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Dossier: Fair-Preis-Initiative
Bei der Einreichung der Fair-Preis-Initiative im Dezember 2017 (v.l.): C. Hans, E. Fassbind, T. Kübli, A. Köchli Stoffel, A. Züllig, M. Schmid, K. Gerster, E. Neeracher, A. Hartlieb.
Bild: Yanik Gasser
Bild: Yanik Gasser

Dossier: Fair-Preis-Initiative

Fair-Preis-Initiative

Mit der Initiative «Stopp der Hochpreisinsel – für faire Preise» – die sogenannte Fair-Preis-Initiative – nimmt hotelleriesuisse diesen Kampf zur Kostensenkung zusammen mit zahlreichen anderen KMU-Verbänden für seine Mitglieder auf.

Die Beherbergungsbranche steht als Teil der Exportindustrie im direkten Konkurrenzkampf mit dem restlichen Europa. Im Gegensatz zu anderen KMU der Exportindustrie haben die Hoteliers nicht die Möglichkeit, ihre Unternehmen ins Ausland zu verlagern, um wettbewerbsfähig zu bleiben – und das obwohl die Mehrheit ihrer Kunden Gäste aus dem Ausland sind.

Die Hotelbetriebe unterliegen den in der Schweiz geltenden Bedingungen für Löhne und Betriebsausgaben. Eine der wenigen Möglichkeiten, ihre Kosten namhaft zu senken, besteht im Einkauf von Produkten und Dienstleistungen. Für das Gastgewerbe sind diese Vorleistungen in der Schweiz bis zu 200 Prozent teurer als in unseren Nachbarländern.

Fair-Preis-Initiative

Aus Sicht der Initianten ein Schritt in die richtige Richtung

Der Bundesrat hat am Mittwoch den indirekten Gegenvorschlag zur Fair-Preis-Initiative in die Vernehmlassung geschickt. Die Initianten werten den Gegenvorschlag als einen Schritt in die richtige Richtung.
Bild: Montage htr/cb
Bild: Montage htr/cb

Der Bundesrat veröffentlichte am Mittwoch seinen indirekten Gegenvorschlag zur Fair-Preis-Initiative, weil ihm die Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise (Fair-Preis-Initiative)» zu weit ging.

Mit der Gegenvorschlag sieht vor, das Kartellgesetz (KG) zu ändern, so dass relativ marktmächtige in- und ausländische Unternehmen unter bestimmten Umständen verpflichtet werden können, Unternehmen aus der Schweiz auch über Lieferkanäle im Ausland zu beliefern. Dadurch sollen die Möglichkeiten für Parallelimporte geschaffen und folglich der Wettbewerb gestärkt werden, wie die Parlamentsdienste schreiben.

Die Initianten der Fair-Preis-Initiative begrüssen zwar, dass der Bundesrat ihr Kernanliegen aufnimmt und endlich gegen die ungerechtfertigten Schweiz-Zuschläge vorgehen will. Jedoch greift der vorliegende Vernehmlassungsentwurf nicht alle Forderungen der Initianten auf.

Ihrer Meinung nach würde der Bundesrat auf eine konsequente Anwendung des Konzepts verzichten. So sollen die für marktbeherrschende Unternehmen geltenden unzulässigen Verhaltensweisen nicht auf relativ marktmächtige Unternehmen übertragen werden (Art. 7 KG). Damit schränke er die Bekämpfung des Missbrauchs unnötig ein.

Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, hält fest: «Die Initianten bedauern, dass der Bundesrat auf ein umfassendes Behinderungsverbot verzichtet. Unternehmen und Konsumenten sollen schliesslich bestmöglich vor missbräuchlichen Schweiz-Zuschlägen geschützt werden.»

Leider geht der Bundesrat nicht auf die Forderung ein, die Diskriminierung von Nachfragern aus der Schweiz bei Bestellungen im Internet zu unterbinden. Hier fordert Prisca Birrer-Heimo eine Nachbesserung: «Die Initianten erwarten von Bundesrat und Parlament, dass sie ebenso entschieden gegen diese Preisdiskriminierungen vorgehen und das offensichtliche Problem des Geoblockings nicht weiter auf die lange Bank schieben. Denn im internationalen Warenhandel nehmen die digitalen Plattformen eine immer wichtigere Stellung ein.»

