In der Wirtschaftsregion Zürich hat die Zersplitterung der Verbandspolitik ein Ende. Über die IG Gastfreundschaft Zürich (IGZ) bündeln der Zürcher Hotellerie-Verein (ZHV), Gastro Kanton und Stadt Zürich, die Bar- und Clubkommission sowie Zürich Tourismus ihre politischen Kräfte. Das Ziel ist eine koordinierte Interessenvertretung, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Standortattraktivität gegen lähmende Regulierungen zu verteidigen.
Die Last der kumuliertenVorschriften
Der inhaltliche Kern der Zürcher Akteure liegt in der zunehmenden Regulierungsdichte. Ob Terrassenerweiterungen oder Umnutzungen: Oft blockieren sich Bau-, Lärm- und Gastgewerberecht gegenseitig, was zu aufwendigen Verfahren führt. «Das Problem ist nicht ein einzelnes Gesetz, sondern die Kumulation von Vorschriften. Diese sollten in der Praxis noch besser aufeinander abgestimmt werden», stellt FDP-Kantonsrat und Gastronom Yiea Wey Te fest. Diese Komplexität verzögert sinnvolle Anpassungen oder verhindert sie gänzlich. Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Kanton Zürich, ergänzt: «Kräfte bündeln signalisiert Einigkeit und Stärke. Wir können so einfacher und zielorientierter vernetzen und arbeiten.»
Die Interessen der gesamten Branche und der Unternehmen stehen im Zentrum – nicht die Profilierung der einzelnen Verbände.
Michael Böhler, ZHV-Präsident
Professionelle Struktur statt loser Austausch
Um politisch wirksam zu sein, hat die IGZ den früher rein projektbezogenen Austausch in eine strategische Struktur überführt. Ein systematisches Monitoring und ein externes Mandat für Koordination und Beratung stellen sicher, dass relevante Geschäfte in Stadt und Kanton mit der nötigen Systematik und Ausdauer verfolgt werden. Mikis Graf, dessen Public-Affairs- und Kommunikationsagentur Bertakomm die IGZ begleitet, sieht darin ein Vorbild für die Branche: «Die IGZ ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie es gelingen kann, dass autonome Verbände konstruktiv zusammenfinden und die Interessen der Mitglieder wirkungsvoll bündeln.»
Lösungsorientierte Haltung aller Partner
Entscheidend für den Erfolg dieser Plattform ist die lösungsorientierte Haltung der Partner. «Im Zentrum stehen die Interessen der gesamten Branche und der Unternehmen – nicht die Profilierung einzelner Verbände», betont ZHV-Präsident Michael Böhler. Ein messbares Resultat dieser Strategie ist die Gründung der parlamentarischen Gruppe «Zürcher Gastfreundschaft», die im Kantonsrat von rechts bis links breit abgestützt ist. Damit findet die Gastfreundschaft direkt Gehör in den politischen Entscheidungsprozessen über die Nutzung des öffentlichen Raums, Bewilligungsprozesse sowie die Weiterentwicklung der touristischen Attraktivität. «Veränderung braucht Zeit», sagt Böhler, «auch wenn Fortschritte nicht immer so schnell erfolgen, wie man es sich wünschen würde, konnten in verschiedenen Themenfeldern konstruktive Dialoge mit konkretem Nutzen für die Mitglieder etabliert werden.»
Zürcher Hotellerie-Verein (ZHV)
Der Zürcher Hotellerie-Verein wurde 1880 gegründet und übernimmt heute die Interessenvertretung der Branche gegenüber Politik und Behörden. Ziel sind Fachkräfteförderung, Nachhaltigkeit und Qualitätssicherung.
Region: Von Lachen (SZ) bis Schaff- hausen, vom Zürcher Oberland bis ins Limmattal, Stadt und Flughafen
Präsident: Michael Böhler (SUM Hospitality)
Geschäftsführerin: Yvonne Hiller
Mitglieder: 189 (davon etwa 160 Beherbergungsbetriebe)
Ausbildung: 69 Betriebe bieten insgesamt 161 verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten an.
Mehr Informationen: zhv.ch
Wenn Zusammenarbeit sogar Logos vermischt
Die enge Zusammenarbeit der Gastro- und Hoteliervereine hat auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung durch die Partner, wie folgende Anekdote zeigt. Der Zürcher Hotellerie-Verein hatte Züri-Tirggel, ein urtypisches Süssgebäck, mit dem neuen Logo als Give-away für eine Generalversammlung bestellt. Das neue Corporate Design des Zürcher Hotellerie-Vereins sollte als Backstempel verwendet werden. Als beim Event die Schachtel geöffnet wurde, stellte man fest, dass die Tirggel mit dem Logo von Gastro Zürich gebacken worden waren. In der Produktion wurden schlicht die Backstempel verwechselt. Was wie eine Panne wirkte, wurde zur humorvollen Bestätigung der gelebten Zusammenarbeit: Der zufällig anwesende Präsident von Gastro Zürich übernahm die Schachtel kurzerhand und verteilte das Gebäck passend weiter. «In Zürich sind die Grenzen zwischen den Partnern eben fliessend – im besten Sinne der Gastfreundschaft», sagt Michael Böhler.
Letztlich ist es dieser One-Voice-Ansatz, der administrative Hürden abbaut und Freiraum für eine wettbewerbsfähige Hospitality-Branche im Kanton schafft.
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