Das Maison Cailler in Broc FR, die meistbesuchte Attraktion der Westschweiz, soll in eine neue Sphäre aufsteigen. Mit einer Vergrösserung von 2'000 Quadratmetern auf 30'000 Quadratmeter wird es zu einem Themen-Freizeitpark umgewandelt. Er ist der Schokoladenherstellung und der Marke Cailler gewidmet.
Das 2022 vorgestellte Projekt wurde weiterentwickelt und ist bereit für die öffentliche Auflage. Die Kosten für die Umsetzung des Projekts werden auf 400 Millionen Franken veranschlagt. Die Investoren hoffen, 2027 mit den Arbeiten beginnen zu können. Eine erste Bauetappe soll im Laufe des Jahres 2030 abgeschlossen und eröffnet werden.
Wir wollen Broc zur Welthauptstadt der Schokolade machen – oder besser gesagt: wieder.
Olivier Quillet, Generaldirektor von Jogne Invest und Mitglied des Verwaltungsrats
Seit 125 Jahren
Das von der Firma Jogne Invest getragene Projekt zielt darauf ab, das kulturelle und industrielle Erbe des Standorts sowie die Schokoladenherstellung von Cailler in Broc im Greyerzerland aufzuwerten.
Die Fabrik zählt «zu den ältesten noch in Betrieb befindlichen Schokoladenfabriken der Welt, seit mehr als 125 Jahren», wie die Projektinitiatoren gerne betonen. «Wir wollen Broc zur Welthauptstadt der Schokolade machen – oder besser gesagt: wieder», verkündet Olivier Quillet, Generaldirektor von Jogne Invest und Mitglied des Verwaltungsrats.
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Der künftige Park soll jährlich eine Million Besucher anziehen, also mehr als doppelt so viele wie im Rekordjahr 2025. Die Aufenthaltsdauer soll sich von 1,5 Stunden auf 4 bis 6 Stunden erhöhen. «Das Ziel ist nicht, einen Vergnügungspark zu schaffen, sondern diesen Ort zu respektieren und die Schokoladenherstellung aufzuwerten», erklärt Daniel Bulliard, Verwaltungsratspräsident von Jogne Invest SA. Für Fleur Helmig, die derzeitige Direktorin von Maison Cailler, zielt dieses Projekt darauf ab, «das Erlebnis der Besucher zu bereichern». Sie sieht darin eine «natürliche und ehrgeizige Entwicklung».
Drei Hotels gegen Zimmermangel
Das Projekt umfasst drei Hotels verschiedener Kategorien. Dieses soll dem von den kantonalen Behörden festgestellten
Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten entgegenwirken und Touristen dazu animieren, länger im Greyerzerland zu verweilen», heisst es in einer Mitteilung. «Der Übergang vom Tagesausflugs- zum Aufenthaltstourismus, mit Übernachtungen als Ergebnis», fasst Olivier Quillet zusammen.
Kennzahlen
Geplante Eröffnung: 2030 (erster Teil des Projekts), anschliessend schrittweise Fertigstellung bis 2035 (Gesamtprojekt)
- Projektkosten: 400 Millionen Franken (200 Millionen für den Park und 200 Millionen für die Tiefgarage und die Hotels). Das Projekt wird von privaten Investoren finanziert, die hauptsächlich aus der Freiburger Wirtschaft stammen
- Investor und Betreiber des Standorts: Firma Jogne Invest
- Projektleitung und Entwicklung: Urban Project SA
- Rauminszenierung: BRC Imagination Arts und Jora Vision
-Anzahl der Beschäftigten: Schaffung von 300 Arbeitsplätzen (davon etwa 100 im Hotelbereich)
- Besucherzahl nach Fertigstellung: 1 Million (Maison Cailler: 482'428 Besucher im Jahr 2025)
- Projektfläche: 30'000 m² (derzeit 2000 m²)
- Hotelbereich: ein 3-Sterne-Hotel (120 Zimmer), ein 4-Sterne-Hotel (60 Zimmer), eine Jugendherberge (mit Schlafsälen für Gruppen)
Es handelt sich um ein 3-Sterne-Hotel mit 120 Zimmern, ein 4-Sterne-Hotel mit 60 Zimmern und eine Jugendherberge mit Mehrbettzimmer für Gruppen. Was den Betrieb angeht, «werden derzeit mehrere Szenarien geprüft, darunter auch die Zusammenarbeit mit Hotelgruppen», heisst es in der Pressemitteilung. Der Komplex wird zudem einen Wellnessbereich mit Schwimmbad, ein Seminarzentrum, Restaurants, Geschäfte und das Museum für Automobilinnovation beherbergen.