Entgegen der Haltung des Bundesrates seien die Initianten davon überzeugt, dass die Schweiz ein Verbot von Geoblocking durchsetzen kann, notfalls mittels Sanktionen.

Roland Goethe, Präsident des Wirtschaftsverbandes Swissmechanic, der 1400 KMU in der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche vereint, zeigte sich erfreut, dass «Bewegung aufgekommen» sei. Das Hauptargument der Initianten sei vom Bundesrat ernst genommen worden. (htr/sda/npa)

 

volksinitiative

Bundesrat will indirekten Gegenvorschlag zur «Fair-Preis-Initiative»

Der Bundesrat lehnt die Fair-Preis-Initiative ab. Den Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz hält er aber für berechtigt. Er will dem Parlament eine Gesetzesänderung vorschlagen, um der Abschottung des Schweizer Marktes Herr zu werden.
Initianten bei der Einreichung der eidg. Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» vom 12. Dezember 2017 vor der Bundeskanzlei in Bern.
Initianten bei der Einreichung der eidg. Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» vom 12. Dezember 2017 vor der Bundeskanzlei in Bern. Bild: fair-preis-initiative.ch
Bild: fair-preis-initiative.ch

Heute nutzen ausländische Lieferanten ihre Marktmacht aus, um einen Schweiz-Zuschlag durchzusetzen. Dem wollen die Initianten einen Riegel schieben. Der Bund soll verpflichtet werden, das Kartellgesetz zu verschärfen. Der faktische Beschaffungszwang von überteuerten Waren und Dienstleistungen soll aufgehoben werden. Fehlbare Firmen sollen im In- und im Ausland eingeklagt werden können.

Künftig sollen nicht nur marktbeherrschende Unternehmen einem Missbrauchsverbot unterstehen, sondern auch «relativ marktmächtige». Es handelt sich um Lieferanten, die den Markt zwar nicht beherrschen, zu welchen die Abnehmer aber trotzdem keine echte Alternative haben.

Ein solcher Ansatz würde nicht nur für ausländische, sondern auch inländische Unternehmen und Geschäftsbeziehungen gelten, schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung vom Mittwoch. Die Wettbewerbskommission und die Gerichte müssten auch die Preispolitik zwischen zwei Schweizer Unternehmen untersuchen, selbst wenn keines davon marktbeherrschend ist.

Das geht dem Bundesrat zu weit. Seiner Ansicht nach gefährdet die Initiative damit die Rechtssicherheit, die Wirtschaftsfreiheit und letztlich Arbeitsplätze. Die «relative Marktmacht» hält er aber für einen tauglichen Ansatzpunkt für einen indirekten Gegenvorschlag.

Das Wirtschaftsdepartement WBF muss nun prüfen, ob die Anwendung des Konzepts auf den Import mit den internationalen Verpflichtungen der Schweiz vereinbar ist. Damit würde die Kernforderung der Initiative erfüllt, die Beschaffungsfreiheit von Schweizer Unternehmen zu stärken und Parallelimporte zu erleichtern.

Initianten vermissen «Geoblocking» im Gegenvorschlag
Hinter der Initiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» stehen unter anderem die Stiftung für Konsumentenschutz, hotelleriesuisse und der Wirtschaftsverband Swissmechanic, der 1400 KMU in der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche vereint. Das Volksbegehren ist letzten Dezember eingereicht worden.

Die Initianten mit den Vorstandsmitglieder Prisca Birrer-Heimo (Co-Präsidentin, Präsidentin Stiftung für Konsumentenschutz), Oliver Müller (Co-Präsident, Direktor Swissmechanic) Casimir Platzer (Co-Präsident, Präsident Gastrosuisse) Maurus Ebneter (Wirteverband Basel-Stadt, KMU-Komitee für faire Importpreise) Christophe Hans (Leiter Wirtschaftspolitik hotelleriesuisse) und Pascal Vandenberghe (Präsident Payot SA) wollen inhaltlich erst konkret Stellung nehmen, wenn sie die Botschaft des Bundesrats gelesen haben, wie sie am Mittwoch mitteilten.

