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Dossier: Hospitality Summit
Bild: HotellerieSuisse/hospitality-summit.ch

Dossier: Hospitality Summit

Erster Beherbergungskongress der Schweiz

HotellerieSuisse lanciert einen Schweizer Kongress für die gesamte Branche. Der Hospitality Summit findet vom 7. bis 8. September in Zürich Oerlikon statt.

Zusammen mit einer breiten Trägerschaft und unter dem Patronat vom Seco organisiert der Dachverband HotellerieSuisse mit dem Hospitality Summit den ersten  jährlich wiederkehrenden Schweizer Beherbergungskongress. Der Anlass findet vom 7. bis 8. September 2021 in der Halle 550 in Zürich Oerlikon statt.

Premier congrès de l'hébergement en Suisse

Hospitality Summit

SNB-Direktionsmitglied am Hospitality Summit

Andréa M. Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB), wird am Hospitality Summit für Thomas J. Jordan auftreten. Der SNB-Präsident musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.
Andréa Michaela Maechler.
Andréa Michaela Maechler. Bild: © Schweizerische Nationalbank, Zürich (Schweiz) 2021
Bild: © Schweizerische Nationalbank, Zürich (Schweiz) 2021

Andréa M. Maechler, Mitglied des Direktoriums der Nationalbank, ist am 7. September 2021 am Hospitality Summit Keynote-Speakerin. Sie referiert zum Thema «Coronapandemie: Grosse Herausforderung für Wirtschaft und Politik». Wo steht die Schweizer Wirtschaft eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie? Welche Rolle spielen dabei die Geld- und Fiskalpolitik? Dr. Andréa M. Maechler stellt sich diesen Fragen.

Andréa M. Maechler wurde 1969 in Genf geboren. Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften führte sie an die Universität Toronto und anschliessend an das Institut de Hautes Etudes Internationales in Genf, wo sie den Master in International Economics erwarb. Nach einem Studienaufenthalt am Institut de Hautes Etudes en Administration Publique in Lausanne absolvierte sie ihr Doktoratsstudium in International Economics an der University of California in Santa Cruz, das sie 2000 abschloss.

Am Hospitality Summit, dem ersten Kongress der Schweizer Beherbergungsbranche, diskutieren über 70 hochkarätige Referentinnen und Referenten sowie Podiumsgäste über die Zukunft der Branche. Daneben bleibt genügend Zeit, sich endlich wieder live mit Kolleginnen und Partnern auszutauschen. Schutzkonzept: Für den Zutritt braucht es ein gültiges Covid-Zertifikat. Wer keines hat, kann vor Ort kostenlos einen Antigen-Schnelltest machen.
Ort und Datum: 7. und 8. September 2021, Halle 550, Zürich-Oerlikon
hospitality-summit.ch

Zu Andréa M. Maechlers ersten beruflichen Stationen gehören die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) und die Welthandelsorganisation (WTO). Von 1999 bis 2001 arbeitete sie als Ökonomin im Bereich Finanzstabilität der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Zürich. Danach wechselte sie zum Internationalen Währungsfonds (IWF), wo sie verschiedene leitende Funktionen ausübte. Im Rahmen eines vom IWF gewährten Urlaubs war sie von 2012 bis 2014 im Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) in Frankfurt tätig. Nach ihrer Rückkehr zum IWF wurde sie zur Stellvertretenden Leiterin des Bereichs «Global Markets Analysis» ernannt. Zu den Aufgaben dieses Bereichs zählen die Beobachtung der Kapitalmärkte sowie die Einschätzung der Systemrisiken und der makrofinanziellen Implikationen der Kapitalmarktentwicklung.

Per Anfang Juli 2015 ernannte der Bundesrat Andréa M. Maechler als erste Frau zum Mitglied des Direktoriums der SNB. Sie hat auf diesen Zeitpunkt die Leitung des III. Departements (Finanzmärkte, Operatives Bankgeschäft und Informatik) übernommen. Andréa M. Maechler ist Mitglied des Beirats des Instituts für Banking und Finance der Universität Zürich. (htr)

 

Hospitality Summit

«Wir bauen Gesichter auf»

Yaël Meier zeigt Unternehmen, wie sich die Generation Z begeistern lässt. Etwa mit einem Tiktok-Channel. Davon profitieren auch Destinationen wie das Engadin.
Die Unternehmerin Yaël Meier kennt die Bedürfnisse der Generation Z.
Die Unternehmerin Yaël Meier kennt die Bedürfnisse der Generation Z. Bild: Anne Gabriel Jürgens/Photo13
Bild: Anne Gabriel Jürgens/Photo13

Die vielseitig Talentierte weiss, wie die Generation Z tickt – gehört Yaël Meier mit ihren 21 Jahren doch selber dazu. Geboren zwischen 1995 und 2010, sind diese jungen Leute mit Smartphone und Social Media gross geworden. Eine analoge Welt haben sie nie kennen gelernt. Es sind die Fachkräfte und die zahlungskräftigen Kunden der Zukunft. Oft werden diesen sogenannten Post-Millennials Werte zugeschrieben wie Nachhaltigkeit («Generation Greta»), Kreativität und das Streben nach Sinn.

Yaël Meier, wie will die Generation Z ihre Ferien verbringen?

Die Generation Z macht sehr bewusst Ferien. Viele verzichten komplett aufs Fliegen und reisen stattdessen nur noch mit dem Zug. Das ist nicht nur nachhaltiger, die Zugreise bietet gleichzeitig bereits ein erstes Abenteuer. Das zeigt auch gleich, wie man die Jungen heute abholen muss: Will man sie für eine Zugreise begeistern, muss man deren Vorteile für die Lebenswelt der Generation Z aufzeigen und sichtbar machen. Wer weiss, vielleicht wird die «Generation Easy Jet», wie wir ja auch genannt werden, nun die grösste Chance für den Binnen- und Nahtourismus werden.

Und wie müssen sich solche Destinationen präsentieren, um möglichst attraktiv zu sein für die Generation Z?

