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Dossier: Ratgeber
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Dossier: Ratgeber

Der Experte weiss Rat

Finden Sie hier Anregungen, Empfehlungen, Hilfestellungen von Branchenexperten.

Der Experte weiss Rat

«Eine Alternative zum Exit»

Gianluca Marongiu, Revenue Consultant, beantwortet regelmässig Ihre Fragen zum Revenue Management.
Mit Jufa ist im Sommer eine weitere Hotelkette in die Schweiz gekommen.
Mit Jufa ist im Sommer eine weitere Hotelkette in die Schweiz gekommen. Bild: zvg
Bild: zvg

Frage: Bekannte Hotelmarken fassen in der Schweiz Fuss. Was heisst das für die Schweizer Individualhotellerie?

Antwort: In den letzten Jahren gab es verschiedene Markeneintritte grosser Namen in der Schweiz, die sicherlich den Hotelmarkt aufmischen werden. Aktuell sind über 80 Hotelbrands in der Schweiz präsent, und der Trend geht klar in Richtung 100 Marken. Die Anzahl Kettenhotels liegt ungefähr bei 330, was unter 10 Prozent aller Hotels ist. Schaut man aber die Kettenpenetration nach Anzahl Zimmer an, sieht man, dass fast ein Drittel der Zimmer bereits in den Händen internationaler Ketten sind.

Der Vormarsch der Ketten ist europaweit festzustellen, wie unter anderem die verschiedenen Reports von Horwath unterstreichen. Wegen Corona dürfte sich der Wandel gar noch beschleunigen. Zwar hat die Krise auch Hotelketten stark getroffen, aber Experten schätzen, dass es bei den Individualhotels zu mehr Abgängen kommen wird. In der Schweiz ist der Anteil der Kettenhotels im internationalen Vergleich recht überschaubar, und man kann immer noch von einem Individualmarkt sprechen. Die Ketten konzentrieren sich primär auf die Businessregionen. Aktuell findet deshalb in vielen Schweizer Städten eine Marktbereinigung statt: Gute Individualhotels stärken sich und schärfen ihr Profil, während schwächere verkauft, verpachtet oder umfunktioniert werden.

Ketten bieten neue Formen der Kooperation
Nach dem Motto «If you can’t beat them, join them» entscheiden sich auch viele Hoteliers, mit Ketten zu kooperieren oder das operative Geschäft abzugeben. Eine solche Zusammenarbeit kann für Hoteliers eine Alternative zum Exit sein.

Die Nachfrage nach Franchise- und Management-Kooperationen hat stark zugenommen – viele Individualhotels besitzen zwar super Standorte, aber ihnen fehlen die internationale Distributionskraft sowie auf der Kostenseite die operative Struktur und Effizienz.

Zudem haben die Ketten ihre Angebote erweitert. Beispielsweise wurden sogenannte Soft Brands entwickelt mit Franchise-Verträgen, die dem Einzelhotel erlauben, seine Individualität zu bewahren und trotzdem Teil einer Kette zu sein. Ein gutes Beispiel ist die Autograph Collection von Marriott, die kürzlich auch in Zürich Fuss gefasst hat. Bei einem Anschluss an die Autograph Collection kann das Hotel seinen ursprünglichen Namen behalten, wird aber als Teil der Collection kommuniziert.

Weiter hat Dorint Schweiz ein Managementprogramm entwickelt, um Individualhotels mit einem erfolgsbasierten Modell operativ unter die Arme zu greifen. Bei dieser Zusammenarbeit gibt der Hotelier sein operatives Geschäft ab und nutzt die Synergien anderer Standorte, ohne den Namen zu verlieren. Ein Mix aus Management- und Franchise-Kooperation mit einer nationalen Zentrale.

