Das sagte Unia-Präsidentin Vania Alleva am Donnerstag vor den Medien in Bern.Die Gewerkschaft kritisiert die Ausdehnung der Öffnungszeiten generell, weil dies die Arbeitsbedingungen für die Verkäuferinnen und Verkäufer verschlechtern würde.

Schon heute seien die Verkaufsangestellten nur schlecht vor langen Arbeitstagen geschützt. Die Hälfte von ihnen unterstünden keinem Gesamtarbeitsvertrag. «Aber auch die existierenden GAV schützen kaum vor überlangen Arbeitstagen», sagte Alleva. Die Unia habe daher in der Anhörung gefordert, dass die Ladenöffnungszeiten zumindest an einen allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrag geknüpft würden. Dieser Vorschlag sei jedoch nicht auf Gehör gestossen.

Geschäft war im Ständerat umstritten
Der Nationalrat diskutiert das neue Ladenöffnungsgesetz am kommenden Montag.Dieses würde die Mindestöffnungszeiten in den Kantonen vereinheitlichen:Werktags dürften die Läden von 6 bis 20 Uhr und samstags von 6 bis 18 Uhr beziehungsweise 19 Uhr geöffnet haben.

Im Ständerat war das Geschäft in der Herbstsession äusserst umstritten: Mit Stichentscheid des Ratspräsidenten entschied die kleine Kammer, nicht auf die Vorlage einzutreten. Die Nationalratskommission hingegen möchte zustimmen.

Die Unia stellte an der Medienkonferenz eine von ihr durchgeführte Umfrage vor.Die Resultate sind eindeutig: 96 Prozent der rund 2500 Befragten lehnen das neue Gesetz ab, nur knapp 2 Prozent stimmen zu. Zwischen der Deutsch- und der Westschweiz gibt es laut Unia kaum Unterschiede, ebenso wenig zwischen Kantonen mit stark liberalisierten und solchen mit eher eingeschränkten Öffnungszeiten.

Tessin stimmt am Sonntag ab
Einen weiteren Stimmungstest gibt es bereits am kommenden Sonntag. Dann stimmt das Tessin über ein Referendum ab, das sich gegen die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten stellt. Ergriffen hat es die Tessiner Sektion der Gewerkschaft Unia. Gegen sie wendet sich die Kantonsregierung, der Einzelhandel und Tourismusverbände.

Ausländer ins Tessin zu locken, ist unter anderem das Ziel der lokalen Tourismusverbände. Verlängerte Ladenöffnungszeiten könnten dabei ein entscheidendes «Verkaufsargument» für die Tessiner Destination darstellen, teilte Ticino Turismo mit. Gemäss einem Dekret des Tessiner Staatsrats ist das neue Gesetz an den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags für die Branche gebunden.

An der Medienkonferenz äusserten zudem Verkäuferinnen und Verkäufer ihre Ängste und Bedenken zum neuen Gesetz. Erfahrungen in Neuenburg – wo die Läden bereits länger geöffnet haben dürfen – zeigten, dass die Umsätze deswegen nicht gestiegen seien, dafür die Fixkosten wie Personalkosten höher ausfielen. «Ich bin Verkäuferin aus Leidenschaft und will die Kundschaft beraten», sagt eine.An Randzeiten blieben die Läden jedoch leer. «Rumstehen will ich nicht.» (sda/it)