Ganze 14 Prozent. So gross – oder so gering – ist gemäss einer aktuellen Mitgliederbefragung von hotelleriesuisse der Anteil der Hoteliers, denen das Förderinstrument Neue Regionalpolitik (NRP) des Bundes ein Begriff ist. Mit 16 Prozent kaum bekannter ist das Förderprogramm Innotour des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Immerhin ein knappes Drittel (32 Prozent) der Befragten hat schon mal etwas von der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) gehört. Angesichts der Tatsache, dass die SGH Kredite namentlich für Beherbergungsbetriebe zur Verfügung stellt, ist allerdings auch dieser Wert tief.

Geht es nach der Netzwerkstelle für Regionalentwicklung Regio­suisse, dürfte sich dies bald ändern. Ein neues Digital-Tool bietet neu eine interaktive Übersicht über die verschiedenen nationalen Förderinstrumente – darunter auch die drei genannten touristischen (siehe unten). «Das Tool ist spielerisch und interaktiv, sodass es Spass macht, mit dem Tool zu arbeiten oder darin zu stöbern», ist Regiosuisse-Webredakteurin Sa­rah Fux überzeugt. Lob gibt es auch vom Seco. Dort erhofft man sich eine Erleichterung für die Nutzer von Förderinstrumenten und sieht in dem Tool einen ­ersten Schritt in Richtung der langfristigen Vision eines «One-Stop-Shops», wie es aus Seco-
Führungskreisen heisst.

NRP, Innotour, SGH: Genügend Mittel vorhanden
Angesichts der geringen Bekanntheit der Förderinstrumente überrascht es nicht, dass viele Gelder aus der laufenden Förderperiode noch ungenutzt sind. Allein im Rahmen der NRP stehen 2016 bis 2019 insgesamt 27 Millionen Franken À-fonds-perdu-Beiträge sowie 113 Millionen Franken für Darlehen für Tourismusprojekte zur Verfügung. Wie viel davon noch verfügbar ist, könne zwar nicht genau beziffert werden, da der Anteil der bisher an Projekte definitiv zugesicherten Mittel von Kanton zu Kanton unterschiedlich ist, so ­Seco-Sprecher Fabian Maienfisch. Es seien aber auf jeden Fall noch genügend Mittel vorhanden. Hinzu kommen die Gelder, die im Rahmen der NRP für das Impulsprogramm Tourismus 2016-2019 gesprochen wurden. Die Summe der noch nicht von den Kantonen beanspruchten Mitteln beträgt 17 Millionen Franken À-fonds-perdu-Beiträge und rund 55 Millionen Franken Darlehen.» Bei Innotour sind für die Förderperiode 2016-2019 aktuell noch rund 4 Millionen Franken nicht ausgeschöpft (Stand Oktober). Auch bei der SGH herrscht keine Geldknappheit: «Es stehen ausreichend Mittel zur Verfügung», bestätigt Direktor Philippe Pasche.

NRP-Projekte müssen Mehrwert für die ganze Destination bringen
Geld für innovative Projekte gibt es offenbar genug – warum sind die Förderinstrumente trotzdem noch so unbekannt? Der Walliser CVP-Nationalrat und Direktor der Schweizerischen Ar­beitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB, Thomas Egger, zeigt sich angesichts der Umfrageergebnisse erstaunt. «Der sehr tiefe Bekanntheitsgrad der NRP und von Innotour überrascht mich sehr. Denn hier stehen zwei Instrumente zur Verfügung, welche der Tourismusbranche helfen können, sich neu zu positionieren und neue Angebote zu entwickeln.» Weniger überrascht ist dagegen Pasche: «Das Problem ist nicht tourismusspezifisch. Das hört man auch aus anderen Branchen immer wieder.» Die Ergebnisse der Umfrage relativiert er aber zum Teil. «Wir stellen fest, dass die SGH in Kantonen mit aktiver Hotelförderung aktiv genutzt wird.» Ausserdem verwiesen die Banken bei Kreditanfragen von Beherbergungsbetrieben meistens auch auf die SGH, sodass die Kunden oft auf diesem Weg mit der SGH in Kontakt kämen.