Wann eine Hotelblase und tiefe Preise drohen
Solche Angebote bringen Individualhotels und Ketten näher zusammen, und eine gesunde Mischung beider Hoteltypen bringt Schwung in den Markt. Nicht zu vergessen: Gewisse Markteintritte wie Mandarin Oriental und Ritz Carlton können einer Destination auch zusätzliche Nachfrage generieren. Solche Brands verhelfen speziell Städten, einen gewissen Leisure-Charme zu entwickeln, was sich auf die Saisonalität der Destination positiv auswirkt.

Heikel kann es dann werden, wenn viele preisorientierte Ketten gleichzeitig an einem Standort Fuss fassen möchten. Meistens sind das grosse Hotels, die sich ohne Charme und mit wenig Services, dafür mit einem günstigen Preis einen Platz im Markt verschaffen wollen. Dieses Vorgehen kann zu einer Hotelblase führen, bei der die Nachfrage nicht mehr mit dem Angebot mithalten kann. Das Resultat sind eine tiefe Auslastung und tiefe Preise für alle.

Der Experte weiss Rat

Überleben dank einem Covid-Kredit

Hugo Schmid ist dipl. Steuerexperte und dipl. Wirtschaftsprüfer. Er beantwortet an dieser Stelle regelmässig Ihre Fragen.
Bild: Bethany Legg/Unsplash
Bild: Bethany Legg/Unsplash
Einfluss eines Covid-Kredits auf die gesetzlichen Folgen bei einer Verlustsituation.
Einfluss eines Covid-Kredits auf die gesetzlichen Folgen bei einer Verlustsituation. Bild: Bommer und Partner
Bild: Bommer und Partner

Frage: Infolge der Corona-Einschränkungen resultiert bei unserem Hotel ein massives Minus, und die Verluste wachsen laufend an. Wann droht ein Konkurs angesichts der Covid-Kredite? Welche Gegenmassnahmen würden Sie uns empfehlen?

Antwort: Bei Personengesellschaften haftet das persönliche Vermögen der Gesellschafter, und wenn die Liquidität beim Betrieb fehlt, wird das Privatvermögen beigezogen. Sie riskieren somit, dass Sie persönlich Schulden zu übernehmen haben, und dies könnte sich bis zu einem Konkurs hinziehen. [IMG 2]

Juristische Personen
Die gesetzlichen Gläubigerschutzmassnahmen gelten für juristische Personen (AG, GmbH, Genossenschaft). Der Verwaltungsrat bzw. die Organe sind zur Einhaltung der unten aufgeführten Massnahmen verpflichtet. Tun sie das nicht, könnte eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorliegen und damit eine persönliche Haftung die Folge sein.

Kapitalschutzvorschriften Art. 725 OR
a) Liegt ein Verlustvortrag bis zur Hälfte des Grundkapitals und der gesetzlichen Reserven vor, ist Vorsicht angezeigt, jedoch besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf (Beispiel 1).

b) Übersteigt der Verlustvortrag die Hälfte des Grundkapitals und der gesetzlichen Reserven, ist gemäss OR Art. 725 Abs. 1 unverzüglich eine Generalversammlung einzuberufen, um Sanierungsmassnahmen zu definieren (Beispiel 2a).

c) Übersteigt der Verlustvortrag das Grundkapital und die gesetzlichen Reserven, so liegt gemäss OR Art. 725 Abs. 2 eine Überschuldung vor. Liegt aufgrund der Zwischen- oder Jahresbilanz zu Fortführungs- wie auch zu Veräusserungswerten eine Überschuldung vor, so ist die Bilanz zu deponieren, wenn nicht Gesellschaftsgläubiger für den Betrag der Überschuldung sowie des erwarteten künftigen Jahresverlustes Rangrücktritt erklären (Beispiel 3a). Der Richter wird nur dann die Fortführung der Gesellschaft anordnen, wenn intakte Chancen zu einer Gesundung und damit einer Beseitigung der Überschuldung bestehen.

d) Die Covid-Härtefallverordnung sieht vor, dass Covid-Kredite von Bund und Kantonen hinsichtlich der Gläubigerschutzmassnahmen bis voraussichtlich 31. Dezember 2031 nicht als Fremdkapital gelten. Dies hat zur Folge, dass diese Massnahmen aus OR 725 Abs. 1 und 2 abgefedert werden und der Gesellschaft eine Zusatzfrist für eine Sanierung eingeräumt wird (vgl. Bspl. 2b und 3b).