Ich glaube, es ist wichtig, aufzuzeigen, wie einfach diese Orte zu erreichen sind und was sie alles zu bieten haben. Man muss auf sich aufmerksam machen und sagen, hey, schau mal, da kannst du im Jacuzzi auf der Diavolezza oben planschen und du hast dabei einen wunderbaren Ausblick auf die Engadiner Bergwelt. Und das Ganze kostet dich nur 35 Franken. Tiktok ist DAS Medium, um diese Angebote zu verbreiten, und kann helfen, Trends zu setzen – auch für Destinationen.

«Die Generation Z macht sehr bewusst Ferien. Viele verzichten komplett aufs Fliegen.»

Die Videoplattform Tiktok ist das Medium der Generation Z. Kurze, mit wenig Aufwand gedrehte Videos. Ungeschminkt, nahbar und scheinbar improvisiert...

Ja, gestellte, mit Photoshop bearbeitete Hochglanzbilder ziehen bei dieser Generation nicht mehr. Das bedeutet aber keineswegs weniger Aufwand bei der Produktion! Junge Menschen wollen kurze, authentische und unterhaltsame Videos im Hochformat. Diese zu konzipieren und umzusetzen, ist viel komplexer, als das Ergebnis vermuten lässt. Ausserdem funktionieren Videoformate am besten über eine Protagonistin, was die Aufgabe für Unternehmen natürlich erschwert.

Für die Engadin St. Moritz Tourismus AG haben Sie mit Ihrer Agentur Zeam einen Tiktok-Channel konzipiert. Keine andere Region hat mit ihrem Kanal so viel Erfolg auf Tiktok. Wie gingen Sie vor?

Wir verfolgen keinen klassischen Social-Media-Ansatz, indem wir einfach den Content für ein Unternehmen umsetzen. Wir bauen Gesichter auf. Auf Tiktok ist es entscheidend, dass sich junge Leute mit den Botschaften identifizieren können, dass sie ein Vorbild haben. Denn Menschen folgen Menschen und nicht einem Account. Für das Engadin haben wir Chiara gefunden. Sie stellt eine junge Schweizerin dar, die ins Engadin in die Ferien fährt. Und sie zeigt auf dem Kanal, was für schöne Orte es im Engadin gibt. Wie man dorthin kommt, was es dort zu erleben gibt. Eine junge Frau – aus der Zielgruppe, die selber dorthin gehen würde. Unser Team schreibt den Content für Chiara, und sie reist regelmässig ins Engadin und produziert dort weitere Videos.

Eine zielstrebige Macherin
Yaël Meier ist Unternehmerin, Schauspielerin, Journalistin und Mutter. Seit rund eineinhalb Jahren führt die 21-Jährige zusammen mit ihrem Partner Jo Dietrich die Generation-Z-Agentur Zeam, mit der sie Unternehmen diese Zielgruppe näherbringen. Als junge Stimme in der Business- und Medienwelt zeigt die Überfliegerin das Potenzial der Generation Z. Sie schreibt, postet und podcastet über Ansichten, Träume, Probleme und Lebenswelten junger Schweizerinnen und Schweizer. Sie ist auf der Forbes-Liste «30 under 30» und auf der Linkedin-Liste «Top Voices 2020».
zeam.xyz

Der Channel wurde im März lanciert. Nun hat das Engadin bereits über 7500 Follower. Eine stolze Zahl.

Ja, und es bestätigt unseren Ansatz. Das Spannende daran ist, dass wir im Gegensatz zu allen anderen Agenturen und den meisten Kanälen von Unternehmen auf Tiktok komplett auf bezahlte Reichweite verzichten. Wir haben ein Team von jungen, kreativen Leuten hinter uns, die Tiktok verstehen und auf verschiedenen Kanälen bereits über 2,5 Millionen Follower organisch auf Tiktok aufgebaut haben. Wir haben also den grossen Vorteil, dass wir wissen, wie das funktioniert.

Wie langfristig ist eine solche Kampagne in der Regel aufgegleist?

Es ist immer ein bisschen die Frage, wie lange ein Medium relevant bleibt. Vorerst haben wir mit der Destination einen Jahresvertrag abgeschlossen. Danach schauen wir weiter. Aber ich gehe davon aus, dass Tiktok für die Zielgruppe auch in Zukunft relevant bleiben wird.

Das von Ihnen erwähnte Jacuzzi auf der Diavolezza kommt in einem der Videos mit Chiara vor und wurde von 160 000 Schweizerinnen und Schweizern gesehen. Views sind das eine, Gäste in der Destination das andere. Gibt es diesbezüglich Messinstrumente?

Zurzeit noch nicht. Dank den View-Zahlen erkennt man, wie viele das Video gesehen haben. Doch wie viele Leute wegen des Videos tatsächlich auf die Diavolezza gereist sind, können wir zurzeit noch nicht nachvollziehen. Wir arbeiten diesbezüglich aber gerade an einer super spannenden Case Study mit dem Engadin. Diese sollte spätestens im Herbst publiziert sein.

«Will man eine junge Zielgruppe ansprechen, dann kommt man um Tiktok nicht herum.»

Wo orten Sie die grössten Herausforderungen für ein Unternehmen, um das junge Zielpublikum zu erreichen?

Die grösste Herausforderung liegt darin, dass sich unsere Lebenswelten so schnell verändern. Was vor fünf Jahren galt, ist heute nicht mehr aktuell. Deswegen ist es auch so wichtig, junge Leute mit einzubinden. Um zu verstehen, was sie umtreibt und was sie denken. Denn nur so kann man sie erfolgreich ansprechen.

Sie werden im Rahmen des Hospitality Summit an einem Round-Table-Gespräch teilnehmen, wo es um erfolgreiche Teams geht. Was erwartet die Generation Z von einem Team?

Junge Leute wollen eingebunden sein, und sie wollen mitentscheiden können. Es geht darum, dass man ihnen Verantwortung übergibt, sie ernst nimmt und ihnen zuhört. Starre Hierarchien sind nicht ihr Ding. Sie wollen ihre Vorgesetzten nicht mehr siezen – sie wollen auf Augenhöhe sein mit ihnen.

