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Dossier: Ratgeber
Bild: alexskopj/123RF

Dossier: Ratgeber

Der Experte weiss Rat

Finden Sie hier Anregungen, Empfehlungen, Hilfestellungen von Branchenexperten.

Offene Restaurants

Absitzen befreit nicht immer von der Maskenpflicht

Nun geht es für die Gastronomie wieder richtig los. Wir haben die Antworten auf die wichtigsten rechtlichen Fragen zur Öffnung der Innenräume.
In der Regel gibt es im Restaurant am Tisch keine Maskenpflicht. Aber es gibt auch Ausnahmen.
In der Regel gibt es im Restaurant am Tisch keine Maskenpflicht. Aber es gibt auch Ausnahmen. Bild: Kayleigh Harrington/Unsplash
Bild: Kayleigh Harrington/Unsplash

Gelten die gleichen Schutzmassnahmen wie im Winter 2020 vor dem zweiten Lockdown?

Die Grundregeln der Schutzkonzepte sind identisch – mit der Ausnahme, dass neu nicht nur in öffentlich zugänglichen Räumen Maskenpflicht gilt, sondern beispielsweise auch in der Küche und im gemeinsam genutzten Büro. Zudem müssen neu alle Gäste ihre Kontaktangaben hinterlassen; im Herbst reichten noch die Angaben eines Gastes pro Gruppe. Abgesehen davon sind die aktuellen Bestimmungen insgesamt eher weniger streng als unmittelbar vor dem Lockdown. So wurde beispielsweise die Sperrstunde aufgehoben und im Aussenbereich dürfen neu sechs Personen am gleichen Tisch sitzen.

Fünf der erlaubten vier Gäste sitzen drinnen zusammen und behaupten, eine Familie zu sein. Muss ich das als Gastgeber verifizieren?

Die Gastgeber müssen die Daten aller Gäste erfassen. Dort sind Namen und Adresse ersichtlich, sodass zumindest anhand der Adressen überprüft werden kann, ob die Gäste im selben Haushalt wohnen. In einigen Kantonen ist vorgeschrieben, dass der Gastgeber geeignete Massnahmen einhalten muss, dass die Kontaktdaten korrekt angegeben werden. Es sind deshalb die Vorgaben des jeweiligen Kantons einzuhalten.

Dürfen auch fünf WG-Freunde im Innenbereich gemeinsam an einem Tisch sitzen?

Nein. Wenn mehr als fünf Personen an einem Tisch sitzen, dürfen das nur Eltern mit ihren Kindern sein. Selbst Grosseltern sind nicht erlaubt – nicht einmal dann, wenn auch sie im gleichen Haushalt leben.

Was riskiere ich als Wirt, wenn ich trotzdem ausnahmsweise fünf Freunde im Innenbereich an einem Tisch sitzen lasse?

Wenn jemand das Schutzkonzept nicht einhält und kontrolliert wird, kann es zu einer Busse kommen.

Ist diese Busse abhängig davon, ob fünf Personen im Sterne-Restaurant ein Menü mit Weinbegleitung konsumieren oder in ihrer Stammbeiz nur gemeinsam ein Bier trinken?

Die Höhe der Busse hängt nicht von der Art der Konsumation ab, sondern ist für jedes Restaurant gleich hoch.

Stichwort Abstand: Im Schutzkonzept steht, zwischen den Gruppen gelte der 1,5-Meter-Abstand «von Schulter zu Schulter», wenn die Gäste Seite an Seite sitzen, und «von Tischkante zu Tischkante», wenn die Gäste Rücken an Rücken sitzen. Im Restaurant sitzen die Gäste aber teils Schulter an Rücken. Was gilt da?

Es sind ebenfalls 1,5 Meter von Tischkante zu Tischkante einzuhalten.

Im Restaurant müssen die Gäste neu keine Maske mehr tragen, wenn sie am Tisch sitzen. Ist die Maskenpflicht auch für Veranstaltungen gefallen, wenn die Gäste sitzen?

Nein, während eines Seminars oder einer Veranstaltung muss die Maske nach wie vor getragen werden.

Kann ein Restaurant weiterhin geschlossen bleiben, wenn die Betreiber befürchten, dass sich das Öffnen nicht rentiert? Oder verlieren sie damit den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Da gibt es keine allgemeingültige Antwort. Grundsätzlich haben Gastronominnen und Gastronomen eine Schadenminderungspflicht. Das heisst, sie müssen alles unternehmen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Die Experten wissen Rat

Die Fragen beantwortet haben Annette Rupp und Samuel Bangerter. Juristin Annette Rupp ist Projektleiterin Rechtsdienst bei Hotellerie­Suisse. Politikwissenschaftler Samuel Bangerter ist Projektleiter Wirtschaftspolitik bei HotellerieSuisse.

Haben Sie rechtliche Fragen?
Annette Rupp ist erreichbar unter der Nummer 031 370 43 50
(Montag bis Freitag, 8.30–12 Uhr und 14–16 Uhr) oder per E-Mail: rechtsberatung@hotelleriesuisse.ch

Was wurde bezüglich Härtefallhilfen entschieden?

Der Bundesrat will die Stützungsmassnahmen in Form von A-fonds-perdu-Beiträgen für Unternehmen auslaufen lassen. Einzig die Obergrenze für die Beiträge soll auch für kleine Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent auf 30 Prozent des Jahresumsatzes erhöht werden. Zudem können die Kantone zusätzliche Massnahmen beschliessen und diese aus der Bundeskasse finanzieren lassen. Die entsprechende Verordnungsänderung ist für Juni geplant. Gleichzeitig haben die wirtschaftspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat zwei Motionen für eine weitergehende Verlängerung der Härtefallregelung eingereicht. Diese werden voraussichtlich in der Sommersession traktandiert. In welcher Form das Härtefallprogramm weitergeführt wird, entscheidet sich diesen Monat.