Rettungsanker aus der Überschuldung
Unterbewertete Anlagegüter dürfen mit einem realistischen Wert berücksichtigt werden. Resultiert somit aus der Bilanz zu Veräusserungswerten keine ungedeckte Überschuldung, muss auch keine Bilanzdeponierung erfolgen. Bringt der Verwaltungsrat innert weniger Wochen eine Sanierung zustande (durch Mitteleinlage, Kredite mit Rangrücktritten, Erlangung von Unterstützungsbeiträgen wie Härtefallhilfen, Teilverkäufen), kann er auf den Gang zum Richter verzichten, wenn damit sowohl die Überschuldung als auch der nächstfolgende allfällig zu erwartende Jahresverlust abgedeckt werden.

Schlussfolgerungen
Dank der Covid-Härtefallverordnung steht den Unternehmen mit den Covid-Krediten zusätzliches wirtschaftliches Eigenkapital zur Verfügung, um eine drohende Überschuldung und den Gang zum Richter abzuwenden. Die schrittweise Rückzahlung der Covid-Kredite schmälert dann in der Folge auch den Betrag dieses wirtschaftlichen Eigenkapitals. Aktuell sollten sich die Organe daher Gedanken zu einer nachhaltigen Sanierung der Gesellschaft machen, um den Worst Case – die Bilanzdeponierung – zu vermeiden.


Haben Sie Fragen an Hugo Schmid? Schreiben Sie eine E-Mail an den Experten, der Partner und Mitglied der Geschäftsleitung bei Bommer und Partner Treuhandgesellschaft ist.

Die Bommer + Partner Treuhandgesellschaft ist ein Spezialist für Gastgewerbe und Tourismus und bietet branchenspezifi sche Dienstleistungen in den Bereichen Buchhaltung, Steuern, Wirtschafts- und Unternehmensberatung.
bommer-partner.ch

 

Eine Expertin weiss Rat

Wer bezahlt bei einer Frühgeburt?

Annette Rupp, Projektleiterin Arbeitsrechts bei HotellerieSuisse, beantwortet regelmässig Ihre rechtlichen Fragen.
Im Falle einer Frühgeburt kann der Mutterschaftsurlaub verschoben werden.
Im Falle einer Frühgeburt kann der Mutterschaftsurlaub verschoben werden. Bild: iStock
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Frage: Das Kind meiner Mitarbeiterin wurde fünf Wochen zu früh geboren und muss die nächsten Wochen im Spital verbringen. Deshalb hat mich meine Mitarbeiterin angefragt, ob der Mutterschaftsurlaub trotzdem ab der Geburt gerechnet wird.

Antwort: Nein, der Mutterschaftsurlaub kann verschoben werden. Seit dem 1. Juli 2021 ist eine Gesetzesneuerung in Kraft. Wenn das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt ununterbrochen während mindestens zweier Wochen im Spital verbleiben muss und wenn die Mitarbeiterin nachweisen kann, dass beim Zeitpunkt der Niederkunft bereits entschieden wurde, dass nach Ablauf des Mutterschaftsurlaubes die Arbeitstätigkeit fortgesetzt wird, dann ist der Lohn für die Dauer der Hospitalisierung des Kindes über die EO bezahlt, längstens für 56 Tage. Die Höhe der Entschädigung entspricht jener für den bezahlten Mutterschaftsurlaub, somit 80 Prozent des letzten Lohnes, maximal 196 Franken pro Tag.

