In den eidgenössischen Räten ist die Tourismusbranche krass untervertreten und deshalb darauf angewiesen, dass sich Politikerinnen und Politiker mit anderem Background für ihre Interessen einsetzen. In der derzeitigen Zusammensetzung gelten rund 20 Parlamentarierinnen und Parlamentarier als ausgesprochen tourismusaffin. Dazu gehört die Zürcherin Tiana Angelina Moser, die seit 2007 für die Grünliberalen im Nationalrat sitzt. Die Grünliberalen zählen zu den Gewinnern der kürzlich erfolgten Wahlen in den Kantonen Zürich und Luzern. [IMG 1]

Frau Moser, Sie engagieren sich in Ihrer politischen Arbeit unter anderem auch für den Tourismus. Woher stammt dieses Engagement?

Ich engagiere mich als Vorstandsmitglied von Zürich Tourismus, da Zürich eine fantastische Stadt ist. Sie bietet trotz ihrer bescheidenen Grösse im internationalen Vergleich eine enorme Vielfalt und Lebendigkeit. Der Tourismus bildet dabei einen Wirtschaftszweig, der für die Stadt Zürich wichtig ist und gleichzeitig grossen Veränderungen und Spannungen ausgesetzt ist. Das interessiert mich.

Wie dringlich ist für Sie ein neues Zürcher Kongresszentrum?

Ein neues Kongresszentrum ist für die Stadt Zürich zentral. Es ist bedauerlich, dass es seit Jahren nicht gelingt, ein mehrheitsfähiges Projekt auf die Beine zu stellen. Zürich wäre als wichtiger Wirtschafts-, Wissenschafts- und Bildungsstandort mit hervorragenden Verkehrsanbindungen dafür prädestiniert.

Stimmt der Eindruck, dass die Tourismus-Thematik in Ihrer Partei, den Grünliberalen, generell keine allzu grosse Rolle spielt?

Dieser Eindruck trügt. Wir anerkennen den Tourismus als wichtigen Wirtschaftszweig. Als liberale Partei sind wir aber nicht der Meinung, dass wir mit Steuergeldern Strukturerhaltung betreiben sollten. Wir stehen jedoch für gute Rahmenbedingungen, damit innovative Touristiker und Hoteliers sich in diesem sich verändernden Umfeld behaupten und auch von neuen Formen wie der Sharing Economy, die oft sehr nahe am Kunden sind, profitieren können.

In diesem Jahr wird das Parlament die Tourismusförderung beraten. Wie stehen Sie, wie steht Ihre Partei, zur allfälligen Erhöhung der Mittel?

Mit der neuen Tourismusstrategie wird ein starker Fokus auf die Digitalisierung und das Unternehmertum gelegt. Damit sollen innovative Ansätze gefördert und über Projekte die Nutzung der Chancen der digitalen Veränderungen ermöglicht werden. Für uns Grünliberale ist zentral, dass Veränderungsprozesse wo notwendig begleitet werden und nicht Strukturerhaltung betrieben wird. Dabei muss primär die Art und Weise des Mitteleinsatzes und nicht eine Erhöhung im Vordergrund stehen.

Welchen Tourismus wünschen Sie sich für die Schweiz?

Ich wünsche mir einen vielfältigen und innovativen Tourismus, der nahe an den Menschen und damit kundenorientiert ist. Einen Tourismus, der Veränderungen anpackt und diese als Chancen versteht. Einen Tourismus, der die Besonderheit unserer Natur und Landschaft und den Schutz unserer Lebensgrundlagen als integrativen Bestandteil versteht. Die Vielfalt und Besonderheit der Schweiz soll direkt erlebbar sein und auch über die Menschen in die Welt hinausgetragen werden. Alle glücklichen Besucherinnen und Besucher der Schweiz sind wichtige Botschafterinnen und Botschafter für unser Land.

Welche Anliegen oder Forderungen haben Sie an die Tourismusbranche?

Ich wünsche mir, dass die Branche Veränderungen noch mehr als Chance versteht und dies mit noch grösserer Offenheit angeht. (gn)