Der Tourismusgipfel vom Sonntag, 26. April, liess Hoffnung aufkommen. Zusammen mit Branchenvertretern tauschte sich der Bundesrat über die drängenden Probleme der Branche aus. Am Mittwochnachmittag dann ein lange herbeigesehnte Bescheid: Gastronomiebetriebe können ab 11. Mai wiedereröffnen - unter bestimmten Bedingungen. Davon wird auch die Hotellerie profitieren, sind doch die externen Restaurant- und Barbesucher ein wichtiger Einnahmezweig für viele Hotels.

Die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sprach einen weiteren entscheidenden Punkt an. Sie betonte explizit, dass es Schweizerinnen und Schweizern erlaubt sei, im Sommer und Herbst Ferien zu machen – in der Schweiz. Diese Botschaft stimmt viele Hoteliers zuversichtlich, waren sie doch mit der Befürchtung konfrontiert, nach der Wiedereröffnung ihres Betriebes ohne Gäste dazusitzen.

Eine gute Ausgangslage, um Distanz zu wahren
So etwa Franziska Richard. Sie führt in Adelboden das 4-Sterne-Superior-Haus Bellevue Parkhotel & Spa. Sie beabsichtigt, ihr Hotel am 11. Juni wieder zu eröffnen. Zurzeit stehen die Zeichen dafür gut. Sehr erleichtert und erfreut ist sie über den Beschluss des Bundesrates, dass Wellnessanlagen in Hotels seit dem 27. April für Hotelgäste wieder offen sein dürfen. Diese beiden Faktoren geben ihr nun schon viel mehr Planungssicherheit und Zuversicht. Sie ist überzeugt, dass die Schweizer genug haben vom trauten Heim und sich danach sehnen, rauszugehen und verwöhnt zu werden.

[IMG 2] Franziska Richard ist grundsätzlich optimistisch. Ihre Gäste stammen zu 90 Prozent aus der Schweiz. Zudem liegt das «Bellevue», das über einen grossen Garten verfügt, inmitten einer wunderbaren Berglandschaft, die viel Potenzial zum Wandern bietet. Entscheidend sei nun eine empathische und zugleich intensivierte Kommunikation gegenüber dem Gast; dies über ihren Newsletter, die sozialen Medien und ein Printprodukt. «Die Reiselust können wir nur wecken, wenn der Bundesrat mitzieht und das Zuhausebleiben nicht doch die bessere Option ist.»

Vorfreude wecken und Sicherheit vermitteln
Dass der Kommunikation eine ganz wichtige Rolle zukommt in der aktuellen Situation, unterstreicht auch Gabriele Bryant. Sie empfiehlt, so rasch wie möglich mit der Kommunikation zu beginnen, etwa mit Social-Media-Storytelling, Infonewslettern, eventuell auch mit Google-Adwords- oder Facebook-Anzeigen. «Man sollte jedoch nicht nur mit Angeboten oder Buchungsaufforderungen arbeiten, sondern bei den Gästen Vorfreude wecken und Sicherheit vermitteln. Zudem empfiehlt sie auf der Startseite der Website das Schutzkonzept des Hotels kurz zu beschreiben, ohne klinisch zu werden, und ein Gefühl zu vermitteln von: «Keine Sorge – wir haben es im Griff und schützen Sie und unsere Mitarbeitenden.»

Ausführliche Information zum Schutzkonzept
Genauso kommuniziert das Grand Resort Bad Ragaz, das am Freitag, 1. Mai, mit eingeschränktem Angebot starten wird. Bezüglich Sicherheit und Schutzkonzept hat das Resort eine ausführliche Gästeinformation auf der Website aufgeschaltet. Dabei wird das Schutzkonzept im Detail erläutert und aufgeführt, welche Einrichtungen wie und wann geöffnet haben. «Aufgrund des eingeschränkten Angebotes gewährt das Grand Resort Bad Ragaz den Gästen 25 Prozent auf die aktuellen Tagesraten der gewünschten Zimmerkategorie», sagt Claudia Herkert-Derungs, Director of Marketing & Sales & PR.