In welchem Rahmen die Mitarbeiterin das Arbeitsverhältnis weiterführt, spielt keine Rolle. Sie kann neue Aufgaben übernehmen, das Arbeitspensum reduzieren, nach dem Mutterschaftsurlaub Ferien oder unbezahlten Urlaub beziehen. Entscheidend ist, dass die Erwerbstätigkeit beim gleichen oder bei einem neuen Arbeitgeber fortgesetzt wird. [DOSSIER]

Die Hospitalisierung des Neugeborenen von mindestens zwei Wochen muss mit einem Arztzeugnis belegt werden. Nimmt die Mutter ihre Erwerbstätigkeit nach dem Mutterschaftsurlaub nicht mehr auf und endet somit das Arbeitsverhältnis, kommt die Neuregelung mit der EO-Entschädigung nicht zur Anwendung. Der Arbeitgeber hat den Lohn für den Aufschub des Mutterschaftsurlaubes nach Berner Skala zu zahlen. Der Kündigungsschutz wird im Falle des Aufschubs des Mutterschaftsurlaubs erweitert um die Zeit der Hospitalisierung, längstens aber um die 56 Tage.

Frage: Ein Mitarbeitender ist seit 8. März 2021 krankgeschrieben – er befindet sich im zehnten Dienstjahr. Leider müssen wir den Arbeitsvertrag kündigen, da ein Ende der Krankheit nicht absehbar ist. Wann dürfen wir frühestens die Kündigung aussprechen, und wie lange ist die Kündigungsfrist?

Antwort: Die Sperrfristen sind in OR Art. 336c geregelt. Im ersten Dienstjahr beträgt die Sperrfrist 30 Tage, vom zweiten bis fünften Dienstjahr 90 Tage und ab dem sechsten Dienstjahr 180 Tage, während der keine Kündigung ausgesprochen werden darf. Aufgrund der langen Anstellung im vorliegenden Fall beträgt die Sperrfrist 180 Tage, sie dauert bis und mit 3. September. Ab dem 4. September kann die Kündigung unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist auf den nächstmöglichen Zeitpunkt ausgesprochen werden. Sofern im Arbeitsvertrag keine längere Kündigungsfrist vereinbart wurde, beträgt diese gemäss L-GAV zwei Monate. Der Vertrag kann somit ab dem 4. September auf den 30. November aufgelöst werden.

Frage: Gibt es nach wie vor die gesetzliche Vorgabe des Datenschutzes, dass Unterlagen Mitarbeitende betreffend sowohl physisch wie auch elektronisch aufzubewahren sind? Im Falle eines Brandes hätte man so noch auf die elektronischen Daten Zugriff und umgekehrt bei einem Datenverlust auf die physischen Dossiers.

Antwort: Grundsätzlich besteht keine Pflicht, die Personalakten sowohl in physischer wie auch in elektronischer Form aufzubewahren. Die Akten können auch nur in elektronischer Form aufbewahrt werden. Dabei muss jedoch gewährleistet werden, dass die Akten revisionssicher sind und dass die Unveränderbarkeit sichergestellt ist. Wenn die Daten ausschliesslich in elektronischer Form aufbewahrt werden, empfiehlt es sich, ein externes Back-up der Daten zu erstellen, damit diese im Falle von Störungen nicht verloren gehen.


Haben Sie Fragen an Annette Rupp?
Sie erreichen die Juristin und Projektleiterin Arbeitsrecht bei HotellerieSuisse unter 031 370 43 50  von Montag bis Freitag, 8.30 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr oder per Mail.

Ratgeber

«Es ist Zeit, sich neu auszurichten»

Gianluca Marongiu, Revenue Consultant, beantwortet regelmässig Ihre Fragen zum Revenue Management.
Der Gästemix verändert sich mit jedem Lockerungsschritt wieder.
Der Gästemix verändert sich mit jedem Lockerungsschritt wieder. Bild: Pixabay
Bild: Pixabay

Die Auslandsmärkte ziehen langsam wieder an, was können wir tun, um nach Corona als Hoteliers mit einem besseren Gästemix dazustehen?

