Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, heisst es oft. Die Medienbranche funktioniert freilich genau andersherum: Gute Nachrichten sind keine Nachrichten. Und so konzentrieren wir Journalisten uns gerne auf alles, was schlecht ist. Das WEF-Jahrestreffen in Davos bildet da – auch in diesem Jahr – keine Ausnahme. Seit Wochen dominieren kritische Beiträge über angebliche oder tatsächliche Preisexzesse von Davoser Hotels die WEF-Berichterstattung. Konkurrenziert höchstens noch von der Frage, ob der US-Präsident nun wie angekündigt nach Davos kommt – oder eben doch nicht, wie im Drama um die US-Haushaltssperre bald klar wurde.

Nun ist es die zentrale Aufgabe der «vierten Gewalt», über Missstände zu berichten. Im Falle des WEF verschleiern die Negativschlagzeilen jedoch den Blick aufs Wesentliche: Das Jahrestreffen ist eine Erfolgsgeschichte, und die allermeisten Hoteliers sind verlässliche Partner, die sauber mitspielen. Das bestätigen selbst Branchenvertreter, die die hohen Preise öffentlich kritisieren. Mit ihrem Fokus auf die wenigen «schwarzen Schafe» in der Branche tragen die Medien also bis zu einem gewissen Grad zu jenem schlechten Ruf von Davos bei, vor dem sie warnen.

Doch wie schädlich ist die ­Negativberichterstattung tatsächlich? Die Recherche zeigt: Aufregen tut man sich vor allem in Schweizer Medien. In der ausländischen Presse sind die WEF-Preise kaum ein Thema, und wenn doch, dann geht es selten um Übernachtungspreise, sondern um die Kosten der WEF-Mitgliedschaft. Die haben allerdings nichts mit Davos zu tun.

Entwarnung also. Eine Davoser Hôtelière formuliert es treffend: «Wer die hohen Preise am WEF bezahlen kann, für den ist der Zimmerpreis sowieso kein Thema.» Das «Annual Meeting» wird also auch in Zukunft in Davos stattfinden.