Es ist etwas still geworden um Virtual Reality (VR). Zu teuer, zu wenig Content, hiess es neulich beispielsweise bei Hotelplan. Anstatt in den Filialen kommen die VR-Brillen des Reisekonzerns zukünftig nur noch auf Messen und Events zum Einsatz. Unbeeindruckt dessen treiben die IT-Konzerne die Entwicklung neuer VR-Anwendungen voran. So ermöglicht «Facebook Spaces» die Interaktion mit Freunden im virtuellen Raum und erfasst dabei sogar ihre Gestik. Bald soll auch die persönliche Mimik zuverlässig erkannt und von virtuellen Avataren realitätsgetreu wiedergegeben werden können. Insider rechnen damit, dass VR in zehn Jahren ausgereift und allgegenwärtig sein wird.

Zum Ferienersatz werden virtuelle Erlebnisse indes nicht, so der Konsens unter Experten. Im Gegenteil: Immersive Werbefilme geben den Konsumenten einen realistischen Vorgeschmack auf einen Ort, und wecken die Reiselust in ihnen erst recht. Was Geschäftsreisen angeht, gehen die Meinungen dagegen auseinander. Nüchterne Meetings und Konferenzen im analogen Raum könnten dank VR bald überflüssig werden, glauben einige. Aber erinnern wir uns zurück: Mit dem Aufkommen der Video-Telefonie kursierte schon einmal die Sorge, dass Geschäftsreisen zum Auslaufmodell werden könnten. Es kam anders. Denn trotz grosser Fortschritte bei Hardware, Software und Übertragungsbandbreite sind Video-Konferenzen bis heute eine ausgesprochen unpersönliche Angelegenheit. Nuancen der Körpersprache gehen bei der Übertragung verloren, die Unübersichtlichkeit nimmt mit der Anzahl Gesprächsteilnehmer zu. Wer spricht da gerade? Wie mache ich mich bemerkbar, wenn ich auch etwas sagen möchte? Gerade bei Gruppendiskussionen fallen sich einige gegenseitig ins Wort, während die Aufmerksamkeit der Unbeteiligten abdriftet. Hier könnte der Sprung in den virtuellen, immersiven 3D-Konferenzraum tatsächlich neue Möglichkeiten eröffnen.

Ersetzen wird Virtual Reality die analoge Welt der Geschäftstreffen trotzdem nicht. Denn wenn es ums Business geht, sind Konferenzen und Meetings nicht selten nur ein Nebenschauplatz. Sie dienen oft nur als Rahmen und Inspirationsquelle für das, was hinterher im Restaurant oder an der Bar stattfindet: das informelle Netzwerken von Angesicht zu Angesicht inklusive Alkohol, Lärm, Händeschütteln und der damit verbundenen zwischenmenschlichen Nähe. Erst hier entsteht Vertrauen – eine unerlässliche Zutat für jeden Geschäftsabschluss. Und Vertrauen lässt sich auch in zehn Jahren mit grosser Sicherheit noch nicht simulieren.