Es hat mittlerweile Tradition, dass bei den Anfang Jahr durchgeführten Delegiertenversammlungen der Bündner Hoteliers nebst Traktanden und Ansprachen auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Präsident Aschi Wyrsch und Geschäftsführer Jürg Domenig stehen nicht nur gerne im Rampenlicht, sie machen jeweils auch gute Figur. Man durfte also einiges erwarten von der hundertsten DV des grössten Regionalverbands, die am 1. Februar im Schulhotel Passugg über die Bühne ging.

Und was für eine Bühne! In Anspielung auf die aktuellen Brexit-Debatten fand die Jubiläumsversammlung im Ambiente des britischen Parlaments statt. Delegierte und Gäste sassen also nahe und rings um die schmale Bühne und waren eingeladen, sich wie am Originalschauplatz lautstark am Geschehen zu beteiligen. Doch was englische Parlamentarier lieben, nämlich den Klamauk, entspricht nicht unbedingt dem Wesen eines Schweizer Hoteliers. Für die Zwischenrufe, das Geraune und 
hämische Kommentare waren in Passugg andere zuständig, nämlich Mitglieder des famosen, auch international erfolgreichen Bündner Vokalensembles «Incantanti».

Locker wurden so die Traktanden «abgearbeitet», illustriert durch humorige Projektionen. Für zusätzlichen Power auf dem Podium sorgten zwei unlängst ausgezeichnete Schwergewichte im Bündner Tourismus: Reto Gurtner, Gewinner des Milestones für das Lebenswerk 2018, und Kurt Baumgartner, aktueller Hotelier des Jahres. Und schliesslich verwandelten Studierende der SSTH im Zusammenspiel mit «Incantanti» das britische Parlament vollends in ein Theater mit Kostproben aus ihrer gemeinsam erarbeiteten Produktion «Die fliegende Kuh». Das zweiteilige Dîner Spectacle, eine Art Wettbewerb um die Kreation eines perfekten Gästeerlebnisses, wird im Frühjahr in Passugg und im Herbst in Chur aufgeführt und kann von Hoteliers gebucht werden (Info: ssth.ch/diefliegendekuh).

Nachwuchs, Angebotsentwicklung, Best Practice und die eidgenössischen Wahlen 2019: Bei allem Spektakel gingen an dieser Jubiläums-DV die Inhalte nicht vergessen, wurde vorwärts und nicht rückwärts geschaut. Wir wollen wieder die Besten sein, schrieb hotelleriesuisse-Graubünden-Präsident Aschi Wyrsch in seinem Vorwort zum Geschäftsbericht: Wir wollen zum Branchenprimus werden! Das sind forsche, aber auch erfrischende Töne. Sie zeugen von neu gewonnener Zuversicht nach Jahren, in denen insbesondere die traditions- und ruhmreiche Bündner Hotellerie schwer unter Druck geraten ist.

Tatsächlich haben viele Hoteliers Enormes geleistet auf dem Weg zurück zum Erfolg. Ob es dann wieder zum Branchenprimus reicht, wird schweizweit wohl umstritten sein. Gut aufgestellt und klug vorausschauend ist man auch anderswo. Eines aber kann man den Bündnern nicht nehmen: Sie veranstalten die beste Delegiertenversammlung weit und breit. Was uns am 100-Jahre-Jubiläum im Schulhotel Passugg geboten wurde, war Infotainment at its best!

Bilder vom 100-Jahr-Jubiläum von hotelleriesuisse Graubünden