Sie seien zwar enttäuscht darüber, dass der Bundesrat das Volksbegehren ablehnt, der indirekte Gegenvorschlag nehme jedoch wesentliche Elemente ihrer Initiative auf. «Es ist sehr wichtig, dass der Bundesrat endlich wirksame Massnahmen gegen die Hochpreisinsel Schweiz prüft und gegen marktmächtige Unternehmen vorgeht, die den Wettbewerb behindern», sagt Prisca Birrer-Heimo. Wie genau der Bundesrat dies umsetzen will, bleibe aber vorerst offen. «Für eine definitive Stellungnahme zum Gegenvorschlag des Bundesrates ist es zu früh», meint deshalb Casimir Platzer.

Was den Initianten in der Mitteilung des Bundesrates jedoch fehlt sei das sogenannte «Geoblocking»: Dieses kann beispielsweise dazu führen, dass Schweizerinnen und Schweizer mehr zahlen müssen, wenn beim Einkauf auf ausländischen Websites das Land ausgewählt wird. Gegen dieses «Geoblocking» müsse der Bundesrat vorgehen. (sda/htr/npa)

initiative

Initianten und Hoteliers reichen Fair-Preis-Initiative ein

Die Initiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise», die von hotelleriesuisse mitgetragen wird, erreichte vier Monate vor Ende der Sammelfrist über 100'000 Unterschriften. Am Dienstag reichten die Initianten ihr Begehren ein.

Die Preisunterschiede zum Ausland seien nur in geringem Mass auf die höhere Schweizer Lohn-, Infrastruktur- oder Mietkosten zurückzuführen, so die Initianten.Stattdessen nutzten ausländische Lieferanten ihre Marktmacht aus, hielten die Preise in der Schweiz künstlich hoch und schöpften die Kaufkraft gezielt ab.

Diesen missbräuchlichen Schweiz-Zuschlägen wollen die Initianten einen Riegel schieben. Weil Massnahmen dagegen im Parlament wiederholt gescheitert sind, setzen sie auf das Instrument der Volksinitiative. Am Dienstag haben sie das Begehren mit 107'908 beglaubigten Unterschriften eingereicht.

Bei garstigen äusseren Witterungen zogen die Initianten, darunter auch Vertreter aus der Schweizer Hotellerie, angeführt von hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig, heute Nachmittag Richtung Bundeshaus. Auf Karren führten sie die Boxen mit den beglaubigten Unterschriften mit, die sie bei der Bundeskanzlei einreichten.

Fehlbare Firmen einklagen
Mit der Volksinitiative soll der Bund verpflichtet werden, das Kartellgesetz zu verschärfen. Künftig sollen mehr Unternehmen einer Missbrauchskontrolle und damit einem Missbrauchsverbot unterstehen.

Der faktische Beschaffungszwang von überteuerten Waren und Dienstleistungen soll aufgehoben werden, Lieferverweigerungen und unrechtmässige Preisdiskriminierungen durch marktmächtige Unternehmen würden so unterbunden, sind die Initianten überzeugt.

Fehlbare Firmen sollen im In- und im Ausland eingeklagt werden können. Ausserdem soll der Verfassungsartikel dafür sorgen, dass Schweizerinnen und Schweizer im Online-Handel nicht mehr diskriminiert werden. Nicht von der Volksinitiative betroffen sind unter anderem landwirtschaftliche Produkte, die unter das Agrarregime fallen.

Breite Allianz
Hinter der Initiative «Stop der Hochpreisinsel - für faire Preise», stehen hotelleriesuisse, die Stiftung für Konsumentenschutz, Gastrosuisse und der Wirtschaftsverband Swissmechanic, der 1400 KMU in der Maschinen-,Elektro- und Metallbranche vereint.

Im Initiativkomitee sitzen Politiker aus allen politischen Lagern.Dazu zählen SP-Ständerätin Anita Fetz (BS), CVP-Nationalrat Fabio Regazzi (TI), SVP-Ständerat Hannes Germann (SH) und alt FDP-Ständerat Hans Altherr (AR).

