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olympische winterspiele
9.01.2017
Bündner Stimmvolk entscheidet wieder über die Gretchen-Frage
Das Bündner Stimmvolk muss zum zweiten Mal innert vier Jahren die Frage der Durchführung Olympischer Winterspiele beantworten. Für das Establishment aus Wirtschaft und Politik bedeuten die Spiele ein Investitionsprogramm für den Kanton.

Im März 2013 strandete eine in ihren Dimension nie dagewesene Pro-Kampagne für die Olympischen Winterspiele 2022 an der Urne mit einem Nein-Anteil von knapp 53 Prozent. Vier Jahre später, am 12. Februar, stellt sich dem Stimmvolk die Bündner Gretchen-Frage erneut. Diesmal geht es um die Kandidatur der Spiele im Jahr 2026.

Konkret steht ein Kredit von brutto 25 Millionen Franken zur Debatte für die knapp drei Jahre dauernde Kandidaturphase. Der Kanton soll neun Millionen Franken davon finanzieren, der Bund und Swiss Olympic sollen je acht Millionen Franken übernehmen.

Zweistufiges Verfahren
Die Bündner Kandidatur basiert auf einem zweistufigen Verfahren. Bei einem Ja des Stimmvolkes zum 25 Millionen-Kredit im Februar kann das Volk im Herbst 2018 nochmals abstimmen, und zwar über ein definitives Projekt sowie erneut über einen Kredit, dessen Höhe noch nicht feststeht.

Die aktuelle Kandidatur, in den Grundzügen entworfen von den Wirtschaftsverbänden und später übernommen von Kantonsregierung und Parlament, verteilt die Spiele auf mehrere Regionen. Das Konzept unterscheidet sich somit vom letzten, als für die Spiele von 2022 vor allem Davos und St. Moritz zum Zuge gekommen wären.

Zürich stark eingebunden – und kritisch
Sportwettkämpfe ausserhalb Graubündens ausgetragen werden sollen in Kloten, Zürich sowie in Einsiedeln (SZ) und Engelberg (OW). Zürich soll im olympischen Betrieb und in der Unterbringung generell eine wichtige Rolle spielen.

Unter anderem ist vorgesehen, dort das Medienzentrum einzurichten sowie ein Olympisches Dorf mit einer Kapazität von 2000 Personen. Auf dem Sechseläutenplatz sollen Medaillen übergeben werden. Gemäss Grobkonzept soll Zürich ausserdem über 17'000 Hotelbetten bereitstellen für Sicherheitsleute, freiwillige Helfer oder Besucher.

Der Zürcher Stadtrat äusserte sich dahingehend, dass er keine neuen Sportanlagen oder andere Infrastrukturen erstellen will, und Zürich nicht die Host City sein soll. Zudem will die Stadtregierung nicht im Organisationskomitee mitwirken. Eine etwas offenere Haltung nimmt die Zürcher Kantonsregierung ein, allerdings ohne irgendwelche Zusagen gemacht zu haben.

Ein «Investitionsprogramm»
Die Bündner Kandidatur, national in Konkurrenz zu einer Westschweizer Bewerbung, soll dem wirtschaftlich darbenden Kanton Schub verleihen. Graubünden wurde in den letzten Jahren von Entwicklungen getroffen, welche den Gebirgskanton zurückwarfen: Schwacher Euro, Krise im Wintertourismus, Preiszerfall auf dem Strommarkt, Zweitwohnungsinitiative.

Worum es der Bündner Wirtschaft und Politik bei der Kandidatur im Kern wirklich geht, fasste Volkswirtschaftsdirektor Jon Domenic Parolini vor dem Kantonsparlament mit dem Satz zusammen: «Olympische Winterspiele sind ein Investitionsprogramm für Graubünden.»

Zwängerei
Der Volkswirtschaftsdirektor weiss alle bürgerlichen Regierungsparteien von BDP, CVP, FDP plus die SVP hinter sich, dazu ein praktisch geschlossenes Kantonsparlament. Aus der Reihe tanzt als relevante politische Kraft einzig die SP.

Die SP betrachtet es als Zwängerei, nach dem Nein zu Olympia im März 2013 schon wieder eine Kandidatur zu lancieren. Die Spiele würden dem Volk von oben diktiert. Als störend empfinden es die Sozialdemokraten, dass die Wirtschaft, wo die Idee für die Spiele 2026 entstand, nichts an die Kandidaturkosten von 25 Millionen Franken zahlen will. (sda/npa)

  
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