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studie
13.02.2018
Die Zukunft der Schweizer Bergbahnen – eine Gratwanderung
Der Optimismus in der Schweizer Bergbahnindustrie ist gross, wie eine neu erschienene Studie von PwC Schweiz belegt. Dennoch besteht vielerorts erheblicher Handlungsbedarf.

Besucherschwund und steigender Konkurrenzdruck haben die Schweizer Bergbahnen fest im Griff. Doch trotz unsicheren Klimabedingungen und einem Überangebot im alpinen Raum blickt die Mehrheit der Bahnen (80%) optimistisch in die Zukunft, wie die erstmals erschienene Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) Schweiz «Bergbahnen – Geschäftsmodelle, Kooperationen und Digitalisierung» zeigt.

Als erste Studie überhaupt analysiert PwC Schweiz die heutige und zukünftige strategische Ausrichtung von 125 Bergbahnen in der Schweiz und Österreich (Vorarlberg und Tirol). Dabei treffen Mut und Innovationsgeist auf fehlende Positionierung und mangelnde Differenzierung, so die Studie. Der Optimismus schwinde, je kleiner das Bergbahnunternehmen und je stärker die Abhängigkeit vom Wintergeschäft.

Eine Branche steht im Wandel
Die Bergbahnen befinden sich inmitten einer Neuorientierung. Den Bahnen bleibe für gewöhnlich nur die Flucht nach vorn: 66% der Umfrageteilnehmer erachten den Strukturwandel als unausweichlich. Die Hälfte der Befragten wollen ihr Geschäftsmodell gar grundlegend transformieren. Traditionelle Konzepte würden den zukünftigen Anforderungen mit wandelnden Kundenbedürfnissen und einem alpinen Überangebot immer weniger gerecht.

Ohne klares Profil kein Grip
Die Herausforderungen sind laut Studie umfassend: Wetter, Währung, Wirtschaft, Wettbewerb, Kosten- und Innovationsdruck. Eine fehlende Positionierung und Differenzierung wird nach dem Klimawandel als Hauptherausforderung genannt.

Bruno Räss, Partner Wirtschaftsprüfung PwC Schweiz dazu: «Im Sinne einer klaren Positionierung müssen sich die Bergbahnen auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren. Das erfordert Mut, gewisse Zielgruppen zu vernachlässigen. Die hohe Priorisierung der Positionierung zeigt klar, dass ein erheblicher Nachholbedarf in der Bergbahnbranche besteht.»

Die kleinsten sowie die grössten Bergbahnen haben ihre Positionierung früher gefunden; kleine bis mittlere Unternehmen seien nach wie vor auf der Suche nach der richtigen Strategie. «Mittlere Bergbahnen gehen oft ein hohes Risiko ein, wenn sie ein integriertes Leistungspaket anstreben. Ob sie im direkten Wettbewerb mit den Grossen in Bezug auf Marktresonanz und Kostenstruktur mithalten können, bleibt fraglich», so Räss.

Hoffnungsträger Digitalisierung – der Kunde steht im Zentrum
Chancen erhoffen sich die Bergbahnen allen voran in der Digitalisierung. Dennoch warten die meisten Unternehmen vorerst ab, speziell die kleineren. Digitale Lösungen werden aktuell primär in der Kommunikation, bei Buchungen, für Gästeinformationen und in der Angebots- und Produktgestaltung verwendet. Der stärkere Fokus auf das Kundenerlebnis zeigen auch die Resultate zur Frage der Zukunftsgestaltung. Wichtiger als Infrastruktur oder Leistungsspektrum ist für die Bergbahnen die Kundendimension.

Roland Schegg, Director Wirtschaftsberatung und Studienautor, bestätigt diesen Trend und betont dabei die Bedeutung von Kooperationen: «Nur wer dem Kunden ein echtes und harmonisches Erlebnis am Berg liefert, wird neue Märkte erschliessen und die Skierdays sowie Margen steigern können. Dafür müssen Berg- und Skiregionen noch stärker über das gesamte Leistungsspektrum wie Bahn, Gastronomie, Beherbergung etc. zusammenarbeiten.» (htr/pt)

  
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