Was die geringe Bekanntheit der NRP angeht, hat Seco-Sprecher Maienfisch eine eigene Erklärung: «Die Mitglieder von hotelleriesuisse gehören nicht zur primären Zielgruppe der NRP. 
Es erstaunt deshalb nicht, dass 
die befragten Mitglieder dieses Förderinstrument des Bundes grösstenteils nicht kennen. Die Bereiche Gastronomie und Beherbergung eines Hotels sind bei der NRP von einer Förderung ausgeschlossen. Eine Ausnahme bilden wertschöpfungsorientierte Infrastrukturen von hoher regionalwirtschaftlicher Bedeutung, die im Rahmen eines Hotelprojekts erstellt oder erneuert werden.» So gebe es beispielsweise für Wellness-Anlagen, Seminar- oder Kongressinfrastrukturen, Hallenbäder oder Curlinghallen zinslose Darlehen. Diese Anlagen müssten jedoch für die Destination ein zusätzliches Angebot darstellen und allen Gästen der Destination zur Verfügung stehen. «Das Potenzial, eine solche Infrastruktur zu bauen und zu betreiben, besteht erfahrungsgemäss in erster Linie bei grösseren Hotelbetrieben», so Maienfisch.

Ein differenziertes Bild zeichnet Markus Schmid, Präsident des Walliser Hotelier-Vereins. «Die meisten Hoteliers dürften wissen, dass es Förderinstrumente gibt. Jedoch ist es selbst für Fachleute eher schwierig, die verschiedenen Förderinstrumente auseinanderzuhalten, alle Möglichkeiten zu kennen und am Schluss die Projekte gemäss den verschiedenen Anforderungen zu formulieren.» Gerade hier könnte das Regiosuisse-Tool Abhilfe schaffen.

Vorsichtig optimistisch ist auch SGH-Direktor Pasche: «Es ist ein Dauerauftrag, uns bekannt zu machen. Gute Projekte finden heute meistens eine Finanzierung.»


Interaktiv Gesucht, gefunden
Das neue Regiosuisse-Tool «Finanzhilfen für die Regionalentwicklung» gibt Nutzern einen schnellen Überblick darüber, welche Finanzierungen für eine Projektidee infrage kommen. «Das Tool bietet Unterstützung für Personen im Terrain, die für die Realisierung ihrer Ideen ein Förderprogramm suchen», erklärt Sarah Fux, verantwortlich für die Projektkommunikation bei Regiosuisse. «Damit sind insbesondere potenzielle Projektträger der Regionalentwicklung (Unternehmen, Organisationen, Regionen, Gemeinden, Kantone, oder Privatpersonen) gemeint», ergänzt Fux.

Gelistet sind aktuell 24 Förderprogramme des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sowie der Bundesämter für Raumentwicklung (ARE), Landwirtschaft (BLW), Umwelt (BAFU) und Energie (BFE). Der Clou: Das Instrument lässt potenzielle Projektträger nach fünf Kriterien filtern (Projekttyp, Begünstigte, geografische Region, Thema und Unterstützungsart), sodass eine zeitaufwendige Einzelevaluation aller Förderinstrumente entfällt. Sucht man beispielsweise nach einem Kreditgeber für ein touristisches Bauprojekt auf (Berg-)Gemeindeebene, werden einem am Ende lediglich zwei geeignete Instrumente angezeigt (Neue Regionalpolitik NRP und Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit SGH), zu denen man sich mit einem Klick informieren kann. Wer anschliessend im Sinne eines «One-Stop-Shops» ein Unterstützungsgesuch direkt über das Tool erstellen möchte, sucht eine entsprechende Funktion aber vergeblich. «Dies ist momentan nicht das Ziel, denn die meisten Finanzhilfen haben umfangreiche Websites», begründet Sarah Fux die fehlende Funktion. Zunächst gehe es nun darum, weitere Finanzhilfen in das Tool zu integrieren.

SGH-Direktor Philippe Pasche begrüsst das neue Tool auf Anfrage. «Ein interessantes Tool, vor allem wenn es weiter ausgebaut wird und neben den nationalen auch noch die kantonalen und privaten Förderinstrumente miteinschliesst.»

Digital-Tool zu den Finanzhilfen: Regiosuisse.ch/finanzhilfen-fuer-die-regionalentwicklung