«Welche weiteren Bereiche sich zur Öffnung für externe Gäste eignen, können wir erst evaluieren, wenn wir die genauen Fakten des Bundesrates zur weiteren Lockerung des Lockdown kennen», sagte Claudia Herkert-Derungs noch vor den jüngsten Entscheidungen der Regierung.

So geht es auch Roger Filliger, der in Engelberg das 4-Sterne-Hotel Bellevue-Terminus führt und betreibt. Der Hotelier hat eine Wiedereröffnung des Betriebs auf Anfang Juni ins Auge gefasst. Den genauen Zeitpunkt macht er jedoch davon abhängig, wann die Bergbahnen wieder in Betrieb genommen werden. Und auch davon, wann die Restaurants für externe Gäste geöffnet werden können. «Bevor ich ein entsprechendes Konzept erarbeite, werde ich abwägen müssen, ob ein Betrieb des Restaurants Yucatan unter Berücksichtigung der BAG-Vorschriften sinnvoll umgesetzt werden kann und ob die Gäste unter diesen Bedingungen überhaupt kommen wollen», sagt Roger Filliger, der in seinem Restaurant sehr viele Einheimische und Stammgäste bewirtet.

Das Hygienekonzept in der Küche umzusetzen, da sieht er hingegen keine Probleme: «Die Hygiene ist in der Küche eh schon unser täglich Brot.» Grössere Probleme ortet er jedoch darin, die Distanzregeln einzuhalten. «Unsere Mitarbeitenden sind ständig in Bewegung, da wird es unweigerlich zu ‹Berührungspunkten› kommen, so der Inhaber und Gastgeber. Das Hotel Schweizerhof & Spa Bern macht die Wiedereröffnung ebenfalls stark davon abhängig, wann die Restaurationsbetriebe wieder öffentlich zugänglich sein dürfen. Die Eröffnung des Hotels erfolgt schrittweise. Zuerst Bereiche des Spa – per 27. April – danach die Jack’s Brasserie und die Sky Terrace. Erst danach wird das Übernachtungsgeschäft in Betrieb genommen, da davon auszugehen ist, dass die internationale Nachfrage während des Sommers sehr tief bleiben wird. Genaues Abwägen ist auch bei der SV Group angesagt – wöchentlich werden zurzeit Eröffnungstermine für die Hotels geprüft. Dabei richtet sich die Gastronomie- und Hotelmanagement-Gruppe mit Betrieben in der Schweiz, Deutschland und Österreich nach den Regelungen des Bundes und stimmt diese auf Umsatzprognosen, Kostenstruktur und Standardpotenzial der jeweiligen Hotels und Gastrobetriebe des Unternehmens ab.

Es funktioniert auch mit Hygiene- und Distanzregeln
Der «Glockenhof» in Zürich hingegen ist einer der wenigen Betriebe, die während des Lockdown ununterbrochen geöffnet hatten. Hotelier Matthias Sutter und sein zurzeit sehr kleines Team haben die Hygiene- und Distanzmassnahmen rasch verinnerlicht. Und für Pfingsten hat der Hotelier nun ein Halbpension-Package lanciert. «Wenn ich an diesem Wochenende drei bis vier Zimmer verkaufe, bin ich schon glücklich», so der Hotelier. Die Zimmerpreise bleiben auf Stand vor Corona, im Restaurant wird er gewisse Gerichte preislich etwas nach oben anpassen.

Die nächste Herausforderung für Matthias Sutter wird die Eröffnung der beiden Restaurants für externe Gäste sein: «Hauptsache, wir können starten. Alles andere ergibt sich dann.»


Nachgefragt: Adrian Stalder

Die Gastronomie darf am 11. Mai wieder starten. Sind die Gäste bereit?

Auf jeden Fall: Ich bin überzeugt, dass ein grosser Nachholbedarf besteht. Man will sich nach der langen Zwangspause wieder etwas leisten, das der Seele guttut. Der Mensch sucht den sozialen Umgang mit anderen Menschen – auch wenn dieser mit zwei Metern Distanz stattfinden muss. Viele werden den direkten Austausch der leeren Stube zu Hause vorziehen. Dafür ist unsere Branche da! [IMG 3]

Zwei Meter Abstand, Schutzmasken, Plexiglasabtrennungen. Das klingt alles nicht sehr gemütlich. Wie lässt sich trotz diesen Massnahmen eine möglichst gastfreundliche Atmosphäre schaffen?