Mischa Stünzi

Der Experte weiss Rat

Wenn Hacker Lösegeld fordern

Fachautor Lorenz Inglin, Head of Cyber Defence bei Swisscom, gibt Tipps im Umgang mit Erpressern.
Schwachstellen in der IT-Infrastruktur laden Hacker zum Angriff ein.
Schwachstellen in der IT-Infrastruktur laden Hacker zum Angriff ein. Bild: iStock
Bild: iStock

Frage: Müssen auch Hotels mit Hackerangriffen rechnen?

Daten von Millionen Kunden abgegriffen, Telefonanlage für teure Premiumrufnummern missbraucht und Lösegeldforderungen für verschlüsselte Daten: Medienberichte bezeugen, dass Angriffe auch auf Hotels Realität sind. Die wenigsten Fälle gelangen jedoch in die Medien, denn als Hotel möchte man damit so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Entsprechend gross ist die Dunkelziffer.

Im KMU-Umfeld sind die Angriffe meist opportunistisch motiviert. Hacker suchen kontinuierlich nach Schwachstellen. Entdecken sie eine, wird diese genutzt, um entweder an sensible Daten von Gästen, Mitarbeitenden oder von Lieferanten heranzukommen. Eine Schwachstelle kann aber auch Eintrittstor sein, um zum Beispiel Router oder PCs für weiterführende Angriffe zu missbrauchen oder um sogenannte Ransomware in den Betrieb einzuschleusen. Dabei handelt es sich um Schadsoftware, die Dateien oder gar Programme verschlüsselt, bis eine Lösegeldzahlung erfolgt ist. Im schlimmsten Fall kommt es dadurch zum kompletten Stillstand von Systemen oder gar des gesamten Betriebes.

Frage: Wie schütze ich meinen Betrieb vor Angriffen aus dem Netz?

Ein Security Assessment ist oftmals der erste Schritt dafür, eine Bestandsanalyse durchzuführen. Dabei wird die Infrastruktur auf Schwachstellen untersucht und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Ausgehend davon können Hotelbetriebe notwendige Sicherheitsmassnahmen in die Wege leiten. Eine einfache Firewall reicht heutzutage jedoch nicht mehr aus, da sie weder gegen neue Angriffsarten, Viren noch Trojaner schützt. Es braucht einen gesamthaften Schutz, eine professionelle Sicherheitslösung, die den gesamten Datenverkehr im Netzwerk auf Schadsoftware untersucht, stets auf dem aktuellen Stand ist und regelmässig gewartet wird.

Sogenannte Managed Services entlasten Hoteliers dabei maximal, indem sich der zuständige Partner professionell um die IT-Infrastruktur und deren Sicherheit kümmert. Einen eigenen Sicherheitsbeauftragten einzustellen, lohnt sich für die wenigsten der Betriebe. Noch dazu sind diese Experten sehr gefragt und in der Schweiz schwer zu finden.

Nebst den technischen Schutzmassnahmen gilt es auch die Mitarbeitenden regelmässig zu Sicherheitsthemen zu schulen, um den Hotelbetrieb präventiv vor Angriffen aus dem Netz zu schützen. Denn oftmals gelangen Viren oder Schadsoftware über eine scheinbar harmlose E-Mail-Bewerbung oder eine Reservationsanfrage ins Haus. Im Ernstfall kann ein Angriff schnell teuer werden. IT-Security ist eine Investition in die Zukunft. Daher gilt: Prävention ist besser als Reaktion.


Checkliste: Hilfe im Ernstfall

Was tun, wenn Programme und Daten verschlüsselt worden sind und Hacker Lösegeld fordern?

> Betroffene Systeme vom Internet trennen, damit der Angreifer keinen Zugriff mehr hat und keine weiteren Systeme infiziert werden können. Achtung: PC zwecks Spurensuche nicht ausschalten (auch startet der Verschlüsselungsprozess häufig erst nach einem Neustart).

> Back-ups, falls vorhanden, vom Netzwerk oder System trennen. Nicht dass diese ebenfalls verschlüsselt werden.

> Ruhe bewahren und Kontakt mit einem Experten/IT-Partner aufnehmen.

> Keiner Zahlungsaufforderung nachkommen. Es gibt keine Garantie, dass die Daten anschliessend wirklich entschlüsselt werden. Auch könnten die Erpresser eine zweite, höhere Forderung stellen.

> System neu aufsetzen, um Virus zu entfernen, patchen (Antivirus), Passwörter ändern.

> Back-up machen (falls vorhanden)

> Verschlüsselte Dateien behalten, da diese eventuell später wieder entschlüsselt werden können. Software zum Entschlüsseln für bekannte Angriffe ist zu finden unter www.nomoreransom.org

> Anzeige bei der lokalen Polizeidienststelle einreichen.

Als führendes Telekommunikations- und grösstes IT-Unternehmen der Schweiz bietet Swisscom einen bunten Strauss an individuellen Produkten und Dienstleistungen für Hotelbetriebe. Unter anderem kümmert sich das Unternehmen auch um IT-Infrastrukturen und deren Sicherheit.
swisscom.ch/kmu-sicherheit