Wie sorgt man als Unternehmen für diverse Teams?

Ein Unternehmen muss ein Bewusstsein für Diversität entwickeln und sich bewusst für diverse Teams entscheiden. Das fängt bereits bei den Stellenausschreibungen an. Man muss aktiv nach jungen Mitarbeitenden suchen, aktiv nach Frauen, nach Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Hintergründen. Wenn beispielsweise ein Unternehmen keine Bewerbungen von Frauen erhält, dann liegt das nicht an den Frauen. Dann sind ganz einfach die Ausschreibungen einseitig formuliert und nur auf Männer ausgerichtet. Dann fühlen sich Frauen einfach nicht angesprochen. [DOSSIER]

Die Millennials (1980–1995) legten grossen Wert auf Work-Life-Balance und Selbstverwirklichung. Wie unterscheidet sich die Generation Z in ihrer Lebens- und Arbeitshaltung von den Millennials?

Die Generation Z ist ziemlich ambitioniert. Sie will etwas erreichen im Job, sie will ein kompetitives Umfeld. Gleichzeitig wünschen sich die jungen Leute moderne Strukturen mit wenig Hierarchien und viel Flexibilität. Auch in Bezug auf Arbeitszeiten. Ich glaube, das Nine-to-five-Modell muss durchlässiger werden. Hier muss es fliessendere Modelle geben. Es braucht Raum für neue Ideen.


Hospitality Summit
Am ersten Kongress der Schweizer Beherbergungsbranche stehen neben hochkarätigen Speakern, welche die neusten Trends, Entwicklungen und Auswege aus der Krise aufzeigen, diverse Podien auf dem Programm. Was es mit den Schlagworten Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Innovation auf sich hat, beleuchten unter anderem Dr. Stephan Sigrist, Gründer und Leiter von W.I.R.E., Paola Ghillani, Beraterin in Nachhaltigkeitsfragen, und Thomas Kleber, Head of Sorell Hotels. Am Ende des ersten Tages findet die Ehrung des «Hotelier des Jahres 2021» statt.[DOSSIER]

Ort und Datum: 7. und 8. September 2021 in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon. Schnellentschlossene erhalten den 2-Tages-Pass bis zum 31. Juli 2021 zum Early-Bird-Preis. HotellerieSuisse-Mitglieder profitieren von einem besonders attraktiven Preis. Kann der Hospitality Summit aufgrund der epidemiologischen Lage nicht stattfinden, wird der volle Kaufpreis zurückerstattet.

hospitality-summit.ch


Round Table 4.0: Was brauchen und wollen Teams in Zukunft?
Wie sehen künftig erfolgreiche Teams in der Hospitality aus? Diversität und die Bedürfnisse der Generation Z sind dabei wichtige Bausteine. Wie gelingt es, gemeinsam moderne Strukturen zu legen und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und zu entwickeln?

Diese Fragen diskutieren unter anderen Yaël Meier, Mit-Gründerin Zeam, und Zuzana Skarpiskova, Head of Corporate Strategy und Co-Lead Diversity bei Swisscom, am Round Table zum Thema Team 4.0. Der Fokus wird dabei auf folgenden Punkten liegen: Wie kann man Diversität stärken? Wie wichtig ist Teamwork, und wie wirkt sich dieses auf die Arbeitsleistung aus? Welche Anforderungen stellen die Mitarbeitenden an ihr Team? Wie ist der Arbeitsplatz 4.0 ausgestaltet, und wie will das Team 4.0 arbeiten?

Ort und Datum: 8. September 2021, 10.20 bis 11 Uhr, im Rahmen der Breakout-Session 2 in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon.

hospitality-summit.ch/programm

Hospitality Summit

«Alles Mittelmässige wird in Krisenzeiten zerrieben»

Echte Gastfreundschaft sei in Krisen besonders gefragt, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx. Die Branche solle auf Begegnungen zwischen Menschen, Kultur und Natur setzen.
«Krisen legen die Dekadenz von überhitzten Wertschöpfungsketten offen», sagt der deutsche Zukunftsforscher Matthias Horx.
«Krisen legen die Dekadenz von überhitzten Wertschöpfungsketten offen», sagt der deutsche Zukunftsforscher Matthias Horx. Bild: Klaus Vyhnalek, zvg
Bild: Klaus Vyhnalek, zvg
Matthias Horx mit seiner Frau Oona Horx-Strathern, die sich mit Wohntrends beschäftigt.
Matthias Horx mit seiner Frau Oona Horx-Strathern, die sich mit Wohntrends beschäftigt. Bild: Klaus Vyhnalek, zvg
Bild: Klaus Vyhnalek, zvg

Matthias Horx, sollten sich einige Stadthoteliers lieber einen neuen Job suchen?

Nicht unbedingt. Der Städtetourismus wird auf jeden Fall wieder anziehen, aber die Motive der Gäste werden sich verschieben. Klassische Businesshotels werden künftig mehr Mühe haben, weil Firmen nun merken, dass der Austausch auch virtuell ganz gut klappt. Ebenso wird es bestimmte Formen des Massentourismus kaum noch geben.

Zum Beispiel?

Die Europa-in-zehn-Tagen-Gruppentour, wie sie Asiaten oder US-Amerikaner gern gebucht haben. Dieses Segment hat sich aber schon vor der Corona-Krise überlebt. Seit ein paar Jahren nimmt das Bedürfnis nach Reisen zu, die einen Ort nicht nur als reine Kulisse, sondern als Rundumerlebnis entdecken.

