Bruno H. Schöpfer arbeitet seitdem er 17 Jahre alt ist in der Hotellerie. Vor drei Wochen hat der inzwischen 62-Jährige als Managing Director der Katara Hospitality Switzerland AG deren Hotel-Imperium auf dem Bürgenstock eröffnet. Am Dienstagabend präsentierte er nun sein erstes eigenes Hotel den Medien. Er, der die Hotellerie erklärtermassen liebt und bisher ausschliesslich in klassischen Hotels wirkte, hat sich beim Privatunternehmen für ein Hybridmodell entschieden: Das «Acasa Suites Zürich» in Zürich Oerlikon ist sowohl Apartmenthaus als auch Hotel, eine Synergie aus beidem das Ziel. Der Gast kann die 141 Wohneinheiten mit so viel Service buchen, wie er wünscht. Die Länge des Aufenthalts entscheidet darüber, ob man von einem Longstay- oder Hotelaufenthalt spricht. Gut die Hälfte der Wohneinheiten ist mit Kitchenette ausgestattet und viele sind via Verbindungstüre miteinander kombinierbar, sodass mit der Grösse der Wohneinheit und der Ausstattung gespielt werden kann. Wäschesalons auf zwei Etagen mit Waschmaschine, Tumbler und Bügelbrett komplettieren das «Zuhause»-Feeling.

Dass wirtschaftliche Überlegungen den Ausschlag für das Konzept gaben, will Bruno H. Schöpfer gar nicht beschönigen. «Wenn ich ein Hotel realisiere, muss der Cashflow stimmen.» Grundsätzlich wird das «nackte» Zimmer vermietet – zum Basispreis. Ab 156 Franken pro Nacht (Basic Suite mit 22 m²) für eine Ausstattung auf 4-Sterne-Niveau bietet das Acasa Zürich einen attraktiven Zimmerpreis für Zürich.

Ein Mitarbeiter kann das Hotel alleine betreiben
Die Hotellerieleistungen sollen aber trotzdem nicht fehlen. Nur dass der Gast für (fast) alles, was er zusätzlich ordert, insbesondere was Personalkosten verursacht, separat zahlt: Frühstück (18 Franken), Abendessen im hoteleigenen öffentlichen A-la-carte-Restaurant, tägliche Reinigung, Minibar, persönliche Kommissionen, Garagenplatz. Der erfahrene Hotelier erachtet ein solches Modul-Konzept als eine wirtschaftlich sinnvolle Option für viele Schweizer Hotels. «Besässe ich ein Hotel in der Stadt Zürich, hätte ich schon längst einen Teil der Zimmer in Serviced Apartments umgewandelt.»

Modulkonzept, kompakte Bauweise und ein hoher Outsourcinggrad lassen Bruno H. Schöpfer die Personalkosten tief halten. Bruno H. Schöpfer rechnet mit zirka 30 Prozent Personalkosten am Gesamtumsatz bei einem Food & Beverage-Anteil von rund einem Drittel. Lobby, Essbereich, Bibliothek und Spa sind im Erdgeschoss angeordnet, die Réception grenzt an den Bar-Lounge-Bereich. «Das Hotel kann von einem Mitarbeitenden überschaut und be­trieben werden», betont der Hotel-Inhaber. Natürlich brauche es mehr Hände zu Essens-und Check-in-Zeiten. Wobei Schöpfer auch hier noch Arbeitsspitzen brechen will: Geplant ist den ­Gästen einen direkten Zimmerzugang via Smartphone zu bieten.

Outgesourct sind Lingerie und Haustechnik. Auch bei der Gastronomie habe man mit dem Gedanken gespielt. Doch zu wichtig erachtet Schöpfer das Restaurant für den Verkauf von Logiernächten. Oerlikon ist Standort namhafter Firmen, deren Kadermitarbeitende als Restaurantkunden zentral für die Akquise im Business-Geschäft sind. Dass das funktioniert, hätte bereits die erste Woche seit der Eröffnung gezeigt. Bruno H. Schöpfer erfreut sich im ersten Monat einer 50-prozentigen Auslastung seines Apartmenthotels – ganz ohne Werbung.