Die Billigairline Norwegian Air Shuttle berät am Mittwoch mit der Regierung in Oslo über mögliche Hilfen. Ein Treffen per Videokonferenz mit dem Verkehrsministerium sei auf Initiative der Gewerkschaft Parat einberufen worden, erklärte ein Regierungsberater. Norwegian hat seine Flotte nahezu stillgelegt und 90 Prozent seiner Mitarbeiter vorübergehend freigestellt. Die Billigairline hofft auf Unterstützung nach dem Vorbild von Scandinavian Airlines (SAS).

Die dänisch-schwedische Fluggesellschaft wird von ihren Eignerstaaten mit einer Kreditgarantie über umgerechnet 270 Millionen Euro gestützt. Die Finanzminister beider Länder hatten am Dienstag erklärt, sie seien zu allen Hilfen bereit, um SAS vor einer Pleite durch die Corona-Krise zu bewahren.

Einbruch bei Passagieren
Weltweit haben Airlines den Flugbetrieb auf ein Minimum zurückgefahren und arbeiten an Kostensenkungsplänen. Die Ratingagentur Standard & Poor's schätzt, die Fluggastzahl weltweit werde in diesem Jahr um 30 Prozent einbrechen und sich erst 2022 oder 2023 auf den Vorkrisenstand erholen.

«Die Luftfahrtindustrie steht am Rande des Zusammenbruchs, da Regierungen grosse Gruppen der Bevölkerung in Quarantäne schicken und Grenzen schliessen», erklärte Helane Becker, Branchenexpertin von der US-Investmentbank Cowen.

Staatliche Unterstützung könnte auch bei der Lufthansa notwendig werden, hatte Vorstandschef Carsten Spohr in der vergangenen Woche erklärt. Als erste Airline der Gruppe bat Brussels Airlines die belgische Regierung um Finanzhilfe, erklärte eine Sprecherin in Brüssel. Darüber wurde am Mittwoch mit dem Verkehrsministerium beraten.

Nach einem Bericht der belgischen Zeitung «Tijd» benötigt Brussels 200 Millionen Euro. Konzernschwester Swiss erklärte, sie wäre gezwungen, alle Flugzeuge am Boden zu lassen, wenn sie noch mehr Länder nicht mehr anfliegen könne. «Wir bräuchten dann finanzielle Unterstützung der Schweiz, um die Situation zu überbrücken und damit wir den Flugbetrieb wieder aufnehmen können, wenn sich die Lage verbessert hat», erklärte ein Sprechern.

Auch Swiss-Chef Thomas Klühr hofft wegen der drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf Staatshilfe. «Ich zähle darauf, dass der Bundesrat weiss, was die Schweiz an ihrer Airline hat», hatte er dem «SonntagsBlick» gesagt. Kaum eine Fluggesellschaft werde die Corona-Krise ohne staatliche Hilfe überleben. Wenn sich die Situation weiter verschärfe, werde die Swiss alle Flugzeuge am Boden lassen müssen und sei dann auf Staatshilfe angewiesen.

Neues Geld für Alitalia
In Italien hatte die Regierung am Dienstagabend der staatlichen, defizitären Fluggesellschaft Alitalia neue Finanzspritzen über 500 Millionen Euro zugesagt. In einem Dekret hiess es, der Staat werde die Kontrolle über Alitalia wieder übernehmen und den laufenden Verkaufsprozess auf Eis legen.

Die Airline wird seit Mai 2017 mit staatlicher Finanzhilfe am Leben erhalten. Im vergangenen Jahr hatten sich Übernahmegespräche mit der US-Airline Delta, der italienischen Eisenbahn Ferrovie dello Stato und dem Infrastrukturkonzern Atlantia zerschlagen. Auch die Lufthansa war zeitweise im Gespräch über ein Engagement bei Alitalia. (awp sda reu)