd. Sie können auch nicht auf spezifische Kundenwünsche eingehen. In naher Zukunft werden sie aber repetitive, klar definierbare Prozesse übernehmen: die Reinigung von grossflächigen Böden, Check-Ins, Botendienste und Ähnliches. Feinmotorische Aufgaben wie Staubwischen oder Speisen anrichten – davon ist der Roboter noch weit entfernt». Auf jeden Fall sei er aber eine Attraktion.

Umfrage: Viele Lernende sehen Roboter als Konkurrenz
In der repräsentativen Lehrlingsbefragung der Hotel & Gastro Union beantworteten über 5'600 Lernende unter anderem Fragen zum Roboter. Dabei zeigt sich: Jeder dritte Lernende hat etwas Angst vor Robotern. Die eine Hälfte sieht Roboter als Konkurrenz, die andere Hälfte als Ergänzung. Lernende der Bereiche Hauswirtschaft, Administration und Bäckerei haben mehr Bedenken von Robotern als jene, die ihre Ausbildung in der Restauration und in der Küche absolvieren. (Über weiteren Auswertungen der Befragung berichtete htr.ch hier).

So kamen zahlreiche Teilnehmer mit Sorgen um ihre berufliche Sicherheit an den «Gastro Trend Day». Esther Lüscher, Präsidentin der Hotel & Gastro Union, verabschiedete die Teilnehmer mit optimistischen Worten: «Mitarbeiter sind die Seelen der Gastrobetriebe. Was Emotionen und Herz anbelangt, sind uns Roboter uns noch sehr lange unterlegen». (htr/npa)

  
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