Frage: Als schweizerische Hotelgruppe fragen wir uns, ob unsere Gesellschaftsstrukturen aus steuerlicher und wirt-schaftlicher Hinsicht ideal sind und 
ob die Verluste einiger sanierungsbedürftigen Betriebe die Steuerbelastung der Gruppe auch effektiv vermindern. Können Sie uns die dafür optimale Struktur aufzeigen?

Antwort: Die ideale Konzernstruktur hängt selbstverständlich von Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Lassen Sie uns Vor- und Nachteile einiger Grundvarianten aufzeigen.

Sanierungen innerhalb des Konzerns sind steuerlich am wirksamsten mit einer Stammhausstruktur - es resultiert folgender doppelter Steuereffekt: Steuerlich abzugsfähiger Sanierungsaufwand beim Stammhaus und Nutzung der Verlust­vorträge der Untergesellschaften für sieben Jahre.

Eine Gesellschaft für alle Hotelbetriebe
Befinden sich alle Betriebe in der derselben juristischen Person, profitiert man von geringen administrativen Kosten und Verluste des einen Betriebes sind mit den Gewinnen anderer Betriebe verrechenbar – nur der Nettogewinn wird besteuert. Gewinne aus Betriebsverkäufen sind steuerbar und können den Konzern finanziell belasten. Die betrieblichen Organisationsstrukturen ergeben sich nicht aus dem Gesellschaftsrecht und müssen daher selber kreiert werden. Es ist empfehlenswert, den Erfolg jedes Betriebes mit eigener Profitcenter-Rechnung oder eigenem Reporting regelmässig zu ermitteln.

Individuelle Betriebsgesellschaften
Individuelle Betriebsgesellschaften können entweder einen (Hotel) Betrieb oder mehrere Betriebe umfassen, welche nach bestimmten Kriterien wie Regionen oder Ähnlichkeit der Betriebe in eine Gesellschaft zusammengefasst werden. Diese Struktur bringt wirtschaftlich Vorteile mit sich: eigene Organisationseinheit für jede Gesellschaft (Verwaltungsrat und im Handelsregister eingetragene Führungskräfte), eigene Buchhaltung und damit Erfolgskontrolle, eigene Bestimmungen über allfällige Gewinnverwendung, Schutz im Konkursfall einer anderen Konzern­gesellschaft. Bei einem Verkauf einer Gesellschaft ist im Normalfall mit keiner hohen Steuerbelastung zu rechnen.

Natürliche Person als Aktionär verschiedener Gesellschaften
Sanierungen unter Gesellschaften können steuerlich das Pulverfass zum Explodieren bringen, und zwar dann, wenn es sich beim Aktionär der sanierenden und zu sanierenden Gesellschaften um eine natürliche Person handelt. Der Fiskus erkennt nämlich darin nichts anderes als eine geldwerte Leistung, welche in der Höhe der Sanierung beim Aktionär als Beteiligungsertrag besteuert wird. Das kann diesen teuer zu stehen kommen.

Sanierung durch Holdinggesellschaft
Entgegen der oben beschriebenen Situation bei einer personengeführten Gruppenstruktur führt eine Sanierung in einer Holdingstruktur innerhalb der Schweiz nicht zu unangenehmen Steuerrisiken. Bei Holdingstrukturen fallen Sanierungsleistungen an Tochtergesellschaften steuerlich oft ins Leere, weil die sanierende Holdinggesellschaft aufgrund des Holdingstatus und des Beteiligungsabzuges weitgehend von Gewinnsteuern befreit ist. Die Steuervorlage 17 soll unter anderem das umstrittene Holdingstatut beseitigen, der Beteiligungsabzug im Konzern bleibt jedoch weiterhin bestehen und damit auch die Unwirksamkeit solcher Sanierungen. [IMG 2]

Sanierung durch Stammhaus
Ideal ist die Struktur, wenn ein rentables Stammhaus (Obergesellschaft mit gewinnträchtigen Betrieben) die Tochter- oder Enkelgesellschaften saniert. Einerseits schmälert der Sanierungsbeitrag den Gewinn des Stammhauses, andererseits wird diese Sanierung bei den Untergesellschaften als Kapitaleinlage betrachtet und schmälert somit den für sieben Jahre nutzbaren Verlustvortrag nicht.

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