Parkplatz mit 700 Stellplätzen, Seilbahnen und sanfte Mobilität
Diese drei Hotels werden oberhalb des Schokoladenparks am Rande der Kantonsstrasse nach Charmey, im Ortsteil En Liaubon, liegen. Das langgestreckte Gebäude mit einem begrünten Dach soll sich bestmöglich in die Landschaft einfügen. Eine Tiefgarage mit 700 Stellplätzen ist geplant. Die derzeitigen Besucherparkplätze am Rande der Fabrik werden geschlossen.
Die Gemeinde ihrerseits achtet darauf, Emissionen für ihre 2900 Einwohner so weit wie möglich zu vermeiden. «Den Besucherverkehr von den Gemeindestrassen fernzuhalten, gehörte von Beginn des Projekts an zu den Anforderungen der Gemeinde. Es wurden entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet», erklärt Claude Cretton, Gemeindepräsident von Broc, der in diesem «grossen und wirkungsvollen» Projekt eine «Chance» sieht.
Eine Gondelbahn (8 bis 10 Plätze) wird die Besucher hinunter zum Eingang des Schokoladenparks bringen. Die Projektinitianten wollen jedoch den Langsamverkehr und die Anreise mit dem Zug fördern. Die Haltestelle Broc-Chocolaterie (mit direkter Verbindung ab Bern oder ab Lausanne mit Umsteigen in Romont) liegt direkt vor dem Parkeingang. «Wir planen Kombitickets mit der Bahn, die einen erheblichen finanziellen Vorteil bieten. Unser Ziel ist es, dass 50 Prozent der Besucher öffentliche Verkehrsmittel nutzen», erklärt Olivier Quillet.
Angepasstes und neu dimensioniertes Projekt
Im Rahmen der Vorprüfungsverfahren wurde das Projekt von den zuständigen Stellen und Kommissionen der Gemeinde Broc, des Kantons Freiburg und des Bundes sowie von Natur- und Umweltschutzorganisationen geprüft. Es wurde angepasst und berücksichtigt nun die verschiedenen Anmerkungen, betonen die Projektträger. Beispielsweise wurde der Neubau des heutigen Maison Cailler neu dimensioniert und zwei gegenüber dem Maison Cailler geplante Gebäude gestrichen.
Im Rahmen des Projekts werden mehrerer bestehende, denkmalgeschützte und derzeit leerstehende Gebäude saniert. Die öffentliche Auflage betrifft Änderung des Ortsplans (OP), die Erstellung eines Detailbebauungsplans (DBP)sowie zehn Baugesuche.
Das Maison Cailler wird während der Dauer der Bauarbeiten in Betrieb bleiben. In einer zweiten Phase wird es abgerissen und ab 2033 Platz für eine neue Architektur machen.
Nestlé unterstützt, finanziert aber nicht
Das 2018 ins Leben gerufene Projekt wird von privaten Investoren getragen. Die Firma Jogne Invest hat sich verpflichtet, den Park zu finanzieren, zu entwickeln und zu betreiben, während Nestlé Schweiz Eigentümer und verantwortlich für die Produktion der Cailler-Fabrik bleibt.
Nestlé stellt Jogne Invest die für die Entwicklung des Parks erforderlichen Flächen und Grundstücke zur Verfügung und gewährt ihr eine Lizenz zur Nutzung der Marke Cailler. Das Engagement von Nestlé spiegelt sich in seiner langfristigen Vision für das Werk in Broc wider, mit einer Investition von 9 Millionen Franken zur Modernisierung der Produktion der Fabrik.
