Matthias Ramer, Sie sind Hotelier und seit fünf Jahren als Parteiloser Mitglied des Gemeinderats von Aeugst am Albis. Warum dieses Engagement?

Ich wollte meinen Horizont erweitern und Menschen kennenlernen, mit denen man im Hotelieralltag nicht in Kontakt kommt. Und es war mir ein Anliegen, der Bevölkerung den Tourismus näherzubringen.

Wie reagierten die Menschen in Aeugst auf die Kandidatur eines Hoteliers?

Man glaubte anfänglich, ich sei als Hotelier zu beschäftigt, um mich politisch zu engagieren. Aber diese Vorbehalte zerstreuten sich rasch. Wir Hoteliers haben gerade im Umgang mit den verschiedensten Menschen grosse Fähigkeiten. Zudem können wir organisieren und meinungsbildend sein. Ich erlebe es in den Kommissionen und Arbeitsgruppen, wie die Leute Tourismus plötzlich interessant finden. Gerade letzte Woche hatten wir im Bezirk ein Treffen zum Thema Gemeinde-Kooperationen, und da waren die 12'000 Chinesen in Luzern ein grosses Thema. Da konnte ich mich einbringen und erklären, wie die Schweiz vom Tourismus profitiert, und dass grosse Reisegruppe leichter zu kontrollieren sind als die vielen, die über Airbnb zu uns kommen.

Was lernen Sie von der politischen Arbeit?

Man sagt, in der Ruhe liege die Kraft, und es stimmt. In unserem politischen System drehen sich die Räder nicht so schnell. Dafür nimmt man es genauer, geht mehr ins Detail. Und ich lernte, wie wichtig es ist, dass man alle ins Boot holen kann, nicht nur eine gewisse Gruppierung.

Warum engagieren sich so wenige Hoteliers und Touristiker auf politischer Ebene?

Der Hotelier tut sich schwer damit, sich politisch und vor allem parteienpolitisch zu outen. Er fürchtet, dass das nicht gut ankommt. Genau das Gegenteil ist der Fall! Man wird extrem positiv wahrgenommen. Wenn wir als Branche wahrgenommen werden wollen, müssen wir auch mitgestalten wollen – und das beginnt an der Basis. Ich erlebe es tagtäglich in unserem Bezirk, bei uns auf dem Land. Seit ich mich einbringe, ist Tourismus kein abstrakter Begriff mehr. Man ist jetzt zum Beispiel viel offener für Massnahmen bei der Standortförderung.

Wie viel Zeit investieren Sie in die politische Arbeit?

(lacht) Ich arbeite einfach noch zwanzig Prozent mehr.