Fachkräftemangel. Das Problem ist erkannt, es betrifft das Gastgewerbe existenziell, ist jedoch enorm komplex und deshalb auch im Ansatz schwierig zu lösen. Umso wichtiger ist es, am Thema dranzubleiben und den Hebel dort anzusetzen, wo Verbesserungen möglich sind. Dass hotelleriesuisse dranbleibt, zeigte sich vergangene Woche am «Tag der Schweizer Hotellerie», der seit elf Jahren jeweils im Anschluss an die Sommer-Delegiertenversammlung des Unternehmerverbandes stattfindet. Im Kinosaal des Pala­cinema Locarno ging es dabei schwergewichtig um die Verantwortung von Führungskräften und das Hinterfragen von Führungsqualität und -kultur.

Wie stark Unternehmer heute gefordert sind, zeigte das mit viel Statistik untermauerte Referat von Daniella Lützelschwab, Mitglied der Geschäftsleitung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. So räumte sie etwa mit der verlockenden Vorstellung auf, das Problem Fachkräftemangel löse sich durch den Siegeszug der Robotertechnologie gleichsam von selbst. Denn erstens reiche die technisch mögliche Umsetzbarkeit einer Automatisierung noch nicht, um eine Stelle auch wirklich abzubauen. Zweitens stehe unserer Gesellschaft eine eigentliche Pensionierungswelle bevor. Laut Statistik treten in den kommenden zehn Jahren hierzulande fast eine Million Menschen in den Ruhestand. Bei fortlaufendem Bevölkerungswachstum entsteht so eine Lücke von fast 500 000 Vollzeitstellen.[IMG 2]

Auf die nüchternen – und ernüchternden – Statistiken folgte der Auftritt einer Speakerin, die fast zu gekonnt auf der Klaviatur der Emotionen zu spielen weiss. Die Unternehmer-Beraterin Nicole Brandes erzählte von ihrer Verehrung für ihren als Hotelier tätigen Grossvater, nannte Hotelzimmer Seelenräume und appellierte an die Führungskräfte im Saal, sich nicht nur digital, sondern auch menschlich weiter zu entwickeln. Zudem stellte sie Fragen in den Raum. Wie oft und systematisch denken Sie mit den Megatrends? Wie oft versuchen Sie etwas Neues? Wie viel investieren Sie in People Skills? Brainfood, appetitlich serviert.

Den Abschluss des angesichts des komplexen Themas abwechslungsreich zusammengestellten und von Marina Villa klug moderierten Programms machten Hoteliers, die ihre Führungsverantwortung gegenüber dem Nachwuchs wahrnehmen und damit im Interesse der gesamten Branche handeln. Auf der Bühne stand nun auch eine Vertreterin jener raren Spezies, um die sich im Palacinema Locarno alles drehte, nämlich eine Lernende. Doch ihr Auftritt geriet nicht zur Alibiübung. Ungekünstelt, wunderbar authentisch erzählte Gianna Arnold, die sich im Hotel Schützen in Rheinfelden zur HOFA ausbildet und SwissSkills-Kandidatin ist, den rund 200 Delegierten und Gästen von ihren Bedürfnissen, Zielen und der Faszination ihres Berufs. Es war der Höhepunkt dieses Tages der Schweizer Hotellerie.

«Der Wettbewerb um Fachkräfte in der Beherbergung: Wie ist die Situation?» So lautet der Titel des am «Tag der Schweizer Hotellerie» präsentierten, im Auftrag von hotelleriesuisse erarbeiteten Analysereports von Ecoplan. Feedback und Inputs zu den darin entwickelten sechs Handlungsfeldern sind willkommen!

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