Freundliche Worte und sympathische Gesten der Mitarbeitenden helfen und tragen zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Ein Lächeln ist trotz Tragen einer Gesichtsmaske zu erkennen.

Viele Hotels schlossen aufgrund des Lockdown. Nun geht es wieder langsam an die Wiedereröffnungen. Wie wird das Geschäft anlaufen?

Die Stadt- und die Resort-Hotels mit einem grossen Anteil an Gästen aus Übersee werden dafür sicher mehr Zeit benötigen als etwa Ferienhotels in Graubünden oder im Tessin, die mit einem grossen Anteil an Schweizer Gästen gearbeitet haben. Doch auch hier wird die Kompensationslust viele Gäste motivieren, sich etwas Gutes zu tun.

Adrian Stalder ist selbstständiger Berater und Coach für kleine und mittelgrosse Hotellerie- und Gastronomiebetriebe. Zudem ist er als Buchautor, Kolumnist und Dozent tätig.
stalderprojects.ch

Nun sind Schweizer Gäste gefragt. Welche Hotels sind da besser aufgestellt?

Wer in den Ferienhotels über die letzten Jahre Schweizer Stammgäste gepflegt und aufgebaut hat, wird jetzt verdienterweise profitieren können. Diese Gäste werden «ihr» Hotel sicher bewusst unterstützen. Ich gehe davon aus, dass dies in kundenfokussierten und persönlich geführten Stadt-Hotels ähnlich sein wird. Für Hotels, die sich bisher vor allem über Basisfähigkeiten positioniert haben, werden die bekannten OTA-Portale Türöffner sein. Über den Preis halt.

Welche Langzeitwirkungen wird die Corona-Krise Ihrer Meinung nach auf Hotellerie und Gastronomie haben?

Ich bin da grundsätzlich positiv. Die Krise wird helfen, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Ich bin überzeugt, dass die Guten der Branche sich jetzt noch bewusster auf eine klare Positionierung und Differenzierung konzentrieren. Das Leben geht weiter, und wir alle haben Lust darauf!


Mit einer umfassenden Prävention können Gäste und Mitarbeitende geschützt werden. Eine nicht abschliessende Auflistung:

Management
Einen Corona-Verantwortlichen im Betrieb bestimmen. Eigenes Betriebskonzept und Aktionsplan erstellen. Infomaterial für Mitarbeitende und Gäste erstellen und produzieren. Mitarbeitende schulen.

Öffentliche Räume
Eingangsbereich für Gäste und Mitarbeitende definieren. Plakate und Desinfektionsmittel am Eingang sowie in öffentlichen Räumen bereitstellen. Bodenmarkierungen zur Einhaltung des Abstandes anbringen. Keine Zeitschriften und Magazine auflegen. Regelmässig lüften.

Frontoffice
Falls möglich und notwendig, Trennscheiben und Bodenmarkierungen anbringen. Gäste briefen und «Resort-Bändeli» abgeben.

Housekeeping
Keine persönlichen Gegenstände des Gastes berühren, keine Zeitschriften und Magazine im Zimmer auflegen, evtl. Mundschutz und Handschuhe benutzen. Dem Gast Verzicht auf tägliche Reinigung anbieten.

Restauration
Markierungen bei Eingangsbereich, Abstände zwischen den Tischen erhöhen (min. 2 m), Sitzabstände vergrössern, pro Tisch max. fünf Personen oder zwei Meter Abstand zwischen zwei Personengruppen am selben Tisch (Personen aus dem gleichen Haushalt ausgenommen). Verzicht auf Buffet, nach Möglichkeit keine Selbstbedienung bei Getränken. Wenn möglich keine offenen Lebensmittel servieren.

Die komplette Liste: hotelleriesuisse.ch/wiedereroeffnung

Bernadette bissig