Am 13. November überreichten Mitglieder der Icomos-Jury dem Hotel Chasa Chalavaina in Müstair, Graubünden, die Auszeichnung «Historisches Hotel des Jahres 2024». Die Jubilarin «Kronenhalle» in Zürich ist das «Historische Restaurant des Jahres 2024». Zudem erhält die Spanische Weinhalle in Burgdorf, Bern, den Spezialpreis 2024. 

«Der Schweizer Tourismus braucht dichte und spannende Geschichte(n), um für die Zukunft gerüstet zu sein», erklärt Martin Nydegger, Direktor Schweiz Tourismus, in seiner Ansprache. «Unsere historischen Hotels und Restaurants im ganzen Land leisten hier einen wichtigen Beitrag».

Solch aussergewöhnliche Häuser und Betriebe kürte die Icomos-Jury auch in diesem Jahr. «Wir dürfen uns in der Schweiz überaus glücklich schätzen, dass nicht nur die grosse Liebe und eine hohe Qualität bei der Zubereitung von Speisen, sondern auch der sorgfältige Umgang mit unserem baukulturellen Erbe eine grosse Tradition und Wertschätzung besitzt», sagt Präsident von Icomos Suisse Niklaus Ledergerber. [RELATED]

Das Hotel Chasa Chalavaina: ein genuines Hotel
Mit der 1294 erstmals als Herberge erwähnten «Chasa Chalavaina» würdigt die Auszeichnung «Historisches Hotel des Jahres 2024» von Icomos Schweiz einen der ältesten Gasthöfe des Landes. Der im östlichsten Teil der Schweiz gelegene ursprüngliche Passgasthof in der Ortschaft Müstair verfügt über eine bewegte Geschichte: 1499 schwor Benedikt Fontana, ein Bündner Vogt und Ministerialer, dort seine Truppen für die Calvenschlacht – die sogenannte Battaglia da Chalavaina – ein. Dieses historische Ereignis verlieh der Chasa ihren Namen.  

In den 1960er-Jahren erfolgte die Wiedereröffnung als Hotel. Im Jahr 2022 übernahm die Stiftung Chasa Chalavaina den Betrieb. Die historische Substanz des Bauwerks wurde, wo nötig, aufgefrischt. Das Betriebskonzept überzeuge durch seine ausgeprägt regionale Verankerung, gelebte Gastfreundschaft und dem respektvollen Einbezug der Geschichte. Das Hotel Chasa Chalavaina erhielt deshalb auch das Partnerlabel der Biosfera Val Müstair.   

Das Restaurant Kronenhalle: eine Zürcher Institution
Die «Kronenhalle» ist eine Zürcher Institution, die durch das Lebenswerk der Patronin Hulda Zumsteg und ihres Sohnes Gustav zu einem einzigartigen Ort gewachsen sei. Die drei Speisesäle des Restaurants «Brasserie», «Chagall-Saal» und «Schweizergalerie», die Kronenhalle-Bar sowie die Fassade stehen seit einem grösseren Umbau der Liegenschaft im Jahr 1984 unter Denkmalschutz.

Mittlerweile führt die Hulda & Gustav Zumsteg-Stiftung das Restaurant, das 2024 sein 100-jähriges Bestehen feiert. Das «Gesamtkunstwerk Kronenhalle» sei eine lebendige Zürcher Institution sowie ein einzigartiger Ort, der durch Kontinuität und Konsequenz besticht. [IMG 2]

Die Spanische Weinhalle: eine vorbildliche Neubelebung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gründete eine spanische Weinhändlerfamilie die Spanische Weinhalle in Burgdorf, Bern. Das heutige originelle Betriebskonzept überzeuge durch die vorbildliche Verbindung von sozialem, ökologischem und kulturellem Engagement im Dienste einer historischen Einrichtung. [IMG 3]

Das Gebäude wurde einer hochwertigen Restaurierung unterzogen, so konnten unter anderem Dekorationen wieder hergestellt werden. Gleichzeitig fand die Integration von zeitgenössischen Elemente statt, um einen ordnungsgemässen Gastronomiebetrieb sowie den Fortbestand der Wohnungen zu gewährleisten. Nachhaltigkeit und Integration sind zentrale Eckpfeiler des Betriebes und würden das interkulturelle wie soziale Engagement und Flair des Betreiber-Ehepaares spiegeln. (mm)

Die Auszeichnung «Historische Hotel/Restaurant des Jahres», mit der jedes Jahr gastgewerbliche Betriebe für die Erhaltung und Pflege historischer Bausubstanz gewürdigt werden, wurde bereits zum 28. Mal in Folge verliehen. Sie basiert auf der Zusammenarbeit von Denkmalpflege, Gastgewerbe und Tourismus und wird getragen von den Fachverbänden Gastro Suisse, HotellerieSuisse, Schweiz Tourismus und Icomos Suisse, der Schweizer Landesgruppe des Internationalen Rats für Denkmalpflege.

