Frage: Vor einigen Wochen hat das Stimmvolk bekanntlich die Steuer- und AHV-Reform angenommen. Sofern ich das richtig verstanden habe, gelten die neuen Bestimmungen bereits ab 2020. Ich habe mich nie im Detail mit dieser Thematik befasst. Als Hotelier mit eigenem Betrieb in der Stadt Zürich (Rechtsform: AG) stellt sich aber die Frage nach einem allfälligen Handlungsbedarf. Bin ich überhaupt von diesen Änderungen betroffen, und wenn ja, was muss ich vorkehren?

Antwort: Bei der von Ihnen angesprochenen Volksabstimmung vom 19. Mai 2019 wurde das Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung – kurz STAF – angenommen. Die neuen Bestimmungen werden ab 1. Januar 2020 in Kraft treten. Das ist relativ kurzfristig, und deshalb ist es richtig, dass Sie sich bereits heute über den Handlungsbedarf informieren und allfällig notwendige finanz- und steuerplanerische Massnahmen prüfen. Bevor wir ins Detail gehen, können wir Sie aber weitgehend beruhigen. Der Handlungsbedarf für Sie und Ihr Unternehmen ist überschaubar. Die Steuerreform betrifft alle Unternehmen mit einem kantonalen Steuerprivileg wie bspw. Holding-, Domizil- und Verwaltungsgesellschaften. Diese sog. Statusgesellschaften, die in der Schweiz eine Verwaltungstätigkeit aber keine oder nur eine untergeordnete Geschäftstätigkeit ausüben, haben bisher keine oder nur eine reduzierte Gewinnsteuer entrichtet. Mit der Steuervorlage werden diese Privilegien für überwiegend international tätige Unternehmen abgeschafft. Die Besteuerungsregeln für nationale und internationale Unternehmen werden vereinheitlicht. Es gibt einige Gegenmassnahmen, wie eine reduzierte Besteuerung von Gewinnen aus der Verwertung von Patenten oder zusätzliche Abzüge für Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen im Inland. Das kann Ihnen aber egal sein – Sie haben bisher keine Privilegien beansprucht, und werden es auch in Zukunft nicht tun.

Sie sind aber trotzdem betroffen – nachfolgend drei Beispiele:

1. Mit der Steuerreform wurde der Ausgleich zwischen Bund und Kantonen neu geregelt. Der Anteil der Kantone an den Einnahmen aus der direkten Bundessteuer wird von 17,0 auf neu 21,2% erhöht. Mit diesen Mehreinnahmen haben die Kantone etwas mehr Spielraum, ihre Gewinnsteuersätze bei Bedarf (Stichwort: Standortwettbewerb) zu reduzieren. Sie sind im Kanton Zürich ansässig. Der aktuelle Gewinnsteuersatz beläuft sich auf rund 21% (je nach Gemeinde). Geplant ist eine Reduktion auf rund 18% (je nach Gemeinde) – die entsprechende kantonale Vorlage wird den Stimmberechtigten am 1. September 2019 zur Abstimmung unterbreitet. Auf Stufe AG können Sie also mittelfristig mit einer tendenziell leicht tieferen Steuerbelastung rechnen. Steueraufschiebende Massnahmen können sich somit bezahlt machen.
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2. Wir gehen davon aus, dass Sie 100% der Aktien Ihres Unternehmens im Privatvermögen halten. Wenn Sie sich heute eine Dividende auszahlen, wird dieses Einkommen bei der Bundessteuer mit 60% besteuert (sog. Teilbesteuerung). Diese Quote wird ab 1. Januar 2020 auf 70% erhöht. Im Kanton Zürich greift nach gültigem Recht ein sog. Teilsatzverfahren – die Dividende wird zur Hälfte des für das steuerbare Gesamt-Einkommen anwendbaren Steuersatzes besteuert. Das neue kantonale Steuergesetz sieht den Wechsel zur Teilbesteuerung vor, wobei an einer Quote von 50% festgehalten wird. Plus/minus wirkt sich mittelfristig also lediglich die leicht höhere Belastung bei der Bundessteuer aus. Eine bereits seit langem geplante (Substanz-) Dividende sollte nach Möglichkeit noch mit Fälligkeit 2019 ausgeschüttet werden.
3. Mit der Steuervorlage wurden auch zusätzliche Mittel für die AHV beschlossen, konkret CHF 2 Milliarden pro Jahr. Zu diesem Betrag müssen die Unternehmen und die Versicherten einen Anteil von 
CHF 1,2 Milliarden beisteuern. Das bedeutet: Die Lohnbeiträge steigen um 
0,3 Prozentpunkte, finanziert je zur Hälfte durch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für Sie bedeutet das ab nächstem Jahr eine Mehrbelastung von 0,15% der Jahreslohnsumme. Die Auswirkungen auf Ihr Budget sind aber marginal: Die Mehrbelastung entspricht CHF 1500 auf CHF 1 Mio. Lohnsumme.

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