Matthias Horx gehört zu den bekanntesten Zukunftsforschern im deutschsprachigen Raum. Der 66-jährige Deutsche veröffentlichte zahlreiche Bücher, zuletzt das Werk «Die Zukunft nach Corona». Horx ist Gründer des «Zukunftsinstituts» mit Sitz in Frankfurt und Wien. Sein Lebensprojekt sei es, die Futurologie zu einer Beratungsdisziplin für Unternehmen, Gesellschaft und Politik weiterzuentwickeln. Als leidenschaftlicher Europäer pendelt Horx zwischen London, Frankfurt und Wien, wo er mit seiner Familie das «Future Evolution House» bewohnt.
zukunftsinstitut.de

Heisst das, die Branche muss ihre Angebote breiter gestalten?

Man kann nicht Co-Working-Space und Wellnessoase gleichzeitig sein. Beliebigkeit kommt selten gut an. Krisen wirken immer wie eine Marktbereinigung. Konzepte, die schon vorher ausserhalb der Trends gelegen haben, geraten noch stärker unter Druck. Die Pandemie werden vor allem spezifische Angebote überstehen. Jung, hip und preiswert. Oder edel, apart und serviceorientiert. Mittelmass wird in Krisenzeiten zerrieben.

Was verstehen Sie unter Mittelmass?

Zum Beispiel die Konzepte von anonymen Hotel-ketten im mittlereren Preissegment, mit mässigem Service, keiner besonderen Gastfreundlichkeit, ohne Design. Es gibt aber bereits heute Hotelketten, die zum Beispiel mit klassenübergreifenden Konzepten auf die Marktveränderungen reagiert haben. Sie bieten einerseits Luxussuiten mit exzellentem Service an, aber auch schön designte Budgetzimmer.

Ein relativ neuer Trend sind Healthness-Hotels, die ein ganzheitliches Angebot mit körperlicher und spiritueller Entspannung sowie medizinischer Vorsorge anbieten. Hat die klassische Wellnessoase ausgedient?

Sie hat auf jeden Fall Konkurrenz bekommen, wegen der Pandemie erst recht. Das Coronavirus hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie anfällig wir sind. Viele Covid-Opfer waren Menschen mit Vorerkrankungen und chronisch Kranke. Umso mehr haben die Menschen nun das Bedürfnis, die eigene Gesundheit aktiv zu stärken und sich nicht nur passiv verwöhnen zu lassen, wie das beim Wellnessen der Fall ist.

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Sie gehen davon aus, dass uns das Coronavirus verändert, dass wir zum Beispiel achtsamer werden. Doch kaum waren die Terrassen offen, strömten die Menschen wieder in Restaurants, weil sie sich wie vor der Pandemie fühlen wollten. Die Sehnsucht nach Spass und Konsum ist ungebrochen.

Konsum wird immer ein Bedürfnis bleiben. Es geht nicht darum, dass sich der Mensch in seinem Wesen verändert, sondern die Systeme, die er erschaffen hat. Krisen sind dafür ideal, weil sie die Dekadenz von überhitzten Wertschöpfungsketten offenlegen.

Das heisst?

Jede Branche hat eine eingebaute Effizienzkrise. Die dauernde Wertschöpfungssteigerung, immer billiger zu sein und immer mehr zu leisten, führt zwangsläufig zu einer teuflischen Trendentwicklung. Wenn jeder für 30 Euro nach Mallorca fliegen kann, dann wird Mallorca irgendwann als Feriendestination zerstört. Krisen bremsen solch fatale Entwicklungen, manchmal können sie diese sogar kappen.

«Das Gute an Krisen ist, dass sie Bewegungen anstossen, die vorher undenkbar schienen.»

Der Overtourismus ist aber auch eine Folge der Nachfrage. Die Leute wollen nun mal um die Welt jetten, Exotik erleben, und das möglichst günstig.

Die Nachfrage wird bleiben, aber die Anliegen von Destinationen, die sich überrannt oder ausgebeutet fühlen, haben dank der Krise mehr Gewicht erhalten. Nehmen wir den Overtourismus in Venedig, hinter dem sehr viele politische und kommerzielle Interessen stehen. Die Pandemie war eine Wohltat für die Venezianer, sie hatten längst keine Lust, die exotische Kulisse für gigantische Kreuzfahrtschiffe zu spielen. Im letzten Jahr haben sich deshalb sehr schnell starke Bürgerinitiativen gebildet, die nun mit den beteiligten Playern über die Zukunft des Tourismus in Venedig verhandeln. Das Gute an Krisen ist, dass sie in vielen Bereichen eine Bewegung anstossen, die vorher undenkbar schien.

Während der Pandemie ist uns teilweise sehr brutal bewusst geworden, wie abhängig wir von menschlichen Beziehungen sind. Wird das unsere Reiseentscheidungen prägen?

Auf jeden Fall. Die Idee des Gastwirts oder der Gastwirtin erlebt in Krisenzeiten oft eine Renaissance. Das heisst: Hotels, die auf eine persönliche Beziehung zum Gast setzen, werden an Popularität gewinnen. Wer sich bei seinen Gastgebern aufgehoben fühlt, kommt immer wieder, das kennen wir ja auch aus dem Privatleben. Ich bin zum Beispiel seit Jahren Stammgast in einem Hotel, weil ich mit dem Gastgeberehepaar befreundet bin.

«Ich sehe in der Schweiz einen qualitativen Tourismus, der aber eine korrupte Grundtendenz hat.»

Wird demnach die viel gepriesene Authentizität im Tourismus noch wichtiger?

Authentizität ist im Grunde nicht anbietbar. Wenn ein Erlebnis echt sein soll, kann man es eben nicht vorher planen und schon gar nicht organisieren. Das ist bloss eine künstliche Inszenierung von Authentizität. Die Hospitality-Branche hat aber einen anderen Trumpf, der besonders jetzt, da wir alle quasi zwangsdigitalisiert wurden, zum Zug kommt.

Nämlich?

Der Tourismus bietet ein enormes Angebot an realen sinnlichen Erfahrungen. Man muss den Sonnenaufgang nicht auf dem Bildschirm betrachten, man kann ihn live vor Ort erleben. Real bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man 12 000 Kilometer fliegen muss, um in die Tropen einzutauchen. Es kann ökologisch viel sinnvoller sein, ein Grossareal in der Ostschweiz zu konzipieren, auf dem man die Tropen möglichst originalgetreu, aber virtuell nachahmt. Dank den ständig wachsenden digitalen Möglichkeiten wird sich hier ein Markt öffnen, der das sinnliche Gästeerlebnis befriedigt und gleichzeitig die Umwelt schont.

