Zu denGewinnern des erstmals verliehenen «Digital Food Awards» zählen Bionär, ein Bauer, der digital sein Land verpachtet, Felfel mit digital-vernetztenKühlschränken mit gesundem Inhalt für Firmen, und Respondelligent, die Kundenbewertungen vonBewertungsplattformen sammeln und den Geschäftsinhabern digital zugänglich machen.

Die Implikationen der Digitalisierung in der Gastronomie werden oft unterschätzt. Die diesjährige «Gourmessee» thematisierte das gesamte Spektrum derDigitalisierung, die Messe fand vom 21.-24. September in der Halle 622 in ZürichOerlikon statt.

Digitaliserung in der Gastronomie – Mut zu Transparenz undStorytelling
Die Gastronomie ist und bleibt ein People-Business. Doch die Chancen und Risiken der Digitalisierungreichen weit über den Horizont zahlreicher Gastronomen hinaus. Eine eigene Webseite zu haben, diese fürSuchmaschinen zu optimieren, Facebook- und Instagram-Accounts zu eröffnen und auch aktiv zu bewirtschaftenund einen Google-Maps Eintrag zu erstellen, bringt manche schon zur Verzweiflung. 

Andere sehen die Digitalisierung als Chance: Kleine Nischenbetriebe bringen Produkte auf den Markt, diegänzliche Nachverfolgbarkeit bis zum Tier oder dem Feld garantieren. Etablierte Player beginnen, neue, globaleMärkte zu erschliessen. Startups sind gestandenen Grossbetrieben plötzlich einen Schritt voraus und profitierenvon der digitalen Chancengleichheit. Betriebe mit den spannendsten, wertigen Geschichten begeistern undüberzeugen Gäste und Kunden plötzlich mehr als der günstigste Preis. Erstmals wurde dieses Jahr für innovative Projekte zu diesem Thema eine Auszeichnung verliehen.

Drei innovative Projekte ausgezeichnet
Stefan Brunner gewann den ersten Preis des «Digital Food Awards». Er vermietet mit seiner App «Bionär» sein Land und hat erkannt, wieman die digitalen Möglichkeiten auf einem Bauernhof nutzt. Über die App «Bionär»können Kunden jederzeit kontrollieren, wie es um «ihr» Gemüse steht, wie es wächstund gedeiht. Das simple und einzigartige Konzept erinnert in seiner Optik anFarmville & Co. und entpuppt sich wortschöpferisch als gelungenen Mix von «bio»und «Aktionär». Dank den digitalen Möglichkeiten im Bereich Direktvermarktung,Erlebnis-Agronomie, Gamificaton und Newsfeed bringt «Bionär» dengenussinteressierten Stadtmenschen und Gastronomen in Kontakt mit seinemregionalen Bauern. Eine nachhaltige und skalierbare Lösung.

Beim zweiten Platz handelt es sich um einen intelligenten Kühlschrank, gespickt mit frischenund feinen Speisen. Im Zürcher Start-Up «Felfel» wird dieKulinarik mit neuerster Technik gepaart. Mit Hilfe elektronischer Daten aus deneigens entwickelten Kühlschränken und den Daten des Abverkaufes kann dasAngebot schnell angepasst und die Produktion individuell gesteuert werden. AuchFoodwaste wird so vermieden. Für den Nutzer von «Felfel» ist das Geniessen seinesfrischen und gesunden Mittagessen leicht gemacht. Bei Felfel bedeutetDigitalisierung Einsatz elektronischer Daten innerhalb der Prozesskette sowieNutzung neuerster Technologien an der Schnittstelle zum Konsumenten.

Das Luzerner Start-Up «re:spondelligent» wurde drittplatziert und widmet sich einer der grösstenHerausforderungen der Digitalisierung: Komplexität. Mit ihrer Aggregator-Lösungkönnen Gastronomen ihren Aufwand massiv verringern, wenn es um die Pflege vonBewertungslattformen, wie TripAdvisor oder Yelp, geht. Mit einem einzigen Login undder gebündelten Darstellung aller Plattformen reduziert sich nicht nur der Aufwand,sondern vielleicht noch wichtiger ist der Effekt, dass die Hürde für Gastronomen, sichmit der Dynamik auf sozialen Plattformen auseinanderzusetzen, stark verringert wird.Der Zusatzdienst, individuelle Antworten auf Nutzerbewertungen zu verfassen, istzudem eine grosse Erleichterung für Betriebe, in denen das Know-How und dieErfahrung dafür fehlt. Mit «re:spondelligent» wird es für Gastronomen einfacher, sichauf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, ohne dabei die immer wichtigerwerdende Bedeutung von sozialen Medien für die eigene Vermarktung zuvernachlässigen. (htr/og)