Frage: Meine Frau und ich führen einen Hotelbetrieb mit Restaurant in Form einer GmbH. Da das Ergebnis in der Vergangenheit nicht den Erwartungen entsprach, konnten wir uns nur einen relativ tiefen Lohn auszahlen. Seit 3 Jahren aber sind die Ergebnisse sehr gut, weshalb wir uns entschlossen haben, unseren versicherten Lohn auf je CHF 150 000 festzusetzen. Jetzt haben wir den Vorsorgeausweis der Pensionskasse erhalten und gesehen, dass wir eine grosse «Lücke» haben bzw. grosses Einkaufspotenzial vorhanden ist. Um unsere Steuerlast zu reduzieren, überlegen wir, über die nächsten Jahre freiwillige Einkäufe in die 2. Säule vorzunehmen. Was halten Sie von diesem Vorgehen? Welchen Einfluss hat der Deckungsgrad der Vorsorgeeinrichtung von aktuell 98%? Was gibt es sonst noch zu berücksichtigen?

Antwort: Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse sind begrenzt. Es muss eine «Vorsorgelücke» bestehen. Einkäufe sind so lange möglich, wie die Summe des bisher angesparten Alterskapitals geringer ist als das Kapital, das sich ergeben hätte, wenn der Versicherte vom frühestmöglichen Zeitpunkt an mit dem heutigen Lohn versichert gewesen wäre. BVG-Einkäufe sollten über mehrere Jahre in einer Steuerplanung berücksichtigt werden. Einzahlungen in die 2. Säule dürfen Sie grundsätzlich vollumfänglich von den Steuern abziehen. Allerdings müssen diese Einzahlungen später beim Kapitalbezug (z.B. Kauf Wohneigentum) versteuert werden – jedoch getrennt vom übrigen Einkommen und zu einem verhältnismässig tiefen Satz. Bei einem Rentenbezug werden diese Einkünfte zusammen mit übrigen Einkünften normal besteuert. Prüfen sollten Sie bei einer freiwilligen Einzahlung in die Pensionskasse nicht nur die steuerplanerischen Elemente, sondern auch, ob sich dadurch die Risikoleistungen verbessern – also jene Leistungen der PK im Todesfall oder bei Invalidität. Falls möglich, ist es besser, wenn Sie in den obligatorischen Teil einzahlen, denn hier gilt nach wie vor der gesetzlich garantierte Mindestzins. Für die Versicherten hat dies zur Folge, dass ihre Gelder im Überobligatorium oft schlechter verzinst werden als das Kapital im Obligatorium. Auch der Umwandlungssatz fällt im Überobligatorium oft geringer aus.

Vor dem Einkauf gilt es, die Qualität und finanzielle Situation der Pensionskasse einzuschätzen. Dies ist anhand von Kennzahlen wie dem Deckungsgrad, dem technischen Zins oder dem Verhältnis von Aktiven zu Rentnern in der Pensionskasse möglich. Für den Durchschnittsbürger ist dies oft nicht einfach. So sind Recherchen nötig; Nachfragen beim Stiftungsrat der Vorsorgeeinrichtung oder eine Beratung können sich hier lohnen. Vorsicht ist in jedem Fall geboten bei Pensionskassen, die sich in Unterdeckung befinden. Sonst droht die Gefahr, dass man eine Sanierung mittragen muss und dass die Gelder davon betroffen sind. Eigentlich empfehle ich, freiwillige Einzahlungen tendenziell nur vorzunehmen, wenn sich der Deckungsgrad einer Kasse wenigstens bei 100% oder mehr bewegt. Der Deckungsgrad sagt aus, dass eine Kasse alle Verpflichtungen vollumfänglich wahrnehmen kann. Wenn der Deckungsgrad unter 100% liegt, ist diese Garantie derzeit nicht gegeben.

Überdies sollten Versicherte keine Einkäufe im Zeitraum von drei Jahren vor der Pensionierung tätigen, sofern ein Kapitalbezug aus dieser Vorsorgeeinrichtung angestrebt wird (Art. 79b Abs. 3 BVG). Diesfalls wird ein Abzug steuerlich nicht akzeptiert, und es erfolgt eine Korrektur durch die Steuerbehörde. Die dreijährige Sperrfrist für Kapitalbezüge aus der Pensi-
onskasse gilt indessen nicht für Einkäufe, die eine wegen einer Scheidung entstandene «Vorsorgelücke» auffüllen sollen. [IMG 2]

Ebenfalls würde ich überlegen, den Maximalbetrag von aktuell CHF 6826 statt in die Pensionskasse in die steuerbegünstigte Säule 3a einzuzahlen. Neu gibt es auch die Möglichkeit von sogenannten «1e-Lösungen». Einzahlungen in diesen «Vorsorgetopf» können ebenfalls steuerlich in Abzug gebracht werden. Vor allem 
aber diversifizieren Sie damit Ihre Risiken auch bei der Altersvorsorge, wozu ich unbedingt rate.

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