Die Hotelübernachtungen im Schweizer Alpenraum sind im Tourismusjahr 2017 um 4.7Prozent gewachsen. Dieses sehr gute Resultat stehe im Kontrast zu 2016, als die Logiernächte noch um 1.9 Prozent zurückgingen. Das Jahr 2016 bildet damit den vorläufigen Tiefpunkt einer längeren Abwärtsbewegung. Im aktuellen «BAK Top Index» 2016, dem internationalenVergleich der Performance im alpinen Tourismus, büssen jedoch die Schweizer Destinationen seit 2007 im Schnitt 21 Plätze im Ranking ein, davon 5 Ränge allein von 2015 auf 2016. Die Erholung im Tourismusjahr 2017 und die sehr gut angelaufene Wintersaison 2018 bringen eine Entlastung für den unter Druck stehenden alpinen Tourismus in der Schweiz. Damit bestehe nun die Chance auf eine nachhaltige Trendumkehr, schreibt die BAK Economics AG in einer aktuellen Medienmitteilung. 

Im Gegensatz zu 2016 habe sich dasjüngste Tourismusjahr2017 erfreulichentwickelt, heisst es weiter. Die Zahl der Hotelübernachtungen im Schweizer Alpenraum konnte deutlich gesteigert werden (+4.7%), wozu hauptsächlich eine starke Sommersaison beigetragen habe (+6.4%). Aber auch die Wintersaison verzeichnete ein spürbares Plus in der Zahl der Logiernächte (+2.6%). Auch für die weitere Entwicklung bestehen Anzeichen für einen gewissen Optimismus: Die Abwertung des Frankens in der zweiten Jahreshälfte 2017 sollte für zusätzliche Entspannung sorgen.

Erfreulich sei dabei, dass die Übernachtungen von Gästen aus dem klassischen Herkunftsmarkt Westeuropa erstmals seit 2013 wieder angestiegen sind (+1.8%). Auch die Nachfrage aus den Fern-und Wachstumsmärkten habe sich nach dem schwachen Tourismusjahr 2016 wieder sehr dynamisch entwickelt. Neben den bereits genannten Gründen dürfte dies auch an der weniger stark ausgeprägten Angst vor Terror sowie an der Normalisierung der Visavergabe liegen. Jedoch bleibe vorerst unklar, ob die Entwicklung 2017 einenachhaltige Trendwende oder lediglich einenRebound-Effekt nach den besonders schwachen Vorjahrendarstelle. Es bestehe zumindest die Hoffnung, dass die strukturellen Anpassungen der letzten Jahre in Zukunft Früchte tragen.

Das Bild des alpinen Tourismus, das sich noch vor einem Jahr gezeigt hat, war ein völlig anderes. Die abrupte Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015 nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat auch noch im Tourismusjahr 2016die touristische Nachfrage im Schweizer Alpenraum markant gebremst. So hat sich die Zahl der Hotelübernachtungen um minus 1.9 Prozent reduziert, wobei die Stagnation in der Sommersaison (-0.2% gegenüber Vorjahressaison) die besonders schwache Wintersaison (-4.0%) nicht auszugleichen vermochte. Die negativen Auswirkungen der Wechselkursänderungen zeigen sich an einem starken Rückgang der Nachfrage von ausländischen Gästen (-4.7%), wohingegen die Zahl der inländischen Gäste leicht zugelegt hat (+0.7%).

Kleinwalsertal erfolgreichste Destination im Tourismusjahr 2016
Gemäss dem «BAK Top Index»2016 –einem internationalen Vergleich der erreichten Leistung im Alpinen Tourismus –istdas Kleinwalsertal die erfolgreichste Destination im Alpenraum.Die Vorarlberger Destination war bereits in den Vorjahren regelmässig unter den ersten fünf Plätzen zu finden. Dank hervorragend ausgelasteter Kapazitäten und einer sehr guten Ertragskraft erobert das Kleinwalsertal nun die Spitzenposition von Luzern, welches auf den 5. Rang zurückfällt. Hauptgründe dafür sind eine deutlich schwächere Entwicklung der Logiernächte und eine niedrigere Auslastung. Trotzdem bleibt Luzern die beste Schweizer Destination.

Der österreichische Tourismus dominiert das Ranking des «BAK Top Index» für das Winterhalbjahr2016. Insgesamt sind 11 österreichische Destinationen unter den Top 15, darunter auch auf allen Podestplätzen:DasWinter-Ranking wird von der Vorarlberger Destination Lech-Zürs angeführt, welche sich seit 2007 unter den ersten drei Positionen befindet. Die Kombination aus sehr attraktivem Skigebiet und hochwertigem Beherbergungsangebot generiert dort konstant hohe Preise und hervorragend ausgelastete Kapazitäten. Die weiteren Podestplätze gehen mit Tux Finkenberg und der Skiregion Obertauern ebenfalls an Österreich. Wie bereits im Vorjahr schafft es aus der SchweizkeineDestination in die Top 15 der Wintersaison.Beste Schweizer Destination ist Verbier abgeschlagen auf dem 25.Rang. Besonders in der Wintersaison hat das hohe Preisniveau der Schweiz einen negativen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der Destinationen.

Luzern führt das Ranking im Sommer an
Die Performance unterscheidet sich deutlich zwischen Winter und Sommer. So wird im Sommer die Spitzenposition von einer Schweizer Destination gehalten: Luzern konnte dank ihrer hohen Dichte an Attraktionspunkten, ihrem städtischen Charakter sowie der ausgezeichneten Lage am Vierwaldstättersee die Top-Position im Sommer 2016 abermals verteidigen.

Mit Weggis und Interlaken befinden sich zwei weitere Schweizer Destinationenim Ranking der Top 15 Sommerdestinationen. Im Weggis zeigt sich vor allem die Entwicklung der Hotelübernachtungen als Haupttreiber für den Erfolg. Die Übernachtungszahl von Gästen aus Asien hatsich dortseit 2014 mehr als verdoppelt. Interlaken profitiert insbesondere vonseiner ansprechenden Lage undder erfolgversprechenden Kombination «Berge & Seen», was sich auch in der zweithöchsten Sommerattraktivität des Samples ausdrückt. (htr/og)


Der BAK Top Index
Im Rahmen des Projekts «Internationales Benchmarking Programm für den Schweizer Tourismus» analysiert BAKEconomicsmit Unterstützung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO)und im Auftrag der wichtigsten Schweizer Ferienregionen (BE, GR, TI, VS, VD, ZS) regelmässig die touristische Performance und Wettbewerbsfähigkeit.Betrachtet werden rund 150 alpine Destinationen und 40 alpineRegionen des europäischen Alpenraumes, rund 45 europäische Städtesowie30 Schweizer Ausflugs-Destinationen.

Um den Erfolg von alpinen Destinationenzu messen und internationalzu vergleichen, wird der «BAK Top Index» verwendet. Eine Kennzahl, die sich aus der Entwicklung der Marktanteile, der Auslastung der Hotellerie und der Ertragskraft einer Destination ergibt. «BAK Top Index» zeigt die relative Positionierung einer Destination innerhalb des Samples und bewertet den Erfolg einer Destination im Schulnotensystem. Ein Wert von 6 stellt das Maximum, ein Wert von 1 das Minimum dar. Der Mittelwert aller Destinationen im Alpenraum beträgt 3.5.