Roland Berger, wie schwierig ist es heute für ein 5-Sterne-Hotel in Familienbesitz, einen passenden Käufer zu finden?

Wir haben nicht aktiv gesucht. Die Käufer sind vor gut zwei Jahren auf uns zugekommen. Der gesamte Prozess ist dann über anderthalb Jahre hinweg organisch gewachsen. Es war uns wichtig, jemanden zu finden, der die Freude am Objekt teilt – ähnlich wie damals Jürg Opprecht.[RELATED]

Hinter der Käuferin steht die Fluxus Ventures AG in Baar. Welche Familie verbirgt sich dahinter?

Wir haben in den Gesprächen immer von zwei Hauptfamilien gesprochen, deren Namen ich jedoch nicht kenne. Die Beteiligten sind in dieser Hinsicht sehr zurückhaltend. Für uns war entscheidend, dass wir Vertrauen zu den handelnden Personen bei Fluxus Ventures aufbauen konnten.

Welche Kriterien gaben am Ende den Ausschlag für diesen Partner?

In den vielen Meetings über anderthalb Jahre hinweg haben wir gespürt, dass sie die Hotellerie als Ort verstehen, an dem Erlebnisse vermittelt werden. Sie schätzen die Kultur des Hauses und wie die Mitarbeitenden die Gäste betreuen. Sie wollen keine Revolution, sondern eine Evolution. Es geht darum, ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte der letzten 20 Jahre aufzuschlagen.

Alle Beteiligten sind sehr zurückhaltend mit Informationen.

Haben Sie andere Hotels von Fluxus Ventures besucht, um dies zu überprüfen?

Wie gesagt, sind alle Beteiligten sehr zurückhaltend mit Informationen. Deshalb kenne ich keine weiteren Hotels in deren Firmenbesitz.

Ein zentraler Punkt für die Belegschaft: Was passiert mit den Mitarbeitenden?

Alle Mitarbeitenden werden weiterbeschäftigt. Das war ein Kernpunkt der Verhandlungen. John van Oost, einer der beiden Verhandlungspartner bei Fluxus, hat immer wieder betont, dass die Menschen die Seele des Hauses ausmachen. Das ist eine grosse Verantwortung, die die neuen Eigentümer weitertragen wollen.

Im vergangenen Januar wurde bekannt, dass es personelle Wechsel in der Vierer-Geschäftsleitung gibt. Wie sieht die künftige Geschäftsleitung aus?

Das Modell der vierköpfigen Geschäftsleitung bleibt bestehen, aber es gibt zwei Neubesetzungen. Adriano Votta und Christian Burkhard verlassen das Unternehmen per 30. Juni. Ihre Nachfolge treten Sandra Schönmann, unsere bisherige Marketingleiterin, und Stefan Rauf an. Stefan Ruf ist ein Profi bezüglich Finanzen. Er war zuvor bei der FIS, dem Weltverband für Ski- und Snowboardsport, tätig.

Mein Ziel war es, dafür zu sorgen, dass der «Lenkerhof» in gute Hände kommt. 

In der Branche wurde gemunkelt, am «Lenkerhof» gäbe es einen Investitionsstau. Was sagen Sie dazu?

Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich nur die letzten drei Jahre betrachte, haben wir fast sechs Millionen Franken investiert. Bis auf sechs Zimmer sind alle Junior-Suiten auf dem neuesten Stand, die Küche ist komplett neu und auch der Spa wurde vor anderthalb Jahren renoviert. Das Haus ist in einer hervorragenden Verfassung.

Bleibt der «Lenkerhof» Teil von Relais & Châteaux?

Mit dem Verkauf ändert sich vordergründig nichts. Die Kooperation passt perfekt zu uns, da die Gastronomie einer der Pfeiler des Lenkerhofs ist. Was die neuen Eigentümer langfristig entscheiden, wird man sehen, aber aktuell gibt es keinen Grund für Korrekturen.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunft im Haus aus?

Mein Ziel war es, dafür zu sorgen, dass der «Lenkerhof» in gute Hände kommt. Ich begleite nun die Transformation und den Übergang, damit alles perfekt abläuft. Wie lange mein Beitrag danach noch gewünscht ist, hängt von den neuen Eigentümern ab. Mir ist wichtig, dass das Haus eine feste Grösse in der Schweizer Hotelszene bleibt.