Altherr hatte den Kampf gegen die Hochpreisinsel mit einer parlamentarischen Initiative aufgenommen, nachdem eine Verschärfung des Kartellgesetzes im Parlament gescheitert war. Er befürchtet aber, dass die Angelegenheit auf die lange Bank geschoben wird und erachtet deshalb die Initiative selber als zwingend notwendig.Dabei ist auch der frühere Preisüberwacher Rudolf Strahm. (sda/npa)

fair-preis-initiative

hotelleriesuisse sammelt zahlreiche Unterschriften am nationalen Sammeltag

Gemeinsam mit seinen Regionalverbänden rief der Verband am Freitag zum nationalen Unterschriften-Sammeltag für die Fair-Preis-Initiative auf. Die Aktion war ein Erfolg: Die notwendigen 100'000 Unterschriften rücken in Reichweite.

Der Verband hotelleriesuisse kämpft erstmals in seiner Geschichte mittels einer lancierten Volksinitiative gegen die Hochpreisinsel Schweiz – zusammen mit zahlreichen anderen KMU-Verbänden. Mit Versandaktionen, bei Veranstaltungen oder mit Hilfe von Strassenständen hat der Verband bereits zahlreiche Unterschriften für die Fair-Preis-Initiative gesammelt.

Am nationalen Sammeltag vom Freitag wurden nochmals alle Kräfte mobilisiert: Die Regionalverbände von hotelleriesuisse sammelten gemeinsam mit Mitarbeitenden des Hauptsitzes in der ganzen Schweiz auf der Strasse Unterschriften und machten auf das Thema aufmerksam.

Mit dieesen gesammelten Unterschriften befindet sich die Fair-Preis-Initiative auf der Zielgeraden: Die notwendigen 100'000 Unterschriften für ein Zustandekommen der Initiative sind in greifbarer Nähe. hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig ist begeistert vom Einsatz aller Beteiligten: «Damit setzen wir gemeinsam ein starkes Zeichen für faire Preise und gegen die Hochpreisinsel Schweiz. Durch die Initiative könnten missbräuchliche Schweiz-Zuschläge von marktmächtigen ausländischen Unternehmen in Zukunft unterbunden werden».

Die Fair-Preis-Initiative will erreichen, dass Schweizer Unternehmen Produkte bei ausländischen Herstellern und Importeuren zu den gleichen Preisen beziehen können wie Abnehmer im Ausland. Im Dezember 2017 sollen die beglaubigten Unterschriftenbögen bei der Bundeskanzlei eingereicht werden. (htr/dst)

unterschriften

Bündner Gastgewerbe sammelt für Fair-Preis-Initiative

Gastro Graubünden und hotelleriesuisse Graubünden haben am vergangenen Samstag gemeinsam 180 Unterschriften zugunsten der Fair-Preis-Initiative gesammelt.
Marc Tischhauser, Gesch
Marc Tischhauser, Gesch

An der gemeinsamen Standaktion der Verbände auf der Poststrasse in Chur haben zahlreiche Passanten über die Initiative informiert.

Das Interesse an der Initiative sei laut den beiden Verbänden sehr gross gewesen. Während drei Stunden konnten die Initianten erfreuliche 180 Unterschriften sammeln.

Gesamtschweizerisch wird am 8. September ein nationaler Unterschriften-Sammeltag stattfinden. Jeder Regionalverband von hotelleriesuisse wird seiner Region Unterschriften für die Initiative sammeln. (htr)

fair-preis-initiative

Auf die Plätze – fertig – los

Auf Initiative der beiden Regionalverbände hotelleriesuisse Berner Oberland, hotelleriesuisse Bern + Mittelland und GastroBern, schwärmten die Verbandsmitglieder am Mittwoch in Thun aus, um Unterschriften für die Fair-Preis-Initiative zu sammeln.

Die Unterschriftensammlung für die eidgenössische Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» ist auf Kurs. Bis dato konnten rund 60'000 Unterschriften gesammelt werden.

Damit die Initiative vors Volk kommen kann, müssen bis 20. März 2018 100'000 beglaubigte Unterschriften zusammen sein. «Um ganz sicher zu gehen, dass wir schlussendlich die geforderten gültigen Unterschriften zusammen haben, steuern wir 120'000 Unterschriften an», so Christophe Hans, Leiter Wirtschaftspolitik hotelleriesuisse. Der Dachverband hotelleriesuisse organisiert deshalb am 8. September 2017 einen nationalen Unterschriften-Sammeltag.

