Frage: Wir betreiben ein Hotel mit Restaurant im Kanton Graubünden. Viele unserer Mitarbeiter sind Ausländer, weshalb ich auf deren Einnahmen die Lohn-Quellensteuer abrechnen muss. Jetzt habe ich von einer «grossen Quellensteuerreform» gelesen. Worum handelt es sich, welche Auswirkungen hat diese für mich als Arbeitgeber?

Antwort: Vorweg möchte ich festhalten, dass die Änderungen erst ab dem 1. Januar 2021 wirksam werden. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen sollen u. a. die Möglichkeiten für die ansässigen Quellensteuerpflichtigen erhöhen, eine nachträgliche ordentliche Veranlagung zu beantragen. Diese Möglichkeit haben ebenfalls Steuerpflichtige, die der Quellensteuer unterworfen, aber nicht in der Schweiz wohnhaft sind, jedoch einen grossen Teil ihrer weltweiten Einkünfte hierzulande erwirtschaften. Die Neuerungen bzw. Konkretisierungen sind sehr umfassend, weshalb nachstehend nur auf einige wenige Punkte eingegangen wird: [IMG 2]

Natürliche Personen mit steuerrechtlichem Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz
Ausländische Arbeitnehmer ohne Niederlassungsbewilligung (Ausweis C), die in der Schweiz jedoch steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt haben, unterliegen für ihr Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit weiterhin einer Quellensteuer. Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, unterliegen nicht der Quellensteuer, wenn einer der Ehegatten das Schweizer Bürgerrecht oder die Niederlassungsbewilligung besitzt. Die Steuerbehörden bestimmen nach wie vor die anzuwendenden Steuertarife. Als Neuerung führt die Revision die obligatorische nachträgliche ordentliche Veranlagung ein: Personen, die der Quellensteuer unterliegen, werden nachträglich im ordentlichen Verfahren veranlagt, wenn ihr Bruttoeinkommen in einem Steuerjahr einen bestimmten Betrag (CHF 120 000.–) erreicht oder übersteigt oder wenn sie über Vermögen oder Einkünfte verfügen, die nicht der Quellensteuer unterliegen. Der nachträglichen ordentlichen Veranlagung unterliegen auch die Ehegatten dieser Personen, sofern sie mit ihnen in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben.

Personen, die der Quellensteuer unterliegen und keine der Voraussetzungen für die obligatorische nachträgliche ordentliche Veranlagung erfüllen, können auf Antrag hin nachträglich im ordentlichen Verfahren veranlagt werden. Er muss bis am 31. März des auf das Steuerjahr folgenden Jahres eingereicht werden. Zu beachten ist, dass Personen, die keinen Antrag auf nachträgliche ordentliche Veranlagung stellen, keine zusätzlichen Abzüge gewährt werden können, insbesondere in Verbindung mit Beiträgen an die Säule 3a.

Natürliche Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz
Im Ausland wohnhafte Grenzgänger, Wochen- oder Kurzaufenthalter unterliegen für ihr in der Schweiz erzieltes Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit der Quellensteuer, wie es schon jetzt der Fall ist. Diese Personen können neu für jede Steuerperiode bis am 31. März des auf das Steuerjahr folgenden Jahres eine nachträgliche ordentliche Veranlagung beantragen, wenn

▶ der überwiegende Teil ihrer weltweiten Einkünfte (90 Prozent), einschliesslich der Einkünfte des Ehegatten, in der Schweiz steuerbar ist;

▶ ihre Situation mit derjenigen einer in der Schweiz wohnhaften steuerpflichtigen Person vergleichbar ist; oder

▶ eine solche Veranlagung erforderlich ist, um Abzüge geltend zu machen, die in einem Doppelbesteuerungsabkommen vorgesehen sind.

Praktische Auswirkungen
Die Revision der Quellenbesteuerung ver-folgt auch den Zweck, den jüngsten technischen Entwicklungen Rechnung zu tragen (z. B. einheitliches Lohnmeldewesen) sowie die Rechtssicherheit für die Arbeitnehmer und die Schuldner der steuerbaren Leistung zu erhöhen. Die Einführung der nachträglichen ordentlichen Veranlagung, ob obligatorisch oder auf Antrag und auch im Falle der Quasiansässigkeit, muss den betroffenen Arbeitnehmern angemessen vermittelt werden. Wir empfehlen Ihnen, sich rasch mit diesem Thema auseinanderzusetzen, um 2021 gut aufgestellt zu sein.

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