Eine Jury, bestehend aus Expertinnen und Experten von Denkmalpflege, Architektur, Geschichte, Hotellerie und Restauration, kürt die Preisträger aufgrund der eingereichten Bewerbungen und nach Besuchen vor Ort. Die Auszeichnung wird jeweils im Herbst für das Folgejahr verliehen. Die Ausschreibung für das «Historische Hotel und Restaurant 2025» wird in den nächsten Wochen auf der Webseite von Icomos publiziert. Die Bewerbungsfrist läuft bis Ende Februar 2024.

icomos.ch


Nachgefragt bei Ulrich Veith, Gastgeber Chasa Chalavaina, Müstair

Ulrich Veith, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung Historisches Hotel von Icomos?
Für uns hat diese Auszeichnung eine grosse Bedeutung. Die Chasa Chalavaina und unser Konzept der Führung scheinen gut anzukommen. Das freut uns sehr. Durch diese Auszeichnung wird die Chasa Chalavaina sichtbarer und wir sind Teil einer beeindruckenden «Familie» von historischen Häusern.

Wird die Auszeichnung Ihre tägliche Arbeit beeinflussen?
Nach dieser schönen Bestätigung und diesem Zeichen der Wertschätzung für unser Haus und unser Tun halten wir am Konzept fest und setzen dieses auch in Zukunft konsequent um. In die tägliche Arbeit wird die Auszeichnung zum historischen Hotel des Jahres 2024 Einfluss nehmen, weil wir sicherlich mehr Gäste bewirten und ihnen eine schöne und erholsame Zeit bereiten dürfen.

Wann und aus welcher Motivation heraus haben Sie den Betrieb übernommen?
Wir haben die Chasa Chalavaina im Frühjahr 2022 übernommen und nach einer sanften Renovierung im Juni 2022 wiedereröffnet. Uns war es wichtig, dieses historische Haus direkt gegenüber dem Unesco Weltkulturerbe Kloster St. Johann als solches zu erhalten, es aber auch als Hotel weiterzuführen. Diese schönen historischen Räume sollen auch in Zukunft allen Interessierten offenstehen.

Hat sich der Grund für die Motivation seither verändert?
Eigentlich nicht. Die Erfahrungen des ersten Jahres haben bestätigt, dass diese Gründe genügend Motivation für eine professionelle Führung der Chasa Chalavaina liefern. Wir sind in unserer Einstellung noch konsequenter geworden und haben unsere Linie mit viel Einsatz umgesetzt. Ein einfaches, aber schönes historisches Haus mit einer beeindruckenden Ausstrahlung, nette Betreuung, Ruhe für einen guten Schlaf und Erholung und gutes Essen aus hochwertigen Bio-Produkten aus dem Val Müstair. Das ist das Hotel Chasa Chalavaina.

Müstair ist nicht grad im Einzugsgebiet einer Grossstadt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Das Val Müstair ist von der nächsten Grossstadt ziemlich weiter entfernt. Wir sind aber mit dem öffentlichen Verkehr sehr gut erreichbar. Der Naturpark Biosfera Val Müstair hält, was er verspricht. Das ist aus meiner Sicht das wichtigste Erfolgsrezept. Eine intakte Natur- und Kulturlandschaft, Ruhe, viele Möglichkeiten für Bewegung im Sommer und auch Winter und lebendige Kultur.

Gibt es Projekte, Ziele oder Zahlen, die sie gerne in der nächsten Zeit anpacken und umsetzen möchten?
Wir sind Partnerbetrieb des Naturparks Biosfera Val Müstair und werden in den kommenden Jahren daran arbeiten, die Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung noch konsequenten in unsere Entscheidungen mit einfliessen zu lassen. Unsere Gäste werden das spüren. Konkret umsetzen werden wir eine Verbesserung unserer Energieeffizienz durch den Austausch der Fenster und der Isolierung des Daches und die Erneuerung der gesamten Bäder in der Chasa Chalavaina.  


Nachgefragt bei Dominique Godat, Direktor Kronenhalle, Zürich

Dominique Godat, Sie sind vor drei Jahren in die Kronenhalle Zürich gekommen, wo seit jeher Prominenz aus Literatur, Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft aus aller Welt absteigt. Wie geht es Ihnen?
Danke, mir und der Kronenhalle geht es ausgezeichnet. Die Kronenhalle ist eine bald 100-jährige Institution mit einem klaren und lang bewährten Konzept und mit viel Tradition verbunden. Die Gäste sind sehr facettenreich und anregend, was mir auch sehr viel Spass bereitet. Viele Stammgäste der Kronenhalle waren auch bereits meine Gäste in St. Moritz.  

Was haben Sie in den vergangenen Jahren in der Kronenhalle bewegt? 
Die Kronenhalle war bereits gut aufgestellt, jedoch haben wir die Zeit während der Pandemie genutzt, alles zu hinterfragen und entsprechend organisatorisch zu optimieren. 

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Die Auszeichnung ist vor allem für unsere Mitarbeiter und speziell die vielen langjährigen Mitarbeiter wichtig, welche sich seit Jahrzehnten mit der Kronenhalle identifizieren und sich unermüdlich einsetzen, den guten Ruf der Kronenhalle weiter zu pflegen und zu stärken. 

Was sind die nächsten Ziele?
Die Bedürfnisse der Gäste ändern sich und auch hier müssen wir uns bewegen, um die Erwartungen unserer erfahrenen Kundschaft erfüllen zu können. Dies entspricht den Grundlagen, welche Hulda und Gustav Zumsteg festgehalten haben. Dazu kommt ein weiteres Leitmotiv: Qualität muss über allem stehen!