Die Passagierzahlen am Flughafen Zürich sind für eine Erholung des Schweizer Tourismus von grosser Bedeutung. Die Flugbewegungen verdoppeln sich aktuell Monat für Monat, und das lässt bei vielen Touristikern die Hoffnung aufkommen, dass bald eine Erholung der Auslandsmärkte stattfinden wird. Die Hoteliers spüren aktuell die Grenzöffnungen und empfangen seit langem wieder Gäste aus Nachbarländern, die zum Teil in der Schweiz Ferien machen oder auf der Durchreise sind. Gleichzeitig haben viele Schweizer den Weg ins Ausland gefunden, was abzusehen war. So normalisiert sich langsam der Gästemix wieder, und viele Hoteliers überlegen sich, was sie aus dieser Zeit für die Zukunft als Learning mitnehmen wollen.

Haben Sie Fragen an Gianluca Marongiu? Schreiben Sie eine E-Mail an Gianluca Marongiu, Revenue Consultant bei SHS Swiss Hospitality Solutions AG: g.marongiu[at]swisshospitalitysolutions.ch

Viele Städte wie auch Ferienregionen haben stark gelitten, was ganz klar mit dem Gästemix zu tun hatte. Destinationen, die nur vom Businessgast abhängig waren, und Ferienregionen, die nur auf Fernmärkte ausgelegt waren, haben klar gespürt, dass der Gästemix nicht nachhaltig genug war, um in Krisenzeiten zu überleben. So mussten sich viele Hotels in diesen Regionen neu orientieren und sind neue Zielgruppen und Märkte strategisch angegangen – so konnten z. B. neue Schweizer Gäste erreicht werden. Noch nie zuvor war der Performance-Unterschied zwischen den Hotels so gross wie in den letzten Monaten – während die einen Rekordzahlen schrieben, verzeichneten andere Hotels die grössten Verluste der Geschichte. Die Positionierung und der Gästemix haben klar den Unterschied ausgemacht, sodass viele Leistungsträger sich für die Zukunft strategisch neu ausrichten wollen. Eine neue strategische Gästeausrichtung zum jetzigen Zeitpunkt ist laut SHS essenziell, um nach Corona besser dazustehen, denn nicht alle Segmente werden sich gleich erholen.

Wir setzen in der Vermarktung stark auf den Individualtourismus – national sowie international.

Wir streben mit SHS an, den Fokus auf dem Inlandtourismus beizubehalten und wenn möglich durch eine passende Produktentwicklung zu erweitern. Weiter setzen wir in der Vermarktung stark auf den Individualtourismus – national sowie international. Nebst der Optimierung der wichtigsten OTA-Kanäle und des Eigenvertriebs empfehlen wir, die Zusammenarbeit mit Reisebüros zu suchen, die während Corona durch ihre Spezialisierung einen Aufschwung hatten. Gute Beispiele: Eurotrek oder Sense of Travel.

Grundsätzlich raten wir davon ab, wieder auf Gruppen- und Pauschalreisen aus Fernmärkten zu setzen, denn dieses Business wird sich zuletzt erholen, und das wird unserer Meinung nach noch eine gewisse Zeit brauchen. Weiter sind es genau die Quellen, die wir in der neuen Zielausrichtung mit Individualreisen kompensieren möchten und in einer neuen Strategie versuchen auszuschliessen. Die Lukrativität dieser Gäste war bis vor Corona durch Preisverhandlungen sowie Knebelverträge gesunken. Sollte es den Individualhotels gelingen, sich in den nächsten 18 Monaten dank dem Individualtourismus zu erholen, raten wir stark davon ab, die Verträge 1 zu 1 wieder zu unterschreiben. Uns ist bewusst, dass diese Gäste wichtig für den Schweizer Tourismus sind, aber es ist an der Zeit, die Chance wahrzunehmen, sich von deren Abhängigkeit zu lösen.