Im Berner Oberland sammelten die Regionalverbände Berner Oberland, Bern + Mittelland von hotelleriesuisse und GastroBern am Mittwoch emsig Unterschriften und liessen sich in Gesprächen mit der Bevölkerung ein. Ein paar Impressionen der Sammelaktion aus Thun.  (htr/npa)

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Hoteliers sammeln Unterschriften für faire Preise in der Schweiz

Die Verbandsspitze und Mitarbeitende von hotelleriesuisse trotzten dem garstigen Wetter und sammelten auf dem Berner Bahnhofplatz eifrig Unterschriften für die Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – Für faire Preise».
Fair-Preis-Initiative: Die Preise sollen runter. (Erschienen in der htr hotel revue Nr. 20 vom 29. September 2016)
Fair-Preis-Initiative: Die Preise sollen runter. (Erschienen in der htr hotel revue Nr. 20 vom 29. September 2016)

Erstmals in seiner 134-jährigen Geschichte lancierte der Unternehmerverband der Schweizer Hotellerie eine eidgenössische Volksinitiative. Am Mittwoch sammelten die Verbandsleitung, Verteter der Geschäftsleitung und Mitarbeitende von hotelleriesuisse und den Regionalverbänden Unterschriften für die «Fair-Preis»-Initiative.

Hier ein paar Impressionen von der Unterschriftensammlung.

Die «Fair-Preis»-Initiative wurde am 20. September 2016 lanciert. Die Initianten wollen überhöhten Preisen in der Schweiz einen Riegel vorschieben. Als missbräuchliche empfundene «Schweiz-Zuschläge» durch marktmächtige Unternehmen sollen zukünftig verhindert werden, Gewerbe und Verbraucher im In- und Ausland günstiger einkaufen können. (htr/npa/pt)

 

volksinitiative

Faire Preise gegen die Hochpreisinsel Schweiz

Die heute lancierte Fair-Preis-Initiative soll überhöhten Preisen in der Schweiz einen Riegel vorschieben. Missbräuchliche «Schweiz-Zuschläge» durch marktmächtige Unternehmen sollen verhindert werden, Gewerbe und Verbraucher im In- und Ausland günstiger einkaufen können. Davon soll auch das Gastgewerbe profitieren.

Erstmals in seiner 134-jährigen Verbandsgeschichte lanciert der Verband hotelleriesuisse zusammen mit seinen Regionalverbänden eine Initiative - die sogenannte Fair-Preis-Initiative. Mit fairen Preisen für Schweizer Unternehmen könnten Hoteliers einen direkten Gewinn beim Einkauf und der Wartung von Investitionsgütern wie Sanitär, Lüftung, Heizung, Kühlung, und Kochgeräten sowie im Getränke-, Möbel- und Textilbereich erzielen, so die Hoffnung.

Für Andreas Züllig, Präsident hotelleriesuisse und Mitglied des Initiativkomitees habe die Kostensenkung höchste politische Priorität. «Die Initiative leistet einen wichtigen Beitrag dazu», so Züllig.

Die Beherbergungsbranche stehe als Teil der Exportindustrie im direkten Konkurrenzkampf mit dem restlichen Europa. Im Gegensatz zu anderen KMU der Exportindustrie fehle den Hoteliers aber die Möglichkeit, ihre Unternehmen ins Ausland zu verlagern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Eine der wenigen Möglichkeiten für die Branche, ihre Kosten namhaft zu senken, bestehe im Einkauf von Produkten und Dienstleistungen, zum Beispiel Kauf und Wartung von sanitären Anlagen, Lüftungen, Heizungen, Kühlungen oder Kochgeräten, sowie im Getränke- Möbel- und Textilbereich. Allerdings bezahle das Gastgewerbe für diese Vorleistungen in der Schweiz bis zu 200 Prozent mehr als in den Nachbarländern, hält hotelleriesuisse fest.

Gleichzeitig sind die höheren Kosten für Produkte in der Schweiz nur bedingt durch höhere Schweizer Lohn-, Infrastruktur- oder Mietkosten bedingt. Vielmehr nutzten ausländische Lieferanten ihre Marktmacht beziehungsweise die hohe Kaufkraft der Schweizer Kunden gezielt aus. Dadurch schöpften sie Kaufkraft ab und schadeten der Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen.

