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Dossier: Wahlen 2019
Bild: htr/Carla Barron

Dossier: Wahlen 2019

Hoteliers ins Bundeshaus

Die Schweizer Stimmbevölkerung wählt im Oktober ein neues Parlament. Die Tourismusbranche engagiert sich für einen Sitz im Bundeshaus.

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Zweige der schweizerischen Volkswirtschaft. Zahlreiche Branchen profitieren vom Tourismus und eine von zwölf beschäftigen Personen verdankt ihre Stelle direkt oder indirekt diesem Sektor. Die Branche fordert nun eine starke Stimme in Bundesbern. 

Wahlen 2019

«Die Branche geniesst im Parlament einen sehr guten Ruf»

Ein Kurzinterview mit der CVP-Politikerin Andrea Gmür-Schönenberger, Geschäftsführerin der Stiftung Josi J. Meier und Mitglied des Universitätsrates der Universität Luzern.
CVP-Nationalrätin Andrea Gmür.
CVP-Nationalrätin Andrea Gmür. Bild: David Avolio
Bild: David Avolio

In den eidgenössischen Räten ist die Tourismusbranche krass untervertreten und deshalb darauf angewiesen, dass sich Politiker mit anderem Background für ihre Interessen einsetzen. In der derzeitigen Zusammensetzung gelten rund 20 Parlamentarierinnen und Parlamentarier als ausgesprochen tourismusaffin. Hinzu gesellen sich je nach Geschäft weitere Volksvertreter aus den Bergkantonen. Ein gutes Dutzend Parlamentarier folgte diesen Dienstag der Einladung des Schweizer Tourismus-Verbands zum jeweils während der Frühjahrssession stattfindenden «Rendez-vous Touristique». Darunter befand sich die 2015 in den Nationalrat gewählte CVP-Politikerin Andrea Gmür-Schönenberger, Geschäftsführerin der Stiftung Josi J. Meier und Mitglied des Universitätsrates der Universität Luzern.

Frau Gmür, Sie engagieren sich als Politikerin auch für den Tourismus. Weshalb?

Ich stamme aus der Stadt Luzern. Der Tourismus zählt in Stadt und Kanton, überhaupt in der ganzen Zentralschweiz zu den wichtigsten Wirtschafts­pfeilern. Ohne Tourismus ginge es nicht. Zudem erweitert Reisen den Horizont, bedeutet auch einen kulturellen Gewinn – sei es, wenn man selber unterwegs ist, oder sei es im Umgang mit Menschen aus aller Welt bei uns.

In Luzern ist Overtourism zum Thema geworden. Wie denken Sie darüber?

Es ist nicht immer ganz einfach, der Bevölkerung die Bedeutung des Tourismus zu erklären, sei es punkto Wertschöpfung, Arbeitsplätzen oder Steuereinnahmen. Wir führen jedoch viele Gespräche und suchen konkret nach Lösungen. Wichtig scheint mir, die Stadt verkehrstechnisch zu entlasten. Ebenso sollten auch die ländlichen Regionen noch mehr vom Tourismus profitieren können.

Was wünschen Sie sich von der Branche?

Die Tourismusbranche erlebe ich als innovativ, konstruktiv, flexibel und zukunftsorientiert. Ich wünsche mir, dass das so bleibt.

Die Tourismusbranche ist in den eidgenössischen Räten kaum vertreten. Werden ihre Anliegen genügend wahrgenommen?

Ja. Gerade nach dem Währungsschock wurde manchem Politiker bewusst, dass man auch zum Tourismus Sorge tragen muss. Ich darf sagen: Die Branche geniesst im Parlament einen sehr guten Ruf und viel Wohlwollen.

Aber ein Hotelier oder Touristiker im Rat könnte mehr bewirken?

In der Politik erreicht ein Einzelner immer erst dann etwas, wenn er Mehrheiten beschaffen kann. Aber er könnte seine Anliegen noch direkter in seiner Fraktion, in der Kommission einbringen. (gn)

Wahlen 2019

Ein Jahr des politischen Aufbruchs

Andreas Züllig.
Andreas Züllig. Bild: Suzanne Schwiertz
Bild: Suzanne Schwiertz

Gemessen an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung hat die Tourismusbranche in der nationalen Politik zu wenig Gewicht. Daran ist sie selbst nicht schuldlos. Oft fehlt es am geeinten Auftritt. Zudem nehmen nur vereinzelt touristische Interessenvertreter Einsitz im eidgenössischen Parlament.

Nun befinden wir uns im Wahljahr 2019. Das ist die grosse Chance, mit vereinten Kräften die politische Schlagkraft zu erhöhen. Zum Beispiel mit der (parteiübergreifenden) Unterstützung eines tourismusaffinen Kandidaten. Noch weiter voran geht der Bündner Hotelier Andreas Züllig. Er tritt selbst als Kandidat für den Nationalrat an. [IMG 1]

Wie notwendig politisches Engagement ist, wird sich aber bereits am 19. Mai zeigen, wenn die Referendumsabstimmung über die Revision des Waffengesetzes ansteht. Sie bedroht das Schengener Abkommen und damit die liberale Visapraxis, wovon der Schweizer Tourismus stark profitiert. Bei einem Nein zur Anpassung des Waffengesetzes droht ein Rückgang der touristischen Nachfrage von bis zu 530 Millionen Franken jährlich.