Hospitality Summit
Das Programm des Hospitality Summit verspricht zahlreiche Highlights. Am ersten Kongress der Schweizer Beherbergungsbranche diskutieren neben dem deutschen Trendforscher Matthias Horx weitere hochkarätige Speaker die neusten Trends, Entwicklungen und Auswege aus der Krise, darunter Thomas J. Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, und Maud Bailly, CEO von Accor Southern Europe. Am Ende des ersten Tages erwartet die Teilnehmenden die Ehrung des «Hotelier des Jahres 2021».

Ort und Datum: 7. und 8. September 2021 in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon. Für Schnellentschlossene gibt es den 2-Tages-Pass zum Early-Bird-Preis. HotellerieSuisse-Mitglieder profitieren von einem besonders attraktiven Preis.

Kann der Hospitality Summit aufgrund der epidemiologischen Lage nicht durchgeführt werden, wird der volle Kaufpreis zurückerstattet.
hospitality-summit.ch

«Authentizität ist im Grunde nicht anbietbar. Wenn ein Erlebnis echt sein soll, kann man es eben nicht vorher planen.»

Welche Entwicklungen beobachten Sie in der Schweiz?

Ich sehe einen sehr qualitativen, differenzierten und hochpreisigen Tourismus, der aber auch eine korrupte Grundtendenz hat. Wenn ein ausländischer Investor ein Dorf kaufen will, dann ist das finanzielle Interesse grösser als der kulturelle Nutzen. Davon sollte man wegkommen, will man den Tourismus vor Ort nachhaltig gestalten.

Was werden Sie der Branche am Hospitality Summit ans Herz legen?

Nun ja, das Herz. Denn ohne Herzblut bleibt Gastfreundschaft ein leeres Versprechen. Und auch ein paar Gedanken zu den komplexen Wechselbeziehungen im Tourismus. Zu den Beteiligten am Reisen gehören nämlich nicht nur die Stakeholder, sondern auch die Shareholder. Die Menschen genauso wie die Kultur und letztendlich auch die Natur. Sobald eine Verengung auf Funktionalität oder Wirtschaftlichkeit stattfindet, etwa wenn Hotels als reine Spekulationsobjekte gebaut werden, geht das nie lange gut. Schon deshalb sollte der Hospitalitätssektor seinen Namen ernst nehmen – und auf Begegnungen zwischen Menschen, Kultur und Natur setzen.[DOSSIER]

 

Hospitality Summit

«Die Stadt muss sich als Erlebnisraum verstehen»

Für Trendforscher Stephan Sigrist stehen der Schweiz Sicherheitsdenken und Perfektionismus im Weg. Die Tourismusbranche brauche wieder mehr Mut.
Trendforscher Stephan Sigrist.
Trendforscher Stephan Sigrist. Bild: zvg
Bild: zvg

Stephan Sigrist, der Hospitality Summit ist einer der ersten Grossanlässe der Branche, die nach langer Corona-Pause wieder live stattfinden werden. Sind solche Grossanlässe noch zeitgemäss?

Absolut. In einer Krise tendiert man dazu, die kurzfristigen Folgen überzubewerten. Es wäre jedoch ein grosser Fehler, zu denken, dass der direkte menschliche Austausch in Zukunft nicht mehr wichtig sein wird. Mit anderen Menschen zusammenkommen und den anderen «spüren» sind Grundbedürfnisse, die bleiben werden.

Ihr Thinktank W.I.R.E. berät Firmen rund um digitale Transformation und neue Geschäftsmodelle. Welche Dienstleistungen werden seit Ausbruch der Krise besonders nachgefragt?

Corona bringt einen eigentlichen Digitalisierungsschub in die Unternehmen. Wir erhalten viele Anfragen rund ums virtuelle Arbeiten, zur Automatisierung von Prozessen oder Datenprivatsphäre. Viele wollen zudem wissen, was die neue virtuelle Arbeitswelt für die Gestaltung der Büroräumlichkeiten bedeutet und welche Art von Führung jetzt gefragt ist. Auch das Thema Gesundheit spielt im Arbeitsalltag plötzlich eine grosse Rolle. Die Unternehmen sehen sich stärker als zuvor mit den Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeitenden konfrontiert.

«Ich hoffe, dass Schweizer Städte dank Corona den Aussenraum wiederentdecken.»

Stephan Sigrist W.I.R.E.

Bei der Digitalisierung schwingt immer auch die Angst mit, der Mensch könnte irgendwann überflüssig werden. Teilen Sie diese Sorge?

Nein, diese Einschätzung teile ich grundsätzlich nicht. Mehr als 150 Jahre Skalierung und Automatisierung haben gezeigt: Viele Berufe von früher sind zwar verschwunden, gleichzeitig sind aber zahlreiche neue Berufe entstanden. Der Mensch ist nicht überflüssig geworden. Die neuen technischen Möglichkeiten werden viel heisser gekocht, als sie anschliessend tatsächlich gegessen werden.

Zum Beispiel?

Künstliche Intelligenz wird überschätzt. Natürlich kann ein Algorithmus gewisse Aufgaben sehr viel schneller und effizienter lösen als ein Mensch. Aber gerade bei sehr komplexen Fragestellungen stossen diese Systeme schnell an ihre Grenzen. Selbst bei trivialen Dingen, zum Beispiel bei der Interpretation von Handbewegungen am Strassenrand oder der Unkrauterkennung im Garten. Das sind Bereiche, in denen selbst Jobs mit «weniger guten» Ausbildungen nicht so schnell verschwinden werden.

Trotzdem: Die menschliche «Hardware» ist seit Jahrtausenden die gleiche, jene aus Silikon wird laufend leistungsfähiger. Ist es nicht nur eine Frage der Zeit, bis Maschinen sämtliche Arbeiten besser ausführen können?