Oliver Müller, Direktor von Swissmechanic: «Die gleichen Unternehmen, welche uns im Inland gerne beliefern und als Kunden schätzen, weisen uns als Kunden im Ausland ab. Der so ausgeübte Zwang, über die von Lieferanten vorgeschriebenen Kanäle einzukaufen, führt zu zusätzlichen Wettbewerbsnachteilen für Schweizer Unternehmen.»

Die Kernanliegen der Fair-Preis-Initiative
Damit solche Praktiken in Zukunft unterbunden werden, wollen die Initianten für gleich lange Spiesse sorgen: Bereits heute verbietet das Kartellgesetz sogenannten «marktmächtigen Unternehmen» Abreden, die den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch «Legitimate Business Reasons» begründen lassen. Die Fair-Preis-Initiative will die Schwelle, ab wann ein Unternehmen als marktmächtig anzusehen ist, herabsetzen. Dazu führt sie den Begriff der «relativ marktmächtige Unternehmen» ein.

Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse erklärt: «Es gibt viele ausländische Unternehmen, die zwar nicht als marktbeherrschend eingestuft werden, von denen viele KMU in der Schweiz aber abhängig sind, und zwar deshalb, weil sie auf deren Waren oder Dienstleistungen mangels Ausweichmöglichkeit angewiesen sind. Denken sie an ein Software-Update oder an Originalersatzteile.»

Viele dieser Unternehmen zwingen Nachfrager in der Schweiz, bei ihnen in der Schweiz zu überhöhten Preisen einzukaufen. Mit der Fair-Preis-Initiative soll dieser faktische Beschaffungszwang im Inland aufgehoben werden. Künftig können Unternehmen nach ihrer freien Wahl auch im Ausland diskriminierungsfrei zu den dort von den Anbietern selbst praktizierten Preisen einkaufen. Die diskriminierungsfreie Beschaffung von Waren im Ausland soll grundsätzlich auch für den internationalen Online-Handel gelten.

Von fairen Preisen profitiere die Schweiz gleich dreifach, ist Prisca Birrer-Heimo, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und Co-Präsidentin des Initiativkomitees überzeugt. «Erstens kaufen wieder mehr Konsumentinnen im Inland statt im benachbarten Ausland ein. Zweitens bleibt den Konsumenten bei tieferen Preisen für Importprodukte mehr Geld im Portemonnaie – das erhöht die Kaufkraft. Drittens müssen Schweizer Unternehmen weniger ho he Preise für importierte Güter wie Maschinen oder Betriebsmittel bezahlen und können damit ihre Konkurrenzfähigkeit verbessern und Arbeitsplätze sichern.»

Nicht von der Volksinitiative betroffen sind unter anderem landwirtschaftliche Produkte, die unter das Agrarregime fallen. «Hier sind die höheren Preise politisch gewollt», so Casimir Platzer. «Sie entstehen vor allem durch Schutzzölle, Importkontingente und technische Handelshemmnisse, also durch Hürden, die der Staat aufbaut. Hingegen gibt es bestimmt keinen politischen Willen, ausländischen Konzernen zu erlauben, hier ihre Vertriebssysteme abzuschotten und so missbräuchliche Schweiz-Zuschläge durchzusetzen.»

Die Unterschriftensammlung für die Initiative ist ab heute eröffnet. Unterschriftenbögen können hier heruntergeladen werden.

Folgende Organisationen sind Mitglieder im Verein «Stop der Hochpreisinsel - für faire Preise»:

  • AM Suisse (vormals Schweizerische Metall-Union SMU)
  • Associazione consumatrici e consumatori della Svizzera italiana ACSI
  • BKW Energie AG
  • Fédération romande des consommateurs FRC
  • GastroSuisse (mit den Regionalverbänden Bern, Fribourg, Graubünden, Jura, Luzern, Nidwalden, Solothurn, Ticino, Valais, Vaud und Zürich)
  • Société des Cafetiers, Restaurateurs et Hôteliers de Genève Wirteverband Basel-Stadt
  • hotelleriesuisse (mit den Regionalverbänden Valais, Romandie, Berner Oberland, Bern + Mittelland, Graubünden, Luzern, Zürich)
  • KMU-Komitee für faire Importpreise
  • Payot SA
  • Schweizer Bäcker-Confiseure SBC
  • Schweizerischer Drogistenverband SDV
  • Seilbahnen Schweiz
  • Stiftung für Konsumentenschutz SKS
  • Swissmechanic

(htr/pt)