Im besten Obwaldner Dialekt eröffnete am vergangenen Mittwoch der humanoide Roboter «Pepper» den 1. «Gastro Trend Days» der Hotel & Gastro Union. Zum Thema «Roboter – Fluch oder Segen im Gastgewerbe?» trafen führende Experten der Robotik mit Vertretern aus der Hotellerieund Gastronomie. Diskutiert wurde die Roboterisierung der Gastrowelt. StephanKlapproth moderierte mit Witz, Charme und spitzer Zunge.

Roboter werden Jobs wegnehmen
Heute sind Roboter imOperationssaal nicht mehr wegzudenken, und es gibt auch schon erste Umsetzungenin der Gastronomie, wie etwa der 3D-Drucker. Laut Eugen Elmiger, CEO von Maxon Motor AG in Sachseln, werden Roboter bestimmtmanche Jobs wegnehmen. Anderseits werden neue Jobs geschaffen. Zudem bietenRoboter auch Lebensqualität, wie es das Beispiel mit den Gehhilfen für Querschnittgelähmtezeigt. Allerdings relativiert Elmiger den Einsatz von Robotern inder Gastronomie: «Man sieht Robotern keine Leidenschaft an. Es dauert nochJahrzehnte, bis intelligente Maschinen dem Hotelpersonal die Jobs ernsthaftstreitig machen können».

Als einerder ersten Hoteliers hat Roger Langhout ist General Manager bei Marriott im belgischen Gent den humanoiden Roboter Mario angestellt. Die gesamteMarriott-Kette blickt mit grossem Interesse nach Gent. Gibt es «Mario»demnächst in allen Marriott-Hotels? Langhout: «Ich frage mich immer wieder,wie ich das Gästeerlebnis in meinem Betrieb verbessern und den Vorsprung gegenübermeinen Mitbewerbern halten kann. Die Einführung von ‹Mario› war einesehr erfolgreiche Massnahme dafür. Die Gäste lieben ‹Mario›». Er sei zur Unterhaltungder Gäste da. «‹Mario› wird aber nie Arbeitsplätze ersetzen können». Immerhinunterhielt er die 250 Tagungsteilnehmenden mit Tanzeinlagen.

Weltneuheit: Feine Pasta aus dem 3D-Drucker
Melanie Senger, Mitbegründerin der Print2Taste GmbH, präsentierte ihren 3D-Food-Drucker.Er produziert Schriften, Objekte und selbst Selfies mit Schokoladeoder anderen fliessbaren Nahrungsmitteln. Als Weltneuheit wurde der Druck vonPasta mit individueller Beschriftung präsentiert.

Zum Start vom «Reality Check» erzählte Thomas Niederberger von der Mexan AG über seine Erfahrungenim Henn-na-Hotel in Japan, das er als Tourist letzten Dezember besuchthat. In diesem Roboter-Hotel wird alles von sprechenden und fahrenden Roboternerledigt. Ein Concierge auf Rollen erfüllt die Wünsche der Gäste und begleitetsie samt Gepäck aufs Zimmer. Im Zimmer beantwortet ein Roboter Fragen.Niederberger: «Das war spannend, aber zugleich unbehaglich. Mir fehlten dieEmotionen, die Menschen».

Roland Siegwart, Robotik-Experte und Professor an der ETH Zürich stuft Roboter heute noch alsstatisch ein. Sie müssen verstehen und lernen können. Wenn das passiere,könnte der Roboter eine Gefahr für die Mitarbeiter des Gastgewerbes werden. «Derzeit sind Roboter noch nicht effizienzsteigernd. Sie können auch nicht aufspezifische Kundenwünsche eingehen. In naher Zukunft werden sie aber repetitive,klar definierbare Prozesse übernehmen: die Reinigung von grossflächigenBöden, Check-Ins, Botendienste und Ähnliches. Feinmotorische Aufgaben wieStaubwischen oder Speisen anrichten – davon ist der Roboter noch weit entfernt».Auf jeden Fall sei er aber eine Attraktion.

Umfrage: Viele Lernende sehen Roboter als Konkurrenz
In der repräsentativen Lehrlingsbefragung der Hotel & Gastro Union beantwortetenüber 5'600 Lernende unter anderem Fragen zum Roboter. Dabei zeigt sich:Jeder dritte Lernende hat etwas Angst vor Robotern. Die eine Hälfte sieht Roboterals Konkurrenz, die andere Hälfte als Ergänzung. Lernende der BereicheHauswirtschaft, Administration und Bäckerei haben mehr Bedenken von Roboternals jene, die ihre Ausbildung in der Restauration und in der Küche absolvieren. (Über weiteren Auswertungen der Befragung berichtete htr.ch hier).

So kamen zahlreiche Teilnehmer mit Sorgen um ihre berufliche Sicherheit anden «Gastro Trend Day». Esther Lüscher, Präsidentin der Hotel & Gastro Union,verabschiedete die Teilnehmer mit optimistischen Worten: «Mitarbeiter sind dieSeelen der Gastrobetriebe. Was Emotionen und Herz anbelangt, sind uns Roboteruns noch sehr lange unterlegen». (htr/npa)