Immer wieder in den letzten Jahren hatten Hoteliers aus der Ostschweiz eine ÖV-Gratiskarte für Feriengäste gefordert – wie es sie in diversen Varianten in anderen Tourismusregionen schon länger gibt.

Nach dem Mindestkurs-Entscheid der Nationalbank im Januar 2015 wurden die Rufe nach einem solchen Angebot nochmals lauter – unter anderem verlangte Frank Bumann, Direktor von St. Gallen-Bodensee Tourismus, für Gäste aus dem Euro-Raum kostenlose Ostwind-Tageskarten als Sofortmassnahme.

«Oskar» im Juni gestartet
Im Mai 2016 lancierte dann der Verband Hotellerie Ostschweiz in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell Inner- und Ausserrhoden, Schaffhausen und Glarus eine Gästekarte namens «Oskar». Sie wird nur in denjenigen Hotels angeboten, die beim Projekt mitmachen.Profitieren können Gäste ab zwei Übernachtungen.

Gratis ist «Oskar» zwar nicht. Die Karte kostet pro Tag zehn Franken für Erwachsene und fünf Franken für Kinder. Sie ermöglicht aber die kostenlose Benutzung von Bergbahnen, Schifffahrtsbetrieben, einigen Museen oder Schwimmbädern und bietet vor allem freie Fahrt auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln der Tarifverbünde Ostwind und Flextax Schaffhausen.

Beim Start hiess es, man rechne damit, dass in etwa zwei Jahren 50 Hotels und über 100 Leistungsträger dabei sein werden. Besucht man nun die Internetseite des Angebots, dann finden sich nach knapp vier Monaten 14 Hotels, die ihren Gästen die Ostschweizer Gästekarte offerieren.

Das Interesse entspreche «ungefähr den Erwartungen», erklärte Urs Majer, Präsident von Hotellerie Ostschweiz, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Man habe mit einiger Anlaufzeit gerechnet:Wer greife in schwierigen Zeiten schon gerne in die eigene Tasche, begründete er.

Konkret zahlen die Hotels, die bei «Oskar» mitmachen, einen Franken pro Logiernacht für das Angebot – unabhängig davon, ob die Gäste die Karte nutzen wollen. Geplant ist weiter, dass sich der Kanton daran beteiligen soll.

Feriengäste sollen länger bleiben
Es heisse immer, die Feriengäste blieben zu wenig lange in der Ostschweiz, sagte Majer. Mit «Oskar» gebe es nun ein attraktives Angebot für Touristen, um die Region besser kennenzulernen. Vor allem an den Wochenenden sei die Auslastung vieler Hotels tief.

Mit Mailings sollen nun alle Gäste der «Oskar»-Hotels angeschrieben werden, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. Die Gästekarte gibt es bisher etwa im Hotel Krone im ausserrhodischen Speicher, im Hotel Seemöve in Güttingen (TG), im Rössli in Murg (SG), im Wellnesshotel Golf Panorama in Lipperswil (SG) oder in Alexanders Tödiblick aus Braunwald im Kanton Glarus.

Karte für St. Gallen-Bodensee
Nicht vertreten sind unter anderem Hotels aus der Stadt St. Gallen.Grund dafür könnte ein lokales zweites Projekt für eine eigene Gästekarte sein, das sich vor allem an Kongress- und Tagungstouristen richtet.

Mit der St. Galler Karte kann im Unterschied zu «Oskar» nur der öffentliche Verkehr in und um die Stadt St. Gallen bis zum Bodensee gratis genutzt werden. Dafür hätten die Touristen nach einer Vorlage des Stadtrats eine höhere Gasttaxe bezahlen müssen: 5 Franken statt wie bisher 2.50 Franken. Die Karte wäre allen Hotelgästen abgegeben worden.

Diese Erhöhung der Gebühren scheiterte allerdings letzte Woche im Stadtparlament. Der Grund: Mit den zusätzlichen Einnahmen wäre nicht nur die Gästekarte finanziert worden, sondern auch mehr Geld an die Tourismusorganisation St. Gallen-Bodensee geflossen. Dies lehnte eine knappe Mehrheit ab. Nun braucht es dafür einen neuen Anlauf. (sda/mma)