«Im Moment gibt es eine sehr starke Nachfrage nach Plexiglas-Abtrennungen. Grund sind neue Regeln der Behörden, die räumliche Distanz von Angestellten und Kunden in Geschäften verlangen», erklärte Pierre-Alain Nicati, Eigentümer der Firma Plastiglas aus Hauterive im Kanton Neuenburg, gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Der Umsatz seines Unternehmens hat in den letzten Wochen denn auch stark zugenommen.

«Wir haben neue Kunden, die Schutz vor dem Coronavirus suchen», bestätigt auch Aurélien Vassort, der für die Aargauer Firma Novoglas arbeitet. Verstärkt werde der Trend derzeit noch dadurch, dass viele Geschäfte oder Restaurants wegen der Öffnung ab Montag nun Wände aus Plexiglas errichten wollten. Das Unternehmen habe in den letzten Wochen daher ein Umsatzplus von 20 Prozent verzeichnet.

«Kurzfristiges Strohfeuer»
Das sorgt bei den beiden Unternehmen allerdings nicht nur für Freude. Einerseits dürfte es sich beim Anstieg nämlich bloss um ein «kurzfristiges Strohfeuer» handeln. Eine längerfristige Nachfrage werde – vor allem über das Abklingen der Pandemie hinaus – kaum entstehen, hiess es.

Andererseits fällt es den Firmen teilweise schwer, die Nachfrage zu befriedigen, so etwa Novoglas. «Wir sind in der Schweiz derzeit von einer Rohstoffknappheit betroffen, wobei das Problem auch in anderen Ländern zu beobachten ist», sagte Vassort. So gebe es etwa auch in Deutschland, Italien oder Spanien Lieferengpässe.

Diesbezüglich gar von einer «Katastrophe» spricht Julien Valceschini. Er ist Chef der in Yverdon ansässigen Firma Formoplast. Allerdings habe seine Firma Glück gehabt. Da er mögliche Engpässe vorausgesehen habe, habe er 15 Tonnen Acrylglas rechtzeitig im voraus bestellt. Nun hat er einen Vertrag mit «einem grossen Detailhändler» an Land gezogen.

Leere Bestände
Die Lieferengpässe und inzwischen geleerten Lager führen bei den befragten Firmen aber auch zu schwierigen Abwägungen. Sie möchten ihre Stammkundschaft nicht verärgern. Die Kunden, von deren Aufträgen man in normalen Zeiten lebe, dürfe man nun nicht mit Lieferverzögerungen verärgern, warnte etwa Plastiglas-Chef Nicati.

Wie gross die Knappheit tatsächlich ist, zeigt übrigens eine Anfrage bei Notz Plastics aus Brügg im Kanton Bern. «Die Lieferzeit beträgt derzeit vier Wochen, wohingegen das Material normalerweise innerhalb eines Tages verfügbar ist», erklärt Alessandro Madoro, Verkaufsleiter des Unternehmens, das zum deutschen Stahlkonzern Thyssenkrupp gehört. (awp sda)