Das Neuenburger Stimmvolk hatte am 23. September 2012 das Schnellbahn-Projekt äusserst knapp mit 50,29 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die neue und weitgehend unterirdische Bahnstrecke hätte die Fahrt von der Kantonshauptstadt in den Jura von 30 auf 14 Minuten verkürzt.

Die Gegner hatten vor allem die Kosten von 919 Millionen Franken kritisiert.Die SBB hätte zwar 240 Millionen Franken und der Bund 111 Millionen übernommen.Der Kanton Neuenburg und die Gemeinden hätten rund 560 Millionen Franken bezahlen müssen.

Nach dem Abstimmungs-Nein sei das Dossier brach gelegen, sagte Alain Ribaux (FDP), Präsident des Neuenburger Staatsrates, am Dienstag vor den Medien. Man habe keinen Plan B gehabt.

Weil die bestehende Bahnlinie im aktuellen Zustand nur noch bis 2019 betrieben werden darf, steht die Neuenburger Kantonsregierung unter Zeitdruck. Eine Sanierung der Linie kommt für den Staatsrat aber wegen der Kosten nicht in Frage.

Sanierung annähernd so teuer wie neue Linie
Eine Erneuerung der alten Bahnlinie würde rund 700 Millionen Franken kosten, eine neue und direkte Bahnlinie gegen 900 Millionen Franken. Während eine direkte Bahnstrecke einen Viertelstunden-Takt ermöglichen würde, wäre bei der alten Bahnstrecke höchstens ein Halbstunden-Takt möglich.

Eine direkte Linie stellt nach Ansicht der Neuenburger Regierung nicht eine Erweiterung des Bahnverkehrsnetzes dar, sondern den Ersatz einer veralteten Zugstrecke. Damit würden die Bauarbeiten vom Bund bezahlt.

Sorge vor Präzedenzfall
Man habe bereits die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) informiert. Bei den Partnern sei die grösste Sorge, einen Präzedenzfall zu schaffen, sagte Staatsrat Laurent Kurth (SP). Das sei nach Ansicht der Neuenburger Regierung aber nicht der Fall.

Es gebe kaum vergleichbare Projekte in der Schweiz. Das Neuenburger Projekt verlange keinen Ausbau des Netzes, da kein zusätzlicher Kilometer zum Bahnnetz hinzugefügt würde.

Selbst bei einer Sanierung der alten Strecke würde die SBB nicht mehr mit bestehenden Tunneln arbeiten, sagte Kurth. Der Kanton Neuenburg erwartet bis 2015 einen Entscheid. Die Bauarbeiten könnten 2019 beginnen und würden bis 2026 dauern.

Die Stadt La Chaux-de-Fonds begrüsste das Vorgehen der Kantonsregierung. Sie habe sich für eine Variante ausgesprochen, die dem 21. Jahrhundert würdig sei, wie überall sonst im Land. Die direkte Bahnlinie müsse bald gebaut werden. (sda/ad)