Die Sehnsucht nach der Natur und nach Gärten war nie grösser als jetzt. Das zeigt sich etwa in dem sprunghaft angestiegenen Interesse an Schrebergärten. Familien, junge Paare und Singles, alle möchten sie nun in der Scholle wühlen. «Dieses neu erwachte Interesse an Gärten können sich Hotels mit Garten zunutze machen, auch für die Zukunft», so Jörg Deubner, Initiant der Kooperation Garten-Hotels Schweiz (siehe unten) und Gastgeber im Hotel Villa Carona in Carona-Lugano. Etwa indem man Rundum-Packages schnürt, Gartenführungen und Kochkurse anbietet. Kochkurse, bei denen selbstverständlich Produkte aus dem Garten verwendet werden. So kann ein Aufenthalt im Hotel mit Garten das Bedürfnis der Gäste nach Entschleunigung und Erdung optimal abdecken.

Im «Chenot Palace» in Weggis wird der Garten ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Im modernsten Health Wellness Retreat der Marke Chenot liegt der Fokus jedoch ganz klar auf Erholung und Entspannung. Dies gilt dementsprechend auch für den Garten. Nach einer knapp zweijährigen Um- und Neubauphase des ehemaligen Traditionshauses Park Hotel Weggis wird das Retreat im Juni – die Eröffnung musste aufgrund der Corona-Krise verschoben werden – eröffnet. Hier werden Gäste auf High-End-Level zahlreiche Wellness- und medizinisch-ästhetische Behandlungen in Anspruch nehmen können.

Die grosse Garten- und Parkanlage ist im Rahmen der Um- und Neubauphase des Luxushotels am Vierwaldstättersee erweitert und teilweise neu angelegt worden. «Die Hotelgäste können sich im ganzen Gartenbereich frei bewegen und kommen dank der Lage auch in den Genuss von direktem Seeanstoss», sagt Corinne Denzler, die seit März als General Manager des «Chenot Palace» amtet.

Die Garten- und Parkanlage gliedert sich zum einen entlang des um die Jahrhundertwende errichteten Gebäudes im Belle- Epoque-Stil mit Blick auf die Alpen, zum anderen entlang des Sees. Neben einem Liegebereich mit direktem Zugang zum Wasser trumpft die Anlage mit einem «gegen 100 Jahre alten, wunderschönen Baumbestand auf», so Corinne Denzler. Daneben sind auch Linden, Ahornbäume, Birken und Palmen zu finden.

Ein weiteres Highlight ist der Bonsai-Garten. Der Japan-Garten- und Bonsai-Experte Pius Notter legte diesen für das Parkhotel Weggis bereits vor rund 15 Jahren an. Nun ist dieser Garten in das neue Gestaltungskonzept integriert worden. Der Japan-Garten ist in den drei Innenhöfen des Neubaus angesiedelt. «Ich habe den Garten der aktuellen Architektur entsprechend konzipiert», sagt Pius Notter. Neben den Bonsais umfasst dieser Garten, der gemäss der japanischen Tradition als Meditationsgarten dient, japanische Ahorne, Azaleen und Liliengewächse. Die gesamte Parkanlage weist zudem viele Grünflächen auf, da ein grosser Teil der neuen Hotelanlage in den Berg gebaut wurde. Um eine möglichst natürliche Atmosphäre zu erzeugen, wurde diese mit Gräsern, Sträuchern und Kräutern sowie mit Gehölzen wie Eiben, Trauerweiden, Feigenbäumen und Ahornen bestückt.

«Bei der Gestaltung des Gartens ging es darum, die bestehende Substanz raffiniert mit neuen Elementen zu verbinden und so ein harmonisches Ganzes zu erreichen», sagt Corinne Denzler. Die Anlage – von Fahrni Landschaftsarchitekten, Luzern, gestaltet – lebt einerseits von der Lage am Vierwaldstättersee, dem alten Baumbestand, dem einzigartigen Japan-Garten und andererseits von den neuen Elementen, die auf Harmonie und Natürlichkeit setzen.

Die Landschaft verbindet sich organisch mit der Parkanlage
Naturnah gestaltet ist auch die 10 000 Quadratmeter umfassende Umgebung, die beim «The Circle» am Flughafen entsteht. Für die Gestaltung zuständig sind Hager Architekten mit Sitz in Zürich und Berlin. Die Anlage wird voraussichtlich im Sommer 2020 fertig sein. Zeitgleich mit der Umgebungsgestaltung von «The Circle» entsteht der direkt anschliessende Erholungsraum «The Park» auf dem Butzenbüel-Hügel, der von Studio Vulkan, Zürich, realisiert wird.

Das sichelförmige urbane Gebäude des «The Circle» ist hangseitig – verschiedene Wege führen den Butzenbüel-Hügel hinauf zum höchsten Punkt – gegen einen Park ausgerichtet. Dabei greift die Landschaft des Zürcher Unterlandes mit ihren einheimischen Waldgesellschaften, offenen Wiesenflächen und kleinen Lichtungen bis an die Fassade des Gebäudes heran. Die Hotels, Restaurants und Cafés haben über Terrassen direkten Zugang zur Parkanlage.