Vieles spricht dafür, dass ab einem gewissen Komplexitätsgrad auch Maschinen nicht bessere Voraussagen machen können als wir Menschen. Zum Beispiel bei der Vorhersage der Finanzmärkte oder des Wetters. Diese Vorgänge sind auch mit Hochleistungsrechnern nicht simulierbar. Da spielt der Zufall eine zu grosse Rolle, auf den wir spontan reagieren müssen. Das können Menschen mindestens gleich gut wie Computer.

Visionärer Stratege
Stephan Sigrist ist Trendforscher, Autor und Speaker am Hospitality Summit. Der Molekularbiologe ist Gründer und Leiter des Thinktanks W.I.R.E., der seit 2007 neue Entwicklungen, Trends und Innovationen für Organisationen und Entscheidungsträger in strategische Handlungsfelder übersetzt. 2020 hat Sigrist die Future Society Association lanciert, die auf inklusive Innovation setzt.
thewire.chfuturesociety.org

Welche Dienstleistungen und Produkte in der Hospitality-Branche sind nicht wegdigitalisierbar?

Die Frage ist nicht, was technisch machbar ist, sondern wo man mit Technik Nutzen stiften kann. Und das kommt sehr auf die Situation an: Wenn ich an der Réception zwanzig Minuten warten muss und dann unfreundlich begrüsst werde, bevorzuge ich einen Check-in-Automaten, der mich funktional durch den Prozess hindurchführt. In einem 5-Sterne-Hotel hingegen, für das ich viel bezahle und in dem man mich vielleicht bereits kennt, da möchte ich selbstverständlich von einem Menschen bedient werden. Überall dort, wo es um Wertschätzung und Emotionen geht, möchte man auch weiterhin mit Menschen zu tun haben. Das wird auch in hundert Jahren noch so sein – wenn es uns dann noch gibt.

Das Geschäftsmodell von Uber basierte auf der Annahme, dass sich selbstfahrende Autos schnell durchsetzen werden. Das ist bis jetzt nicht geschehen. Sehen Sie andere Modelle im Tourismusbereich, die auf falschen Annahmen basieren?

Uber stolpert nicht nur über die Tatsache, dass die vollautonomen Fahrzeuge noch nicht da sind, sondern auch über die gesellschaftlichen Folgen seines Geschäftsmodells. Der Fahrdienstvermittler dachte, er könne seine Fahrer einfach als selbstständige Unternehmer behandeln. Zumindest im europäischen Kontext haben die Gerichte nun klar entschieden, dass Uber-Fahrer Angestellte sind. Das macht das Geschäftsmodell von Uber unattraktiver. Airbnb ging es ähnlich: Man glaubte, man könne einfach nach Belieben Wohnungen vermieten, ohne irgendwelche Auflagen. Die Folge waren Proteste von Berlin bis Lissabon, weil die Plattformökonomie den Wohnraum verteuerte. Vielerorts wurde Airbnb daraufhin reguliert. Sowohl Uber als auch Airbnb hatten einzig den Kundennutzen im Blick und die gesamtgesellschaftliche Perspektive komplett vernachlässigt. Dafür erhalten sie nun die Quittung.

Programm und Early-Bird
Tickets ab sofort verfügbar. Das Programm für den Hospitality Summit steht. Am ersten Kongress der Schweizer Beherbergungsbranche diskutieren neben Stephan Sigrist zahlreiche weitere hochkarätige Speaker die neusten Trends, Entwicklungen und Auswege aus der Krise, darunter Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, und Maud Bailly, CEO von Accor Southern Europe. Am Ende des ersten Tages erwartet die Teilnehmenden die Ehrung des «Hotelier des Jahres 2021».
Ort und Datum: 7. und 8. September 2021 in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon. Für Schnellentschlossene gibt es den 2-Tages-Pass zum Early-Bird-Tarif. HotellerieSuisse-Mitglieder profitieren von weiteren Vergünstigungen.
Kann der Hospitality Summit aufgrund der epidemiologischen Lage nicht durchgeführt werden, wird der volle Kaufpreis zurückerstattet.
hospitality-summit.ch

In Schweizer Städten poppen immer mehr private Velovermieter und E-Trottinetts auf. Ist dieser Trend nachhaltig?

Auch hier entsteht der Eindruck, dass das Ganze einzig von der technischen Warte aus gedacht ist. Sicher, es gibt einen Bedarf nach schnellen und unkomplizierten Transportmöglichkeiten. Solche Angebote haben ihren Platz in der Stadt der Zukunft, die nicht mehr auto-, sondern menschenbasiert ist. Aber einfach so ohne Rücksprache Tausende Billigvelos in einer Stadt aufzustellen, funktioniert nicht. Vandalismus und Regulierung sind die Folge. Auch hier müssen die Anbieter neben der technischen Machbarkeit weitere Aspekte wie die Lebensqualität und das Stadtbild berücksichtigen. Das nennt man «inklusive Innovation».

Was können uns die Städte nach Corona noch bieten?

Die Stadt hat ein riesiges Potenzial. Dazu muss sie sich jedoch nicht als blosse Infrastruktur verstehen, sondern als Erlebnisraum. Eine lebenswerte Stadt muss die Gesundheit ihrer Einwohnerinnen und Einwohner im Alltag fördern. Und zwar nicht über den Konsum, also durch den Gang ins Fitnesszentrum oder den Kauf eines Proteinshakes, sondern durch die Nutzung des gesamten Stadtraums. Corona ist in diesem Kontext spannend: In der Übergangsphase werden wir sehr viel mehr Zeit im Freien verbringen. Die Schweiz pflegte bisher einen eher zurückhaltenden und langweiligen Umgang mit dem öffentlichen Raum. Ich hoffe, dass Schweizer Städte dank Corona den Aussenraum wiederentdecken.

Was ist Ihre wichtigste Message, die Sie der Branche am Hospitality Summit mitgeben wollen?