Vom Kanton Freiburg wurde das Projekt als strategisch wichtig anerkannt. Die Freiburger Tourismusverband (FTV), verfolgt das Projekt ihrerseits als Mitglied des Vereins Gruyère-Chocolat aufmerksam. Dieser 2022 gegründete Verein hat zum Ziel, die Entwicklung des Projekts in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Raumplanung und Kommunikation zu begleiten. Neben der FTV gehören dem Verein die Firma Jogne Invest, der Regionalverband des Greyerzbezirks (RVG), die Fédération patronale et économique (FPE) und Nestlé Suisse an.
Impressionen ins Innere
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Ein neuer Rundgang zwischen Kulturerbe und Moderne
So dürfte der Rundgang für Besucher aussehen, sobald der gesamte Cailler-Schokoladenpark fertiggestellt ist, der schrittweise gebaut wird.
- Der Rundgang beginnt im neuen Maison Cailler. Dieses neue Gebäude ermöglicht es, in die Welt der Schokolade einzutauchen. Riechen, fühlen, schmecken, kreieren: Den Sinnen kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Workshops werden von Meister-Chocolatiers geleitet.
- Im Anschluss folgt ein Rundgang durch Gebäude aus dem Jahr 1898. In drei Sälen gibt es immersive Filmvorführungen (Intro-Show). Der abgespielte Film präsentiert die Welt der Marke Cailler, der ältesten Schweizer Schokoladenmarke auf dem Markt mit Gründungsjahr 1819.
- Mittels einer Fussgängerbrücke überquert man das Flüsschen Jogne und betritt die ehemaligen Maschinenhallen der Fabrik. Die Entdeckungsreise führt durch die Geschichte der Schokoladenherstellung, von den Azteken bis heute. Auch die historische Schokoladenproduktionslinie im Betrieb kann beobachtet werden. Diese Anlage aus den 1960er Jahren gilt als «ein Juwel der Schweizer Industrietechnik».
- Hingucker ist das Kakao-Gewächshaus, das riesigen Kakaobohnen nachempfunde Gewächshaus beim Eingang. Es verleiht dem Besuch «eine pädagogische, erlebnisorientierte und botanische Komponente». Im aus Glas und Metall erbauten Gewächshaus, bis zu 26 Meter hoch, wachsen echte Kakaobäume. Hier wird der Anbau von Kakaobäumen und die Herstellung von Gruyère-Milch, den Hauptzutaten der Cailler-Schokolade, dargestellt. Dieser Teil der Führung wird laut Olivier Quillet «ein spektakulärer und bezaubernder Moment» sein.
Der Rundgang führt weiter durch die Galerie, überquert die Jogne und verläuft dann entlang der Fassaden der Fabrik. - Anschliessend gelangen die Besucher zum Gebäude der Chocolate Experience, in dem sich unter anderem verschiedene Gastronomiebereiche befinden. In der Nähe bietet die vollständig restaurierte ehemalige Halle Symphonie Shows und Veranstaltungsräume, die in den Rundgang integriert sind. Der ehemalige Parkplatz wird einer Esplanade mit Aufenhaltsflächen, Veranstaltungsort und unterirdischem Gewerbe- und Infrastrukturbereich weichen
- Der Rundgang endet im Emporium du Chocolat, einem Bereich, der der Verkostung von Cailler-Spezialitäten nach Belieben gewidmet ist.
- Im Aussenbereich bietet eine Esplanade eine Reihe von öffentlichen Flächen, die für punktuelle Veranstaltungen wie Märkte, eine Winter-Eisbahn sowie ein Glockenmuseum genutzt werden können. Auch eine Fahrradstation ist vorgesehen. Das Gebäude, in dem sich die Bergstation der Seilbahn und der Ticketschalter befinden, wird auch ein «Flying Theatre» beherbergen, in dem man die schönsten Landschaften der Schweiz aus der Vogelperspektive erleben kann.
Dieser Artikel wurde aus dem Französischen übersetzt
