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meinung
21.10.2010
«Ein Um- und ein Aufstieg»
Roger Seifritz fiel der Entscheid, von Gstaad Saanenland zur Reka zu wechseln, schwer. Den Ausschlag gab das Produkt.
Daniel Stampfli

Roger Seifritz, betrachten Sie Ihren Wechsel als Auf- oder als Umstieg?

Es ist beides. Ein Umstieg, da ich vom Destinationskoordinator zum Unternehmer mit einem eigenen Produkt werde. Ich wechsle auch von der Welt des klassischen Destinationsumfeldes in eine viel fokussiertere Produktewelt. Der Aufstieg betrifft die Grössenordnung. Heute führe ich einen relativ kleinen Betrieb mit 45 Mitarbeitenden und rund 10 Millionen Franken Umsatz. Bei der Reka werde ich für gegen 500 Personen, 18 Feriendörfer, 650 Millionen Franken Umsatz beim Reka-Geld und rund 50 Millionen Umsatz mit den Feriendörfern verantwortlich sein. Dies ist schon eine ganz andere Dimension.

Im Frühjahr war der Posten des CEO bei Schweiz Tourismus zu besetzen. Wäre dies nicht auch etwas für Sie gewesen?

Nein. Mir hat bei meiner Tätigkeit immer mehr ein Produkt gefehlt. Ich habe ganz spezifisch ein Produkt gesucht, das ich mitgestalten und weiterentwickeln kann. Im Tourismus sind die Möglichkeiten nicht sehr gross. So betrachtet, ist es für mich ein Glücksfall, dass der heutige Reka-Direktor Werner Bernet in Pension geht.

Also fällt es Ihnen nicht schwer, nach 13 Jahren Gstaad Saanenland zu verlassen?

Oh doch. Ich hatte im Vorfeld des Entscheids einige schlaflose Nächte. Denn ich verlasse eine Destination, die mir wirklich ans Herz gewachsen ist und Leute, mit welchen ich sehr eng zusammenarbeitete. Meinen Job führte ich mit Herzblut aus.

Der Job bei der Reka wird doch in Sachen Produktentwicklung eher weniger Kreativität zulassen, als Sie es von Gstaad her gewohnt sind?

Betrachtet man die gesellschaftliche Entwicklung der Schweiz mit der Demographie und dem Wertewandel in der Gesellschaft in den kommenden 10 bis 20 Jahren, wird sich das Reka-Kernfeld Famienferien mit hoher Wahrscheinlichkeit verändern. Auch der Markt selbst und die Ansprüche der Kunden verändern sich. Hinzu kommen die Thematik technische Verkaufsinstrumente sowie wirtschaftliche Einflüsse, welchen sich auch die Reka nicht entziehen kann, wie etwa die Wechselkurse. Entsprechend wird sich das Reka-Produkt entwickeln und anpassen müssen

Vor der Findungskommission referierten Sie zum Thema «Die Entwicklung des Tourismus in der Schweiz in 10 Jahren». Wie sieht Ihre Vision aus?

Es wird sich nicht alles grundsätzlich verändern. Gewisse Aspekte werden sich aber weiter akzentuieren. Auf die Reka bezogen etwa die Familienentwicklung. Auch der Trend zu ethisch vertretbaren Ferien wird verstärkt werden. Da wittere ich für den Schweizer Tourismus und die Reka eine sehr grosse Chance.

Die Reka ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Ist ein weiteres Wachstum noch möglich?

Ich stelle fest, dass es die Reka geschafft hat, ihren populären Pfeiler Reka-Geld weiter zu popularisieren und damit sehr erfolgreich ist. Im Bereich Reka-Ferien florieren die eigenen Feriendörfer sehr. Als Destinationsverantwortlicher würde ich mich freuen, über derart stark ausgelastete Ferienwohnungen zu verfügen, wie es die Wohnungen in den Reka-Feriendörfern sind. Dieses Erfolgsmodell lässt sich bestimmt weiter entwickeln.

Angesichts Ihrer Kontakte werden Sie bestimmt ein Feriendorf in Gstaad planen wollen?

Bisher war die Strategie der Reka, Feriendörfer nicht zwingend an A-Standorten zu bauen. Dies hängt mit den extrem hohen Bodenpreisen an solchen Lagen zusammen. Die Gefahr ist gross, dass das Produkt dann nicht funktioniert.

Roger Seifritz (48) ist zum neuen Direktor der Schweizer Reisekasse, Reka, gewählt worden. Er wird sein Amt am 1. Mai 2011 antreten. Zurzeit – seit 1998 – ist Seifritz Managing Director von Gstaad Saanenland Tourismus und seit 2004 in der Geschäftsleitung der Bergbahnen Destination Gstaad AG, verantwortlich für Marketing und Verkauf. Der studierte Ökonom ist verheiratet, Vater dreier Kinder und wohnt in Saanenmöser.dst

 

  
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