Ohne Mut kommt man heute nirgends mehr hin. Die Schweiz hat in der Vergangenheit viele Pioniertaten geleistet, etwa bei der Erschliessung der Rigi – ohne Maschinen, dafür mit Ross und Esel – oder beim Bau des Gotthardtunnels. In den letzten Jahren dominierten dagegen die Sicherheitsorientierung und der Perfektionismus, der Mut ging etwas verloren. Das grössere Bild im Blick zu behalten, sich für etwas einzusetzen und es auch gegen Widerstände durchzuziehen – das ist die Schweiz, die ich mir wünsche. Und das wäre auch eine Schweiz, die sich im internationalen Tourismus stark positionieren könnte. Nicht, indem man das nachmacht, was alle anderen auch machen, sondern indem man seinen eigenen Weg geht.

Version française[DOSSIER]

patrick timmann

Branchenevent

Hospitality Summit: Raus aus der Krise – rein in die Zukunft

Noch immer diktiert Corona das Leben. Dies betrifft auch den Hospitality Summit. Der für dieses Jahr neu lancierte Anlass findet nun am 7. und 8. September statt.
Der neue Schweizer Beherbergungskongress findet in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon statt. Das ehemalige Industriegebäude ist äusserst grosszügig bemessen.
Der neue Schweizer Beherbergungskongress findet in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon statt. Das ehemalige Industriegebäude ist äusserst grosszügig bemessen. Bild: zvg
Bild: zvg
Andreas Züllig.
Andreas Züllig. Bild: Miriam Schwarz
Bild: Miriam Schwarz

Es geht um die Zukunft, es gilt den Blick nach vorne zu richten. Und dies ist nur zu erreichen, wenn die Branche sich gegenseitig stärkt. Genau diesem Gedanken ist der Hospitality Summit verpflichtet, der am 7. und 8. September 2021 in der Halle 550 in Zürich-Oerlikon stattfinden wird. Der neue Anlass von HotellerieSuisse, der ursprünglich am 15. und 16. Juni 2021 geplant war und nun aufgrund der coronabedingt unsicheren Situation in den Frühherbst verschoben wird, soll in Zukunft zu einem jährlichen Fixpunkt werden.

Der neue Schweizer Beherbergungskongress bündelt oder ersetzt bis anhin übers Jahr verstreute Veranstaltungen von HotellerieSuisse in anderer Form. So etwa den Tag der Hotellerie oder den Hotelmarketingtag. Auch die Sommerdelegiertenversammlung von HotellerieSuisse wird im Rahmen des Hospitality Summit stattfinden. Weiter wird mit der Galaveranstaltung «Hotelier des Jahres» auch ein gesellschaftlicher Höhepunkt geboten.

Partner werden
Der Hospitality Summit bietet Unternehmen eine ideale Plattform dafür, der Schweizer Beherbergungsbranche ihr Angebot zu präsentieren und gleichzeitig ihr Netzwerk zu pflegen. Über 60 Partner bringen sich bereits aktiv ein und werden den Anlass mit ihren unterschiedlichen Branchenkompetenzen bereichern. Nun sind noch letzte Plätze frei. Es stehen verschiedene Partnermodelle zur Auswahl. Anfragen zu den verschiedenen Möglichkeiten sind zu richten an: hospitality-summit[at]hotelleriesuisse.ch

Gemeinsam aus der aktuellen Krise finden
Bei der erstmaligen Durchführung des Hospitality Summit liegt der Fokus ganz klar auf der Frage: Wie kommt die Branche aus der aktuellen Krise?  Welche Strategien helfen nun, um attraktive Angebote zu schaffen und aufzuspüren, wohin sich der Tourismus und die Hotellerie entwickeln sollen?

Diese Fragestellungen stehen im Zentrum aller Veranstaltungen, die um allgemeingültige Themen wie Kooperationen, Digitalisierung, Innovation und Nachwuchsförderung kreisen, die nun durch die Krise noch an Bedeutung gewonnen haben.

Von grosser Brisanz werden auch die beiden Themenbereiche Stadthotellerie, Messen und MICE sein, die durch die Corona-Pandemie besonders hart getroffen wurden. Hier wird es in Podiumsdiskussionen um die Frage gehen, wie sich Stadtbetriebe in Zukunft ausrichten können und wohin sich das Messen- und MICE-Geschäft entwickeln soll.

Eine solide finanzielle Basis wird noch existenzieller
Die Liquidität und die finanziellen Mittel haben im Laufe dieser noch andauernden Krise immer mehr an Bedeutung gewonnen. Umso wichtiger werden auch in Zukunft eine solide finanzielle Basis und nachhaltiges Wirtschaften sein. Dieser Themen sowie der kurz-, mittel- und langfristigen Finanzplanung nimmt sich das Finanzforum mit verschiedenen Diskussionen, Podien und Foren an.

Ein Thema, das sich neben dem Gemeinschaftsgedanken und der Digitalisierung konstant durch die zweitägige Veranstaltung ziehen wird, ist Innovation. Einerseits wird der Frage nachgegangen, wie Innovation entstehen kann, und andererseits wird aufgezeigt, wie HotellerieSuisse im Rahmen des Hospitality Booster innovative Projekte fördert. 