Angesichts der Tragweite dieser Abstimmung haben sich die Verbände Schweizer Tourismusverband, hotelleriesuisse, Gastrosuisse, Seilbahnen Schweiz sowie Hotel & Gastro Union und Travail Suisse zusammengeschlossen mit dem Ziel, eine Ja-Kampagne aufzubauen. Weitere Tourismusakteure und Verbände wurden diese Woche eingeladen, sich daran zu beteiligen.

Gerne nehmen die Initianten auch Ihre Ideen, Anregungen oder Fragen entgegen. Ansprechpartner ist Samuel Bangerter. (gn)

Nationalratswahlen

Andreas Züllig will Stimme des Tourismus in Bundesbern stärken

Andreas Züllig, Präsident von hotelleriesuisse, wurde offiziell für die Nationalratswahlen 2019 nominiert. Als Touristiker und Hotelier auf der Hauptliste der Bündner FDP will er die touristische Allianz auf nationaler Ebene stärken und sich insbesondere für die Anliegen der Beherbergungsbranche einsetzen.
Andreas Züllig.
Andreas Züllig. Bild: Suzanne Schwiertz
Bild: Suzanne Schwiertz

«Über ein Viertel der Bevölkerung in den Berggebieten arbeitet im Tourismussektor. Die Stimme dieser Menschen muss in Bundesbern gestärkt und geeint vertreten werden». Mit diesen Worten bekennt sich Andreas Züllig zu seiner Leidenschaft für den Tourismus und die Tourismuspolitik.

Als gelernter Koch, Hotelier, Arbeitgeber von über 100 Angestellten und Präsident des Branchenverbandes kenne er die entsprechenden Probleme und Stellhebel wie kaum ein anderer, schreibt der Verband hotelleriesuisse in einer entsprechenden Mitteilung. Als Unternehmer und Freisinniger verstehe er es, nicht nur Brücken innerhalb der Tourismusbranche, sondern insbesondere auch zu anderen Branchen wie beispielsweise zur Landwirtschaft oder generell zum KMU-Gewerbe zu schlagen.

Interessen der Branche sollen gebündelt werden
Bezüglich Tourismuspolitik steht Andreas Züllig stellvertretend für die Bestrebungen von hotelleriesuisse, die Interessen der Branche zu bündeln und dieser so zu einer geeinten Stimme zu verhelfen. «Seine Vielseitigkeit und die Authentizität, mit welcher er für seine Überzeugungen einsteht, helfen zukunftsgerichtete Ideen anzupacken» meint der Bündner FDP-Grossrat Thomas Rüegg, Gastgeber Hotel Weiss Kreuz inThusis, zur Kandidatur.

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«Die Debatten im Jahr 2018 haben gezeigt, dass der Tourismussektor dann politisch erfolgreich sein kann, wenn die Interessen innerhalb der Branche trotz unterschiedlicher Ausgangslagen gebündelt werden. So geschehen beispielsweise im Rahmen der Motion Bischof gegen Knebelverträge auf Online-Plattformen», ergänzt Ernst Wyrsch, Präsident von hotelleriesuisse Graubünden.

Die Stimme des Tourismus auf nationaler Ebene stärken
Erfreulicherweise zeigen sich bereits verschiedene Parlamentarier als Vertreter des Tourismus. Doch im Vergleich zu anderen Branchen, unter anderem der Landwirtschaft, ist der Tourismus klar untervertreten. Insbesondere wenn man betrachtet, dass dieser eine direkte Bruttowertschöpfung von 18 Milliarden Franken generiert und über 250'000 Personen beschäftigt.

«Wir sind erfreut, dass der Präsident des Verbandes mit gutem Beispiel vorangeht und sich aktiv um einen Platz im Nationalrat bewirbt», sagt hotelleriesuisse-Direktor Claude Meier. Er ist überzeugt, «dass die Nomination von Andreas Züllig ein positives Signal an die Branche sendet und diese für aktive Politik sensibilisiert».

Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt und die fortschreitende Digitalisierung fordere die Branche enorm, schreibt hotelleriesuisse. Eine liberale Denkhaltung und direkte Mitsprache auf der politischen Bühne seien daher unerlässlich. Die nationale Geschäftsstelle von hotelleriesuisse ist überzeugt, dass Andreas Züllig die richtige Wahl ist, um entsprechende Herausforderungen anzugehen. Gleichzeitig hofft sie auf einen Signaleffekt, welcher weitere direkte Tourismusvertreter und Hoteliers für politisches Engagement begeistert. (htr)