Welchen Tipp geben Sie jungen, aufstrebenden Hoteliers und Hotelières?

Seien Sie mutig und neugierig. Bringen Sie Ihre Ideen ab Tag eins, unabhängig von Ihrer Position, ein und gehen Sie die Extrameile. Durchschnitt reicht in der Hospitality nicht. Wir müssen positiv überraschen, andere und uns selbst, tagtäglich.

Was zeichnet eine sehr gute Hotelière aus?

Sie gestaltet Räume – für Denkpausen und freie Zeit. Das beginnt im Kleinen mit Augenmass und Flair für jedes noch so kleine Detail. Und endet im Grossen mit der Kunst, sein Haus und Angebot stets neu zu erfinden. Gute Hotelières reisen viel und schauen sich um – nicht nur in der Hotellerie, auch in verwandten Umfeldern wie Architektur, Design, Handwerk, Kunst.

Zur Person
Die gebürtige Norddeutsche startete ihre Karriere im Brenner's Park Hotel, Baden-Baden. Nach der Ausbildung an der Cornell University in New York folgten Stationen in den USA, Australien und Hongkong. Mit 28 Jahren war Meike-Cathérine Bambach bereits Direktorin auf Schloss Elmau. 2003 übernahm die zweifache Mutter die Vizedirektion im Hamburger Hotel Louis C. Jacob. Seit 2008 führt sie das Hotel Paradies in Ftan. Zusammen mit «Paradies»-Besitzer und Hotelier Horst Rahe lancierte sie 2017 das Memberclub-Konzept «Il Paradis». Im Sommer kürte das Wirtschaftsmagazin Bilanz die 51-Jährige zur «Hotelière des Jahres».

Was mögen Sie an Ihrer Branche nicht?

Das künstliche Schaffen von Dienstwegen. Es verhindert Kreativität. Mehr Teamgeist, weniger Hierarchien, ist mein Motto.

Was ist das Faszinierende an Ihrem Beruf?

Die Begegnung mit Menschen aus aller Welt und die Chance, so von anderen laufend zu lernen. Und die Unmittelbarkeit der Wirkung unserer Arbeit. Die Gäste signalisieren sofort, ob sie unser Handwerk lieben.

Was wünschen Sie sich für den Schweizer Tourismus?

Jenen Sinn für Qualität, Freundlichkeit und ehrliche Dienstleistungsbereitschaft. Gepaart wieder mit mehr Pioniergeist jenseits eingefahrener Denk-Korsetts.

Wie sieht für Sie ein attraktiver Arbeitsplatz aus?

Ein Ort, wo ich meine Passion und Professionalität ausleben kann – und ein Ort, wo sich Menschen gegenseitig zu Höchstleistungen beflügeln.

Wie begeistern Sie Mitarbeitende für und in Ihrem Betrieb?

Indem ich täglich mit anpacke. Ich lebe vor, was ich von anderen verlange. Und das ist nicht wenig, das ist mir schon bewusst. Das Teilen von Erfolgen, das bringt’s.

Wie sorgen Sie für eine Work-Life-Balance?

Work und Life hängen für mich eng miteinander zusammen und machen Lust und Freude, beidesamt.

Für was würden Sie sich entscheiden: Punk-Musik in einem 5-Sterne-Hotel oder Walzer in einer Jugendherberge?

Walzer in der Jugendherberge – ganz klar. Ich tanze fürs Leben gern. Und bin trotz meiner Karriere in 5-Sterne-Häusern dieser Welt immer bodenständig geblieben.

Was trifft eher zu: orgiastisches Bankett wie bei Asterix oder gesunde Karotten, wie Bugs Bunny sie knabbert?

Asterix ist klar mein Favorit – nicht nur, weil das Werk eine geniale literarische Erfindung ist, sondern auch, weil Obelix insbesondere fürs Leben gerne isst. So richtig schlemmen ist die schönste Nebensache der Welt. Es muss ja nicht immer Wildschwein sein …

Welches Hotel inspiriert Sie?

Viele auf dieser Welt – aber so richtig gefallen tut’s mir in den historischen Trulli-Steinhäusern in Apulien.

Was machen Sie als Erstes, wenn Sie als Gast ein Hotelzimmer betreten?

Die Balkontüre öffnen und die Aussicht inspizieren. Und wenn ich auf eine handgeschriebene Willkommenskarte stosse, freue ich mich über die Zeit, die sich ein stilsicherer Kollege für mich genommen hat.

Welche besondere Fähigkeit würden Sie gerne beherrschen?

Fliegen – oder noch besser «Beamen». Ich würde gerne andere Welten ausserhalb dieses Universums entdecken.

Was wollten Sie als Kind einmal werden?

Hotelière. Nur mein Vater hat mich damals unterstützt. Der Rest der Familie war nicht begeistert.

Was darf auf keinen Fall fehlen, wenn Sie auf Reisen gehen?

Mein Entdecker-Gen. Und meine Hutschachtel.

In wessen Schuhe möchten Sie einen Tag lang schlüpfen?

In jene von Kultmetzgermeister Ludwig Hatecke aus Scuol und von Iris Apfel, US-Mode-Ikone und Innenarchitektin.

Welchen Jugendstreich vergessen Sie nie?

Dafür waren immer meine älteren Geschwister verantwortlich… (npa)