Wer in diesen Sommerferien in Städten wie Zürich, Bern oder Genf zu tun hat, wird sich bewusst, wie stark der Strom an Touristen mittlerweile angeschwollen ist. Einheimische erscheinen in den beliebten Einkaufsstrassen oder Ausgehvierteln fast schon in der Minderheit.

Verständlich, dass das Thema Overtourism in den Medien wieder aufgegriffen wird. Selbst für jemanden, der in der Tourismusbranche tätig ist und sich grundsätzlich über jeden Reisenden freut, der unser Land besucht, ist die Masse, die sich auf den Trampelpfaden von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit bewegt, gewöhnungsbedürftig.

Was das Reisen betrifft, durfte ich von der Gnade der frühen Geburt profitieren. Städte wie Florenz, Barcelona oder Prag erlebte ich noch quasi im Urzustand, von den Fischerdörfern in Süditalien oder Griechenland ganz zu schweigen. Wir fühlten uns als Abenteurer, waren neugierig auf die Menschen, denen wir begegneten, und auf ihre Geschichten. Selten verliefen diese Reisen so, wie sie ursprünglich geplant gewesen waren.

Die Lust auf Entdeckungen und aussergewöhnliche Erlebnisse ist uns nicht abhandengekommen. Wenn ich jedoch die Touristen betrachte, die heute «mein» Zürich besuchen, erscheint mir ihre Entdeckerfreude im Allgemeinen nicht so freudig, sondern eher gestresst.

Das hat mit dem Gerät zu tun, das jetzt den Takt angibt und mit der menschlichen Hand schon fast verwachsen erscheint. Längst nicht alle Reisenden sind so selbstbestimmt unterwegs, wie sie es gerne glauben. Stattdessen laufen sie ihrem Handy hinterher. Das Handy weiss, was man am Zielort gesehen haben muss, welche Trouvaillen andere womöglich noch nicht entdeckt haben, wo sich diese verborgenen Schätze verbergen, wie man dorthin kommt, und vor allem, mit welchen Pics man die Community auf Instagram begeistert.

Es mag wie eine Satire tönen, aber oft ist es halt zum Brüllen komisch: Da irren Touristen durch die Gassen, die Nasen am Display platt gedrückt, und befände sich der Geheimtipp direkt vor ihnen, sie merkten es nicht, denn sie schauen sich nicht um. Und sie denken auch nicht daran, einen Einheimischen nach dem Weg oder gar einem Geheimtipp zu fragen. Und diese wiederum denken nicht daran, den Suchenden ihre Hilfe anzubieten. Man hat hier nicht auf sie gewartet – vor allem nicht in dieser Anzahl.

Schon spektakulär, wie schnell die neuen Technologien die interaktive Kommunikation und vor allem auch das Bedürfnis nach realen Kontakten verkümmern liess. Beim Städtetourismus zeigt sich dies drastisch. Einheimische und Touristen bilden mehr und mehr eine Art Parallelwelten, das Interesse an gegenseitigen Kontakten ist minim, die Ignoranz mittlerweile beträchtlich. Und dazwischen, an der einzigen, aber wichtigen Schnittstelle, befindet sich das Gastgewerbe.

Damit ist klar, in welche zusätzliche Rolle Tourismusmanager, aber auch Gastronomen und Hoteliers mitsamt ihrem Personal hineinwachsen müssen. Sie sind vor allem in den Städten als Mediatoren gefragt.