Nicht nur die morgen endende Frühjahrssession ist bald Geschichte. Auch die 50. Legislaturperiode der eidgenössischen Räte neigt sich dem Ende zu, während die heisse Phase des nationalen Wahljahres näher rückt. Wenn sich das neu zusammengesetzte Parlament am 
2. Dezember 2019 für den Anfang der neuen Legislatur zur Wintersession trifft, wird circa ein Drittel der Sitze unter der «Coupole» neu besetzt sein. Die Hotellerie, welche seit über 30 Jahren über keinen Vertreter mehr aus ihren Reihen im Bundeshaus verfügt, strebt als «Wahlziel» die direkte Einsitznahme im Parlament an. Warum ist dies mit Blick auf die Vertretung der Mitgliederinteressen so wichtig?

Die Politik- und Legislativprozesse sind in den vergangenen Legislaturperioden stets intensiver, komplexer, schneller und vernetzter geworden. Mehr und mehr Politikbereiche werden unter sich, mit Blick auf supra­nationale Rechtsetzung aber auch international, 
verlinkt und beeinflusst. Was in der EU geschieht, geht an der Schweiz und ihrem Markt nicht spurlos vorbei. Die Digitalisierung stellt etablierte Marktmodelle vor Herausforderungen, das Klima – als weiteres Beispiel eines zunehmenden Komplexitäts- und Vernetzungsgrads – macht vor Landesgrenzen nicht Halt. Die Politik will und muss auf externe Trends reagieren, rechtliche Rahmenbedingungen anpassen sowie wegweisende Entscheide fällen. Wie ist mit disruptiven Akteuren umzugehen? Wie sollen den einzelnen Branchen in einer sich wandelnden – und alternden – Gesellschaft genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen? Wie kann die Altersvorsorge nachhaltig finanziert werden, ohne die Lohnkosten massiv zu verteuern? Welche Exit- oder Ergänzungsstrategien haben unrentable Hotels, wenn sie nicht in Zweitwohnungen umgebaut werden können? Wie stark ist der Tourismus als wichtiger Lebenszweig in alpinen und ländlichen Regionen unterstützungs­abhängig? Welches sind die Auswirkungen eines Rahmenvertrages mit der EU auf alle diese Themen?

Diese und viele weitere Fragen lassen die Komplexität der heutigen Politik erahnen. Damit einher geht eine Steigerung der politischen Intensität und Geschwindigkeit der Entscheidungsprozesse. Auch angesichts der stetigen Professionalisierung anderer Akteure im Lobbying-Bereich wäre es für die Hotelbranche wichtig, wieder direkt an den Entscheidungstischen in Bundesbern Einsitz zu nehmen. Eine effiziente Interessensvertretung verfügt über Insiderwissen und besitzt frühzeitig die nötigen Informationen, bringt ihre Ansicht direkt ein und kann sich unmittelbar an der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung im Parlament beteiligen. Sie hat eines – oder mehrere – Sprachrohre in der politischen-nationalen Arena und findet Widerhall in der politisch-medialen Berichterstattung. Sie ist ein etablierter und engagierter Akteur, der sich auf Augenhöhe mit anderen Stakeholdern, Behörden und Politik austauscht.

hotelleriesuisse setzt sich bereits heute – auch ohne direkte Parlamentsvertretung aus der Hotellerie – mit Engagement und Erfolg für die Hotel- und Tourismusbranche ein. Diesem Credo werden wir selbstverständlich mit viel Einsatz auch weiterhin folgen. In einer stets komplexeren Politwelt wird eine Vertretung aus eigenen Reihen jedoch immer wichtiger. Deshalb freuen wir uns über Ihre Unterstützung im Wahljahr. [IMG 2]