Grundsätzlich raten wir davon ab, wieder auf Gruppen- und Pauschalreisen aus Fernmärkten zu setzen.

Weiter raten wir Businessdestinationen stark davon ab, auf Preisverhandlungen von Grossfirmen einzugehen, denn diese wollen natürlich jetzt die Chance nutzen, um die Preise langfristig zu drücken. Die RFP-Saison steht vor der Tür, und es ist wichtig, dass auch im Corporate-Bereich eine Bereinigung bei den Hotels stattfindet. Die Produktion der Firmen ist massiv gesunken, und dementsprechend haben wir Argumente, um die Preise anzuheben und Konditionen neu zu verhandeln. Speziell bei diesem Segment vermuten wir, dass sich der Markt nach Corona nicht mehr ganzheitlich erholen wird, denn die Firmen haben in der Zwischenzeit gelernt, ihre Meetings effizient abzuhalten, und merken, wie viel Kosten sich dadurch einsparen lassen. [DOSSIER]

Offene Restaurants

Absitzen befreit nicht immer von der Maskenpflicht

Nun geht es für die Gastronomie wieder richtig los. Wir haben die Antworten auf die wichtigsten rechtlichen Fragen zur Öffnung der Innenräume.
In der Regel gibt es im Restaurant am Tisch keine Maskenpflicht. Aber es gibt auch Ausnahmen.
In der Regel gibt es im Restaurant am Tisch keine Maskenpflicht. Aber es gibt auch Ausnahmen. Bild: Kayleigh Harrington/Unsplash
Bild: Kayleigh Harrington/Unsplash

Gelten die gleichen Schutzmassnahmen wie im Winter 2020 vor dem zweiten Lockdown?

Die Grundregeln der Schutzkonzepte sind identisch – mit der Ausnahme, dass neu nicht nur in öffentlich zugänglichen Räumen Maskenpflicht gilt, sondern beispielsweise auch in der Küche und im gemeinsam genutzten Büro. Zudem müssen neu alle Gäste ihre Kontaktangaben hinterlassen; im Herbst reichten noch die Angaben eines Gastes pro Gruppe. Abgesehen davon sind die aktuellen Bestimmungen insgesamt eher weniger streng als unmittelbar vor dem Lockdown. So wurde beispielsweise die Sperrstunde aufgehoben und im Aussenbereich dürfen neu sechs Personen am gleichen Tisch sitzen.

Fünf der erlaubten vier Gäste sitzen drinnen zusammen und behaupten, eine Familie zu sein. Muss ich das als Gastgeber verifizieren?

Die Gastgeber müssen die Daten aller Gäste erfassen. Dort sind Namen und Adresse ersichtlich, sodass zumindest anhand der Adressen überprüft werden kann, ob die Gäste im selben Haushalt wohnen. In einigen Kantonen ist vorgeschrieben, dass der Gastgeber geeignete Massnahmen einhalten muss, dass die Kontaktdaten korrekt angegeben werden. Es sind deshalb die Vorgaben des jeweiligen Kantons einzuhalten.

Dürfen auch fünf WG-Freunde im Innenbereich gemeinsam an einem Tisch sitzen?

Nein. Wenn mehr als fünf Personen an einem Tisch sitzen, dürfen das nur Eltern mit ihren Kindern sein. Selbst Grosseltern sind nicht erlaubt – nicht einmal dann, wenn auch sie im gleichen Haushalt leben.

Was riskiere ich als Wirt, wenn ich trotzdem ausnahmsweise fünf Freunde im Innenbereich an einem Tisch sitzen lasse?

Wenn jemand das Schutzkonzept nicht einhält und kontrolliert wird, kann es zu einer Busse kommen.

Ist diese Busse abhängig davon, ob fünf Personen im Sterne-Restaurant ein Menü mit Weinbegleitung konsumieren oder in ihrer Stammbeiz nur gemeinsam ein Bier trinken?

Die Höhe der Busse hängt nicht von der Art der Konsumation ab, sondern ist für jedes Restaurant gleich hoch.

