Ein unglaubliches Plus von 3'343'904 Logiernächten konnten wir in der Hotellerie im letzten Jahr gegenüber 2008 aus den Fernmärkten generieren. Im Gegensatz dazu haben wir 3'458'464 Logiernächte aus dem Schengenraum verloren. Die Gründe dafür sind hinreichlich bekannt, verändertes Reiseverhalten und der schwächelnde Euro. Diese Zahlen zeigen eindrücklich, warum der Schweizer Tourismus die letzten 10 Jahre die Logiernächte auf das Rekordhoch von 38,8 Millionen steigern konnte. Das Wachstum liegt, seit wir zum Schengenraum gehören, in unseren Fernmärkten Asien, Indien, USA, Südamerika und den Golfstaaten. Diese Gäste geben zwischen 310 und 420 Franken pro Tag aus. Bei den Chinesen sind es 380 Franken. Zum Vergleich: Bei den deutschen Gästen sind es 130 Franken. Diese Gäste aus den neuen Märkten sind wichtig für die Schweizer Wirtschaft. Denn der Tourismus steuert 2,6 Prozent zur hiesigen Bruttowertschöpfung bei, das Gastgewerbe beschäftigt fast 250'000 Menschen.

Um die Bedeutung von Schengen für uns Touristiker nachvollziehen zu können, muss man sich über etwas Weiteres bewusst sein: Die Aufenthaltsdauer von Gästen aus Fernmärkten in der Schweiz ist relativ kurz. 1,3 Tage bei Chinesen beispielsweise. Jetzt stellt sich die Frage: Wie viele von diesen Gästen sind für die kurze Dauer bereit, neben dem Schengen-Visum ein zusätzliches Schweizer-Visum zu lösen? Tritt die Schweiz aus dem Schengen-Raum aus, macht sie genau das Gegenteil. Sie legt den Touristen Steine in den Weg. Und dabei geht es nicht nur um die Gebühr, die ein zusätzliches Schweizer Visum kosten würde. Schengen ist mehr als nur Visa. Es ist ein System. Die Schweiz kann dank sogenannter Vertretungsvereinbarung auf Visa-Stellen von anderen Schengen-Partnern zurückgreifen – das sind heute rund 60. Und auch die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern ist einfacher aufgrund der hohen Anzahl ausgestellter Schengen-Visa. Dadurch kann die Schweiz ihren ausländischen Gästen ein viel dichteres Netz an Stellen anbieten, in dem sie ein Visum beantragen können. Wenn sie aber aus Schengen austritt und nicht massiv viel Geld in eigene Stellen investiert, könnten wahrscheinlich die chinesischen Touristen z. B. aus Kunming (Partnerstadt von Zürich seit 1982) vor Ort kein Visum mehr für die Schweiz lösen. Sie müssten zur nächstgelegenen Schweizer Stelle. Die ist in Peking. Wissen Sie, wie weit Peking von Kunming entfernt ist? Fast 2600 Kilometer oder 30 Stunden Autofahrt.

Eigentlich sollte angesichts all der Zahlen und Umstände klar sein, dass für den Tourismus beim Waffenrecht keine Experimente drinliegen. Und trotzdem geistert das Argument umher, der Schweizer Tourismus brauche Schengen nicht, denn die Schweiz könne die ganze Visum-Geschichte selber lösen. Man könne ja die Schengen-Visa einseitig anerkennen. Das verkennt die Vielfalt an Gründen, weshalb es für Touristen aus Fernmärkten seit dem Schengen-Visum attraktiver ist, in die Schweiz zu kommen. Ich habe vorher die Vertretungsvereinbarungen erwähnt. Die wären dann zum Beispiel weg.

Denn eine einseitige Anerkennung ist vor allem eines: einseitig. Wir können Schengen-Visa anerkennen, aber die Schengen-Staaten werden Touristen mit Schweizer Visa nicht durchwinken. Was macht jetzt also ein Chinese, der ein single-entry Schengen-Visa hat und von München nach Mailand über Zürich reisen will? Sobald er in Schaffhausen über die Grenze ist, verliert er sein Schengen-Visum. Will er nun im Tessin nach Italien, hat er ein Problem.

Sie sehen: Der Schweizer Tourismus profitiert ungemein von Schengen – und damit auch die Schweiz als Ganzes. Ökonomen von Ecoplan haben errechnet, dass wir im Tourismus dank der Schengen-Erleichterungen im Jahr 2030 bis zu 530 Millionen Franken mehr Einnahmen erzielen. Weil eben mehr Gäste aus den Fernmärkten den Weg hierhin finden. Ich kann die Schätzung nur teilen. Die Vergangenheit hat das bereits bestätigt. Und ich hoffe, dass wir auch in Zukunft darauf zählen können.

Deshalb haben wir uns – zusammen mit zehn weiteren grossen Tourismusverbänden der Schweiz – zu einem Komitee für das neue Waffenrecht zusammengeschlossen und werden uns stark im Abstimmungskampf für ein JA engagieren.