NextGen
Junge, findige Köpfe gesucht In Zusammenarbeit mit dem Swiss Economic Forum hat HotellerieSuisse ein NextGen Hospitality Camp lanciert. Während fünf Tagen – von 3. bis 8. September – erarbeiten 30 Nachwuchskräfte aus der Branche drei Projekte. Am 8. September präsentieren die jungen Erwachsenen die Resultate im Rahmen des Hospitality Summit. Das Camp ist kostenlos, die Hauptsprache ist Deutsch. Die Cases werden in der Jugendherberge Brienz und Zürich erarbeitet. Das Angebot richtet sich an motivierte Studierende und Lernende zwischen 18 und 23 Jahren, die mit ihrem Wissen und ihrer jugendlichen Perspektive die Branche begeistern wollen. Interessierte melden sich bis Ende Mai unter folgendem Link: hotelleriesuisse.ch/de/nextgen

Ganz besonders im Fokus des Hospitality Summit steht auch die Nachwuchsförderung, hat doch die Branche im letzten Jahr nicht gerade an Attraktivität gewonnen. Zu unsicher scheint die Situation in vielen Betrieben zu sein. Wie geht es weiter, geht es überhaupt weiter? Das sind Fragen, die beschäftigen. Da ist es nur verständlich, dass die Hotel- und Gastroberufe bei Schulabgängern nicht zuoberst auf der Liste stehen. Umso wichtiger ist es, dass sich die Branche nun für die Nachwuchskräfte einsetzt und Möglichkeiten aufzeigt. So wird etwa die Zukunft der Berufsbildung beleuchtet und über zukünftige Karrieremöglichkeiten diskutiert. Zudem präsentieren 30 Nachwuchskräfte drei Projekte am Hospitality Summit, die sie innerhalb von fünf Tagen gemeinsam erarbeitet haben (vgl. Box NextGen).

Ganz im Sinne der Veranstaltung, das Augenmerk nun vermehrt auf die Zukunft zu legen, werden diverse Zukunftsszenarien beleuchtet. So diskutieren etwa Hotelièren und Hoteliers in einem gemeinsamen Talk über nächste Schritte, in moderierten Gruppen werden Lösungen für die Zukunft erarbeitet, und in Referaten und Diskussionen zeigen Zukunftsforscherinnen und Experten, wohin die Zukunft gehen kann und muss.

Unterschiedliche Formate in unterschiedlichen Räumen
Das reichhaltige Programm können die Teilnehmenden in unterschiedlichen Formaten konsumieren und sich inspirieren lassen.  Der Auftakt in den Hospitality Summit etwa findet im Plenum statt, danach sind die diversen Optionen in verschiedenen Räumen der grosszügigen Halle 550 angesiedelt. Ein zentraler und wichtiger Treffpunkt wird die Netzwerkarena sein. Neben dem persönlichen Austausch finden auf der dortigen Bühne kurze Interviews mit Persönlichkeiten aus der Branche statt. Wiederum im Plenum werden Interviews, Referate und Podiumsdiskussionen ausgetragen.

Wann:7. und 8. September 2021
Wo:Halle 550, Zürich-Oerlikon
Wer:Entscheidungsträger von heute und morgen
Was:Wie findet die Branche aus der Krise

Tickets und Programm ab 6. Mai 2021 unter:
hospitality-summit.ch


Nachgefragt

Andreas Züllig, Präsident von HotellerieSuisse und Gastgeber Hotel Schweizerhof, Lenzerheide.[IMG 2]

Der Hospitality Summit findet nun am 7. und 8. September 2021 statt. Ist es nicht etwas gar mutig, einen solch grossen Anlass zu fixen?
Ich denke, wir können nun optimistisch sein dank den flächendeckenden Tests und der Impfstrategie, die bis dahin weit fortgeschritten sein wird. Wir gehen davon aus, dass es im September möglich sein wird, sich im grossen Rahmen zu treffen. Aber natürlich gibt es keine Garantie.

HotellerieSuisse bündelt mit dem Hospitality Summit diverse, bis anhin übers Jahr verteilte Events. Was versprechen Sie sich davon?
Wir haben festgestellt, dass mit den vielen kleinen Anlässen und Events ein Überangebot besteht. So sind wird zum Schluss gekommen, die Veranstaltungen zu bündeln und so eine Konzentration zu erzielen. Zudem können wir mit einem zweitägigen Event ganz andere Angebote umsetzen und verschiedene Bedürfnisse abdecken.

Die Branche wurde durch die Pandemie schwer gebeutelt. Was kann und soll der Summit bewirken?
Der zweitägige Anlass soll inspirieren und Wege aus der Krise aufzeigen. Es gilt nun, uns verstärkt mit der Zukunft zu beschäftigen und weniger auf die Gegenwart und deren Schwierigkeiten zu fokussieren. Dabei spielen Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit eine grosse Rolle. Aber wir wollen auch Raum für Austausch und Begegnung bieten. Es ist wichtig, dass wir uns wieder analog treffen und austauschen können. Darauf haben wir nun lange verzichten müssen.

Die Stadthotellerie und das MICE-Geschäft werden unter anderem im Fokus stehen. Was dürfen Teilnehmende diesbezüglich erwarten?
Sicherlich dürfen Teilnehmende Best Practice und neue Lösungsansätze erwarten. Es wird in dem Bereich Veränderungen geben, aber es werden sich auch Chancen bieten. Virtuelle und digitale Meetings werden mit Sicherheit an Bedeutung gewinnen. Aber nichts wird die direkte Begegnung ersetzen.

Der Nachwuchs wird unter anderem mit dem NextGen Hospitality Camp angesprochen. Wird es in Zukunft noch schwieriger, den Nachwuchs bei der Stange zu halten?
Es ist zumindest eine Gefahr, die besteht und die wir ernst nehmen müssen. Das Bild von der Hotellerie und der Gastronomie, das im letzten Jahr in der Öffentlichkeit entstanden ist, wird zurzeit Jugendliche sicherlich eher abschrecken. Da liegt es an uns, Schnupperkurse und Lehrstellen anzubieten. Und wir müssen den Jugendlichen zeigen, dass wir in einer sinnstiftenden und zukunftsweisenden Branche tätig sind. Dazu kann der Hospitality Summit sicherlich auch seinen Beitrag leisten.

Wird das Covid-19-Virus die Hospitality-Branche nachhaltig verändern?
Es wird zu Veränderungen kommen. Doch ein grosser Teil des Business wird zurückkehren, denn Reisen wird ein Bedürfnis bleiben. Man wird in Zukunft wahrscheinlich etwas weniger reisen, dafür aber längere und nachhaltigere Aufenthalte planen. Auch geschäftliche Meetings – kleiner und individueller zwar – werden weiterhin von Bedeutung sein.