Stichwort Abstand: Im Schutzkonzept steht, zwischen den Gruppen gelte der 1,5-Meter-Abstand «von Schulter zu Schulter», wenn die Gäste Seite an Seite sitzen, und «von Tischkante zu Tischkante», wenn die Gäste Rücken an Rücken sitzen. Im Restaurant sitzen die Gäste aber teils Schulter an Rücken. Was gilt da?

Es sind ebenfalls 1,5 Meter von Tischkante zu Tischkante einzuhalten.

Im Restaurant müssen die Gäste neu keine Maske mehr tragen, wenn sie am Tisch sitzen. Ist die Maskenpflicht auch für Veranstaltungen gefallen, wenn die Gäste sitzen?

Nein, während eines Seminars oder einer Veranstaltung muss die Maske nach wie vor getragen werden.

Kann ein Restaurant weiterhin geschlossen bleiben, wenn die Betreiber befürchten, dass sich das Öffnen nicht rentiert? Oder verlieren sie damit den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Da gibt es keine allgemeingültige Antwort. Grundsätzlich haben Gastronominnen und Gastronomen eine Schadenminderungspflicht. Das heisst, sie müssen alles unternehmen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Die Experten wissen Rat

Die Fragen beantwortet haben Annette Rupp und Samuel Bangerter. Juristin Annette Rupp ist Projektleiterin Rechtsdienst bei Hotellerie­Suisse. Politikwissenschaftler Samuel Bangerter ist Projektleiter Wirtschaftspolitik bei HotellerieSuisse.

Haben Sie rechtliche Fragen?
Annette Rupp ist erreichbar unter der Nummer 031 370 43 50
(Montag bis Freitag, 8.30–12 Uhr und 14–16 Uhr) oder per E-Mail: rechtsberatung@hotelleriesuisse.ch

Was wurde bezüglich Härtefallhilfen entschieden?

Der Bundesrat will die Stützungsmassnahmen in Form von A-fonds-perdu-Beiträgen für Unternehmen auslaufen lassen. Einzig die Obergrenze für die Beiträge soll auch für kleine Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent auf 30 Prozent des Jahresumsatzes erhöht werden. Zudem können die Kantone zusätzliche Massnahmen beschliessen und diese aus der Bundeskasse finanzieren lassen. Die entsprechende Verordnungsänderung ist für Juni geplant. Gleichzeitig haben die wirtschaftspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat zwei Motionen für eine weitergehende Verlängerung der Härtefallregelung eingereicht. Diese werden voraussichtlich in der Sommersession traktandiert. In welcher Form das Härtefallprogramm weitergeführt wird, entscheidet sich diesen Monat.

[DOSSIER]

Mischa Stünzi

Der Experte weiss Rat

Wenn Hacker Lösegeld fordern

Fachautor Lorenz Inglin, Head of Cyber Defence bei Swisscom, gibt Tipps im Umgang mit Erpressern.
Schwachstellen in der IT-Infrastruktur laden Hacker zum Angriff ein.
Schwachstellen in der IT-Infrastruktur laden Hacker zum Angriff ein. Bild: iStock
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Frage: Müssen auch Hotels mit Hackerangriffen rechnen?

Daten von Millionen Kunden abgegriffen, Telefonanlage für teure Premiumrufnummern missbraucht und Lösegeldforderungen für verschlüsselte Daten: Medienberichte bezeugen, dass Angriffe auch auf Hotels Realität sind. Die wenigsten Fälle gelangen jedoch in die Medien, denn als Hotel möchte man damit so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Entsprechend gross ist die Dunkelziffer.