«Es werden ausschliesslich einheimische Pflanzen verwendet, in Anlehnung an die natürlich vorkommende Vegetation des nahen Schutzgebietes», sagt Pascal Posset, projektverantwortliches Mitglied der Geschäftsleitung «The Circle» von Hager Architekten. So etwa Feld-Ahorn, Hänge-Birke, diverse einheimische Rosen, Efeu und wilder Wein. Im Übergang zum Park wird ein naturnaher und ökologisch wertvoller Blumenrasen angesät, der sich aus einheimischen Gräsern, Kräutern und Blumen zusammensetzt. Auch auf den Dachflächen sind nur einheimische Gräser und Stauden vorgesehen.

«Naturnahe und nachhaltige Parkanlagen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen», sagt Pascal Posset. Aufgrund der Zersiedelung sei insbesondere innerhalb von Städten das Bedürfnis nach naturnah gestalteten Anlagen gestiegen. Diese Art von Anlage weist laut dem Landschaftsarchitekten einerseits einen geringeren Pflegeaufwand als etwa ornamentale Blumengärten auf und ist andererseits auch ökologisch sinnvoller.


Gartenhotels: Refugien und Oasen in nächster Nähe

Gärten sind nicht erst seit der Corona-Krise ein beliebter Rückzugsort aus dem alltäglichen Leben. Doch aktuell sind sie es mehr denn je. Die Mitglieder der Kooperation Garten-Hotels Schweiz setzen jedoch schon lange auf das Bedürfnis nach Ruhe und Natur. 13 Hotels zählt die Kooperation, welche regional über die ganze Schweiz verteilt sind. Diese Hotels haben es sich auf die Fahne geschrieben, den Gästen mit ihren grünen Oasen ein Kontrastprogramm zu bieten zum schnelllebigen, hektischen Alltag. Neben der Entschleunigung stehen persönliche Gastfreundschaft und das kulinarische Erlebnis im Vordergrund. Abgerundet wird das Angebot durch verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen in den Gärten der sehr verschiedenen Hotels. Entsprechend den Häusern mit ihren unterschiedlichen Infrastrukturen reicht das Angebot von Entspannen im Garten über Kurse zum Thema Achtsamkeit, Feiern im Garten, Meetings und Seminare im Grünen bis hin zu Kulinarik im und aus dem Garten. Wie auch sonst in der Hotellerie steht bei vielen Gartenhotels das Leben aktuell fast still. «Zurzeit geht es in erster Linie darum, die Sehnsucht der Gäste zu wecken», sagt Jörg Deubner, Initiant der Gartenhotels und Gastgeber im Hotel Villa Carona in Lugano-Carona. «Und zuversichtlich zu bleiben.»

gartenhotelsschweiz.ch


«Mein Ziel ist es, Werte für Generationen zu schaffen.»

Enzo Enea ist Inhaber des international tätigen Landschaftsarchitekturbüros Enea mit Sitz in Rapperswil-Jona, Miami und New York. Hotelgärten spielen eine wichtige Rolle in seinem Portfolio.

In der Gartengestaltung wird vermehrt auf Natürlichkeit gesetzt. Woher kommt das?

Die drängenden Fragen unserer Zeit wie Klimaerwärmung, Verdichtung in Megacitys und unaufhaltsame Technologisierung wecken Sehnsüchte nach Raum und Rückzugsorten, die uns wieder erden. Ein natürlicher Garten unterstützt diesen Effekt. Ergänzt mit unserer Philosophie «Outside In», mit der wir nicht nur den Aussenbereich, sondern den gesamten Perimeter in die Gestaltung mit einbeziehen, entsteht eine Natürlichkeit, die im ganzen Heim erlebbar wird, nicht nur im Garten. [IMG 2]

Welche Trends sind noch festzustellen?

Trends sind mir zu kurzlebig. Beruflich bin ich viel unterwegs und dankbar, so die vielen Kulturen, Farben und Formen direkt zu erfahren, die die Natur hervorbringt. Sie sind tägliche Inspiration. Als CEO ist es natürlich wichtig, aktuelle Strömungen und Antworten auf zeitrelevante Fragen zu kennen. All diese Eindrücke und Überlegungen möchte ich aber mit unserem Unternehmen langfristiger einsetzen, als dies mit der Adaptation eines Trends möglich ist. Mein Ziel ist es, mit unserer Landschaftsarchitektur Werte für Generationen zu schaffen.

Welche Punkte sollten bei der Planung eines Hotelgartens beachtet werden?

Wie bei all unseren Gärten wenden wir auch bei Hotelgärten das grundlegende Konzept «Genius Loci» an. Dieses empfiehlt, den Geist des Ortes zu achten, also den zu gestaltenden Garten in die bestehende Landschaft einzubetten, um einen harmonischen, die Natur respektierenden Ort zu schaffen. So ist die Gestaltung immer individuell. Allgemein gesprochen ist für einen Hotelgarten sicher wichtig, dass er den Gästen spielerisch verschiedene Möglichkeiten bietet, den Garten und den Aufenthalt zu geniessen. Orte für den kontemplativen Rückzug sollten genauso eingeplant werden wie Möglichkeiten für den sozialen Austausch. Und weil viele Gäste wohl neu an dem Ort sein werden, würde ich eine klare Gliederung empfehlen, die eine rasche Orientierung erlaubt.

Gehen Sie davon aus, dass Hotelgärten durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewinnen werden?

Ja. Für Hotels sind Gärten die Versicherung, Menschen trotz Auflagen wie dem sogenannten Social Distancing einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen und ihren Betrieb fortzuführen.

enea.ch