Franziska Egli ist Redaktorin bei der htr hotel revue

Die Initialzündung war vor gut einem Jahr im schwedischen Malmö, wo das vierte Parabere Forum stattfand, das internationale Forum für Frauen in der Gastronomie: Eigentlich, befand unsere Handvoll Frauen, die eigens für den Anlass angereist und von diesem weiblichen Spirit des zweitägigen Forums ganz beseelt waren, eigentlich sollten wir uns ­unbedingt auch in der Schweiz zusammentun, uns in lockerer Folge treffen – zwecks Austausch und Inspiration, natürlich, aber auch zur Stärkung, zur gegenseitigen Unterstützung und Sensibilisierung. Kurz darauf fand das erste Treffen in Zürich statt. Da waren es bereits drei Handvoll Frauen aus allen Ecken der Gastronomie – von der Produzentin über die Gastro-Unternehmerin, die Kochbuchautorin, die Köchin bis zur Foodjournalistin – die sich zu einem ersten Höck trafen und einander teilhaben liessen an dem, was einen alltäglich umgibt und zuweilen im höchsten Mass frustriert. Dabei ging es nicht nur um den Ton in der Küche, um die geringe Anerkennung im Betrieb, um die Posts auf Social Media, die von männlichen Kollegen stoisch ignoriert werden, sondern auch um die übergeordnete Erkenntnis, wie stark Männerbande sind, die sich – zuweilen völlig unbewusst, aber stets in aller Selbstverständlichkeit – vorab gegenseitig schützen und unterstützen. [IMG 1]

So simpel die Erkenntnis auch war: Das, fanden wir kämpferisch, sollten wir uns unbedingt auch zunutze machen. Zumal ein Beitrag zum Internationalen Tag der Frau aufgezeigt hat (htr hotel revue vom 7. März 2019), dass auch in unserer Branche das klassische Ungleichgewicht vorherrscht: Die Hotellerie und Gastronomie mag eine «weibliche» Branche sein und für Frauen viele Möglichkeiten bereit halten. Aber: Je höher die Karrierestufe, je grösser das Unternehmen, je fetter das Budget, je mehr Sterne, desto weniger – Frauen. Und wenn es nicht die mangelnde Anerkennung, die körperliche Anstrengung oder die lange Arbeitspräsenz ist, die sie vom Posten des Küchenchefs oder der Hôtelière abschreckt, dann wird es die Mutterschaft sein, die sie daran hindert. Themen also wie Lohngleichheit, weibliche Führungskräfte, Elternzeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Themen, die Politik und Wirtschaft schon lange umtreiben, sie brennen auch in unserer Branche.

Daher: Auf, auf nach Bern, wir Frauen! Egal, ob wir uns im Kleinen zusammentun, um uns gegenseitig zu stärken, oder uns für die grossen Anliegen einsetzen: Morgen haben wir die Gelegenheit, uns im ganz Grossen zusammenzufinden – auf dass die Dynamik, die dabei entstehen wird, ihre Wirkung weit über den Tag hinaus entfalten kann.