Im KMU-Umfeld sind die Angriffe meist opportunistisch motiviert. Hacker suchen kontinuierlich nach Schwachstellen. Entdecken sie eine, wird diese genutzt, um entweder an sensible Daten von Gästen, Mitarbeitenden oder von Lieferanten heranzukommen. Eine Schwachstelle kann aber auch Eintrittstor sein, um zum Beispiel Router oder PCs für weiterführende Angriffe zu missbrauchen oder um sogenannte Ransomware in den Betrieb einzuschleusen. Dabei handelt es sich um Schadsoftware, die Dateien oder gar Programme verschlüsselt, bis eine Lösegeldzahlung erfolgt ist. Im schlimmsten Fall kommt es dadurch zum kompletten Stillstand von Systemen oder gar des gesamten Betriebes.

Frage: Wie schütze ich meinen Betrieb vor Angriffen aus dem Netz?

Ein Security Assessment ist oftmals der erste Schritt dafür, eine Bestandsanalyse durchzuführen. Dabei wird die Infrastruktur auf Schwachstellen untersucht und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Ausgehend davon können Hotelbetriebe notwendige Sicherheitsmassnahmen in die Wege leiten. Eine einfache Firewall reicht heutzutage jedoch nicht mehr aus, da sie weder gegen neue Angriffsarten, Viren noch Trojaner schützt. Es braucht einen gesamthaften Schutz, eine professionelle Sicherheitslösung, die den gesamten Datenverkehr im Netzwerk auf Schadsoftware untersucht, stets auf dem aktuellen Stand ist und regelmässig gewartet wird.

Sogenannte Managed Services entlasten Hoteliers dabei maximal, indem sich der zuständige Partner professionell um die IT-Infrastruktur und deren Sicherheit kümmert. Einen eigenen Sicherheitsbeauftragten einzustellen, lohnt sich für die wenigsten der Betriebe. Noch dazu sind diese Experten sehr gefragt und in der Schweiz schwer zu finden.

Nebst den technischen Schutzmassnahmen gilt es auch die Mitarbeitenden regelmässig zu Sicherheitsthemen zu schulen, um den Hotelbetrieb präventiv vor Angriffen aus dem Netz zu schützen. Denn oftmals gelangen Viren oder Schadsoftware über eine scheinbar harmlose E-Mail-Bewerbung oder eine Reservationsanfrage ins Haus. Im Ernstfall kann ein Angriff schnell teuer werden. IT-Security ist eine Investition in die Zukunft. Daher gilt: Prävention ist besser als Reaktion.


Checkliste: Hilfe im Ernstfall

Was tun, wenn Programme und Daten verschlüsselt worden sind und Hacker Lösegeld fordern?

> Betroffene Systeme vom Internet trennen, damit der Angreifer keinen Zugriff mehr hat und keine weiteren Systeme infiziert werden können. Achtung: PC zwecks Spurensuche nicht ausschalten (auch startet der Verschlüsselungsprozess häufig erst nach einem Neustart).

> Back-ups, falls vorhanden, vom Netzwerk oder System trennen. Nicht dass diese ebenfalls verschlüsselt werden.

> Ruhe bewahren und Kontakt mit einem Experten/IT-Partner aufnehmen.

> Keiner Zahlungsaufforderung nachkommen. Es gibt keine Garantie, dass die Daten anschliessend wirklich entschlüsselt werden. Auch könnten die Erpresser eine zweite, höhere Forderung stellen.

> System neu aufsetzen, um Virus zu entfernen, patchen (Antivirus), Passwörter ändern.

> Back-up machen (falls vorhanden)

> Verschlüsselte Dateien behalten, da diese eventuell später wieder entschlüsselt werden können. Software zum Entschlüsseln für bekannte Angriffe ist zu finden unter www.nomoreransom.org

> Anzeige bei der lokalen Polizeidienststelle einreichen.

Als führendes Telekommunikations- und grösstes IT-Unternehmen der Schweiz bietet Swisscom einen bunten Strauss an individuellen Produkten und Dienstleistungen für Hotelbetriebe. Unter anderem kümmert sich das Unternehmen auch um IT-Infrastrukturen und deren Sicherheit.
swisscom.ch/kmu-sicherheit